Adventskalender 2021

Kräuterliköre aus der Hexenküche in Kreuzberg

| Lesedauer: 8 Minuten
Katrin Lange
Produktionsleiter Danny Krüger mit einem Mampe Halb & Halb im Schnapsladen der Manufaktur.

Produktionsleiter Danny Krüger mit einem Mampe Halb & Halb im Schnapsladen der Manufaktur.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Kulinarischer Adventskalender, Teil 4: Mampe Berlin in Kreuzberg: von bitteren Tropfen bis Popcorn-Likör - Rezept inklusive.

Es ist früher Nachmittag. Florian Löhlein steht vor einem Tisch, auf dem sich die Flaschen in vier Reihen hintereinander schieben. Große, kleine, eckige, runde – jede Flasche ein Unikat. „Mögen Sie Popcorn?“, fragt Löhlein unvermittelt und wartet gar nicht erst die Antwort ab. Er greift nach einem schlanken Exemplar mit weißem Etikett: „Riechen Sie mal. Ist das nicht wie im Kino? Den müssen Sie probieren.“ Den Einwand, dass es 14 Uhr ist und der Arbeitstag noch lang, überhört er und gießt ein. Er hat ja recht: Wann gibt es schon die Gelegenheit, Popcorn-Likör zu trinken? Bislang nur bei einem Besuch in der Manufaktur von Mampe in Kreuzberg.

Herzstück der Manufaktur im alten Industrie-Backstein-Charme ist das gläserne Labor. Hier wird experimentiert, mit Rum, Gin, Wodka, Kräutern, Beeren. Es gibt nichts, was nicht in die Flasche kommt. Florian Löhlein, neben Quirin Graf Adelmann einer der beiden Geschäftsführer von Mampe, greift schon wieder zu einer neuen Flasche. Diesmal mit Zuckerwatte-Likör. Okay, riechen ja, kosten nein. Wie soll man sonst aus dieser Hexenküche herauskommen? Es ist allerdings eine sehr moderne Hexenküche mit vielen Apparaten und Instrumenten. Aber auf der Suche nach dem ultimativen Zaubertrank ist man auch hier. Nur heißt das heute Produktentwicklung.

Vor 190 Jahren ein Bitterlikör gegen die Cholera

Dafür ist keine Idee zu absurd. „Wenn ein Kunde sagt, er will einen Likör mit Popcorn, dann machen wir das“, sagt Löhlein. Kommt das Getränk gut an, werden zunächst kleine Mengen hergestellt. Eine Influencerin, die beim „Perfekten Dinner“ war, wollte ihren Gästen ein Getränk aus Kaffee, Beeren, Gurke und Wodka anbieten. Sie beauftragte Mampe, dieses einmalige Getränk herzustellen und konnte damit punkten.

Die heutigen Inhaber von Mampe sind damit wieder auf dem Weg, den der Firmengründer vor genau 190 Jahren eingeschlagen hat. Angefangen hat die Geschichte in einer Epidemie. Der geheime Sanitätsrat Carl Mampe war 1831 auf der Suche nach einem Mittel gegen die grassierende Cholera und braute in Pommern einen Magenbitter. Er zog nach Berlin und verkaufte seine „Bitteren Tropfen“ zunächst nur in Apotheken. Das Rezept gab er an seine Stiefbrüder weiter, die Fabriken errichteten, in denen die Bitteren Tropfen hergestellt wurden. Erst um die Jahrhundertwende wurde die Produktpalette erweitert, 1894 kam der Halb und Halb dazu, später der Gin, bis Mampe fast alle gängigen Spirituosen im Angebot hatte.

Bei Cholera konnten die „Bitteren Tropfen“ wohl genauso wenig helfen, wie heute gegen Corona – auch wenn das einige scherzhaft in den sozialen Netzwerken behaupten. Dennoch gehören die „Bitteren Tropfen“ immer noch zum Programm und werden von Mampe mit seiner „wohltuenden Wirkung“ beworben. „Sie müssen ihn kosten, unbedingt, das ist Pflicht“, heißt es wieder. Klar, wer soll schon etwas gegen eine wohltuende Wirkung haben. Es stimmt, es ist ein sehr bitterer Bitterlikör.

Es gab eine Zeit, da hatte Mampe fast alles im Angebot, was die Spirituosenwelt zu bieten hat. 1929 verließen 78 Likör- und Weinbrandsorten die damals modernste Weinbrennerei in alle Welt. In Berlin, Frankfurt am Main und Leipzig gab es Mampe-Probierstuben, eine davon am Kurfürstendamm. Dort soll Joseph Roth seinen Radetzkymarsch beendet haben. 1986 wurde das Lokal geschlossen.

Noch vor 60 Jahren war Mampe gut im Geschäft mit immer neuen Produkten. So gab es einen Longdrink auf der Basis von Zitrone. „Für Fernsehen, Freizeit, Fröhlichkeit“ stand auf dem Etikett, passend zu den aufkommenden Spielshows am Sonnabend. In der Bundesligasaison 1978/79 war Mampe Sponsor von Hertha BSC, die Trikots sind heute noch legendär. Auch David Bowie machte die Marke 1978 bekannt, als er in dem Film „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ als Mampe-Flasche verkleidet durch Berlin lief. Sogar Elefanten – seit 1926 das Markenzeichen – hießen Carl oder Mampe im Zoo.

