Es gibt Orte in der Großstadt Berlin, die man kennen sollte, weil man sonst echt was verpasst hat. An einem solchen Ort beginnt unser Spaziergang: an der Dorfkirche Berlin-Britz in der Backbergstraße im Bezirk Neukölln. Gut eine dreiviertel Stunde dauert die Fahrt mit dem Bus M46 vom S- und U-Bahnhof Zoologischer Garten zur Fulhamer Allee, der Zielhaltestelle. Einmal quer durch die Stadt.

Wenige Meter weiter biegen wir rechts in die Backbergstraße. Die Dorfkirche, ein Feldsteinbau aus der Zeit um 1300 mit Turm und spitzem Dach steht idyllisch unter Linden auf einer kleinen Anhöhe, direkt über dem Dorf- oder Kirchteich. In vielen Jahrhunderten erhielt das Kirchenschiff mit frühgotischem Grundriss neben An- und Umbauten mal Putz, dann einen barocken Kanzelaltar, einen neuen Turm, dafür verschwand der Putz, die Feldsteine kamen zum Vorschein. In der Kirche – sie erhielt 1948 Glasmalereien wie Weihnachts- und Tauffenster von Charles Crodel – werden Schätze in einer Vitrine ausgestellt, so eine Taufschale aus dem 15. Jahrhundert, ein historisches Brotgefäß für das Abendmahl und ein Kelch von 1720.

Ein Rundgang um den angrenzenden Dorfteich mit Enten, Schilf, Steg und Bänken zum Verweilen ist nicht möglich, ohne ein Stück auf dem Britzer Damm zu gehen: Der Uferweg ist mit einem Tor versperrt. Nach wenigen Metern auf der stark befahrenen Straße biegen wir wieder links zum Teich ab und gelangen nach ein paar Metern am Ufer am Gutshof Britz an. Der Hof, kopfsteinbepflastert, mit seinen historischen, frisch restaurierten Wirtschaftsgebäuden aus dem 19. Jahrhundert, gelbe Ziegelbauten, beherbergt heute kulturelle Einrichtungen wie das Museum Neukölln, Kulturstall, Freilichtbühne und die Musikschule Paul Hindemith.

Im Schweizer Haus auf dem denkmalgeschützten Areal bietet Sternekoch Matthias Buchholz seinen Gästen im Restaurant „Buchholz Gutshof Britz“ auf zwei Etagen und im Freien gehobene Landhausküche. Während die deutsche Edelziege, das pommersche Landschaf und Vertreter des Altdeutschen Schwarzbunten Niederungsrinds mit Kaltblutpferden im hinteren Teil des Gutshofes im Tiergehege auf Besuch warten. Es handelt sich um einheimische alte Rassen, die zum Teil auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen stehen. Die Kulturstiftung Schloss Britz bietet hier Kinder- und Jugendgruppen museumspädagogische Führungen zu Einsatz und Haltung der Tiere im Verlauf der Geschichte und heute.

Wir durchqueren den Hof und biegen am Ausgang links ab Richtung Fulhamer Allee. Nach wenigen hundert Metern biegen wir links in den Schlosspark Britz ein, wandern die Wege an Rosen und Sonnenblumen entlang zu einem Tor. Dahinter beginnt der 1, 8 Hektar große Schloss- und Gutsgarten des Schlosses. Der angrenzende Rosengarten mit Laubengängen und gepflegten Beeten liegt nicht auf dem Weg, ein Abstecher lohnt aber.

Wir passieren das Tor und besuchen, links ab, das heulende Milchmädchen. Die Skulptur ist eine Kopie der Bronzefigur Milchmädchen mit zerbrochenem Krug, die Pawel Petrowitsch Sokolow im Jahr 1816 für den Park des Katharinenpalastes in Puschkin bei Sankt Petersburg schuf und die seit 1998 sommers wie winters im Schlossgarten vom Schloss Britz über zerbrochenem Krug weint.

Wir wandern zum Ausgang des Schlossgartens am Schloss, das als „Perle des Bezirks Neukölln“ gilt und ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention ist. Um 1706 erbaut ist das ehemalige Herrenhaus des historischen Ritterguts heute Sitz der Kulturstiftung Schloss Britz und beherbergt ein Museum für die Wohnkultur der Gründerzeit sowie das Restaurant & Hotel Schloss Britz, das von Auszubildenden des Hotels Estrel Berlin als Projekt geführt wird. Gegenüber vom Schloss liegt die Backbergstraße, wo unser Spaziergang begann.

RAA