„In den 1980er-Jahren sank die Präsenz von Mampe in den Schnapsregalen allmählich“, sagt Produktionsleiter Danny Krüger bei einem Rundgang durch die Manufaktur. Deshalb sei es nach 40 Jahren Zeit gewesen, die Spirituosen wieder in die Gläser der Berliner und in die alte Heimat zurückzuholen. Seit 2017 ist das Unternehmen mit Manufaktur und Büro wieder in der Stadt auf dem Tempelhofer Berg ansässig. Geblieben sind die alten Rezepturen der Klassiker, die die neuen Inhaber mit den Markenrechten erworben haben. Dazu kommen ständig neue Mixturen. Und auch neue Angebote für Events, wie Kurse, in denen die Teilnehmer Gin nach ihrem Geschmack selbst herstellen. Wacholder darf nie fehlen, weitere Zutaten können Johannisbeeren, Mate, Pfefferminz, Koriander oder Kardamom sein.

Das Unternehmen hat zwei Produktlinien, die sich in den Flaschen unterscheiden. Im Handel gibt es Glasflaschen mit Spirituosen wie Gin, Wodka und Kräuterlikör, die bei einem Partnerunternehmen in Sachsen abgefüllt werden. Gab es diese Glasflaschen bisher fast nur in Berlin und im Umland, werden sie ab 2022 mehr und mehr wieder in ganz Deutschland erhältlich sein.

In der Kreuzberger Manufaktur hingegen werden schwarze Steingutflaschen abgefüllt. Etwa 20.000 Tonflaschen sind es jedes Jahr, die mit besonderen Editionen die Schnapsmanufaktur verlassen. Ungefähr zehn Spirituosen sind immer im Programm und vor Ort zu verkosten. Kunden können sich auch auf der Internetseite mampe.berlin die Zutaten für ihren persönlichen Gin zusammenstellen und die Flasche schicken lassen.

Zwischen Schnapsladen und gläsernem Labor, umgeben von Edelstahlbehältern und großen Ballons mit Destillaten, ist Maxi an diesem Tag damit beschäftigt, Etiketten auf kleine Flaschen mit Mampes Kudamm-15-Gin zu kleben. Auch das wird hier von Hand gemacht. Maxi ist Praktikant aus London und wird in diesem Jahr lernen, wie man aus Wasser, Alkohol und Destillaten hochwertige Spirituosen herstellt. Jetzt muss der 20-Jährige für die digitale Weihnachtsfeier einer Firma 100 Tasting-Pakete mit vier Mampe-Sorten packen, die gemeinsam virtuell verkostet werden. Moderiert wird die Veranstaltung aus der Mampe-Manufaktur heraus. Nicht fehlen darf in der Weihnachts-Box das Original: die Bitteren Tropfen.

Mampes Halb & Halb-Kugeln zur Weihnachtszeit

In der Mampe-Manufaktur werden im gläsernen Labor nicht nur neue Getränke gemixt. Kreativ sind die Macher auch, wenn es darum geht, ihre Liköre für süße Nachtische zu nutzen. Die Halb & Halb-Kugeln sind eine neue Erfindung – passend zur Weihnachtszeit.

Zubereitungszeit

3 Stunden 20 Minuten,

davon 3 Stunden Ruhezeit im Kühlschrank

Zutaten

400 Gramm Zartbitterschokolade
(auf Wunsch vegan)

300 Gramm Margarine
(auf Wunsch vegane)

100 Gramm Puderzucker

240 Gramm Mandeln gehackt

4 Esslöffel Kräuterlikör Halb & Halb

nach Belieben Kakaopulver und/oder Mandelblättchen

Zubereitung

1. Die Zartbitterschokolade in kleine Stücke brechen, in eine Schale tun und schmelzen lassen. Das geht am besten in einem Wasserbad. Aber Vorsicht: Die Hitze darf dabei nicht zu hoch sein.

2. Ist die Schokolade geschmolzen, können im Folgenden Margarine, Zucker, Mandeln und der Kräuterlikör Halb & Halb zugeben werden. Das geschieht unter ständigem Rühren.

3. Wenn eine schöne gleichmäßige Masse entstanden ist, wird die Schüssel in den Kühlschrank gestellt. Dort soll sie etwa drei Stunden gut durchkühlen.

4. Aus der erkalteten Masse werden nun kleine Kugeln geformt, die dann – je nach Geschmack – entweder in Kakao oder Kokosflocken gewälzt werden.

Tipp

Die Schapsmanufaktur in Kreuzberg bietet ihren Kunden auch an, einen eigenen Gin herzustellen. Dafür können Interessierte auf der Internetseite mampe.de zum „Ginspirator“ gehen und sich dort durch die Zutatenliste klicken und auswählen. Die eigene Spirituose ist auf jeden Fall ein unverwechselbares Geschenk.

Mampe Spirituosen GmbH

Am Tempelhofer Berg 6,

Manufaktur: Aufgang 2

Büro: Aufgang 5

10965 Berlin

info@mampe.berlin, www.mampe.berlin