Verkaufsoffener Sonntag

Jetzt aber schnell - das große Weihnachtsshopping-Finale

Smartphones, Schmuck und Parfüm: Was die Berliner kurz vor Weihnachten kaufen und wo man am verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt noch fündig wird.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Es bleibt nicht aus, das große Einkaufsfinale kurz vor Weihnachten. Am vierten Advent haben noch einmal alle Spätstarter die Chance, ein Weihnachtsgeschenk zu besorgen. Am Sonntag sind die Geschäfte von 13 bis 20 Uhr geöffnet. In der Gunst der beliebten Gaben hätten die Gutscheine noch einmal ihre Spitzenposition ausbauen können, sagt der Chef des Berliner Einzelhandelsverbandes, Nils Busch-Petersen. Gleich dahinter lägen Tablets und Smartphones, gefolgt von den klassischen Geschenken wie Schmuck, Parfüm, Bücher und Spielzeug.

Das Weihnachtsgeschäft sei gut angelaufen, sagt Busch-Petersen, allerdings mache sich das Onlinegeschäft bemerkbar. Etwa zehn Prozent der Geschenke würden im Internet bestellt werden. Dadurch verringere sich die Zahl der Kunden in den Geschäften. Ein weiteres Problem sei, dass sich bei den hohen Temperaturen Winterware nur schlecht verkaufe. Doch natürlich verkaufen sich manche Dinge zu Weihnachten besonders gut. Die Morgenpost hat nach den Bestsellern der Saison gefragt.

In den Galeries Lafayette an der Friedrichstraße in Mitte wird der Einkauf zelebriert. „Die Kunden verschenken zu Weihnachten traditionell alles, was funkelt“, sagt Marketing-Chefin Louisa Makowsky. „Ganz vorne liegt der Schmuck.“ Neben harten Steinen wollen die Kunden aber auch ganz weiche Stoffe: „Lingerie ist sehr nachgefragt“, sagt Makowsky. Schöne Unterwäsche verkauft sich gut in der dunklen Jahreszeit. Und damit kommt ein drittes Produkt zum Zug, ein herkömmlicher Favorit der Geschenkesuchenden: Parfüm. „Der Klassiker bleibt der Duftbereich“, so Makowsky. Im Onlinehandel sieht die Marketing-Chefin keine Konkurrenz. „Wir selbst verkaufen nicht über das Internet.“ Gerade im Premiumbereich brauche der Kunde die Beratung vor Ort. „Einen 4000-Euro-Ring kauft man nicht online“, so Makowskys Erfahrung, „der Einkauf bei uns ist als eigenes Erlebnis Teil des Schenkens. Darauf legen wir großen Wert.“ Der Aufwand scheint sich zu lohnen. Jedenfalls lautet Makowskys Zwischenbilanz zum Weihnachtsgeschäft: „Es ist okay. Wir sind zufrieden.“

Auch etwas weiter nördlich an der Friedrichstraße bei Dussmann hat der Onlinehandel nur eine geringe Bedeutung. „Unsere Kunden schätzen unsere persönliche Beratung und die stimulierende Einkaufsatmosphäre vor Ort“, erklärt Pressesprecherin Bianca Krömer. Man sei „sehr zufrieden“, das Weihnachtsgeschäft „läuft in diesem Jahr besser als 2013.“ Das Unternehmen kann seine Topseller ganz genau benennen. Aktuell meistgefragt ist der Roman „Im Café der verlorenen Jugend“ von Patrick Modiano. Als Klassik-CD findet Lang Langs „The Mozart Album“ den höchsten Absatz. Das beliebteste Sachbuch stammt von Matteo Civaschi und Gianmarco Milesi, es heißt „Der ganze Film in 5 Sekunden“. Der beliebteste Film wiederum – als DVD – ist „Monsieur Claude und seine Töchter“.

Bei den 130 Geschäften der Potsdamer Platz Arkaden in Tiergarten lassen sich nicht die drei Bestseller ermitteln. Aber Center-Manager Lutz Heinicke nennt Trends. Dazu gehören der saisonal obligatorische Kauf von Flakons mit Damen- und Herrendüften sowie von Uhren und Schmuck. Da alle Geschenke transportiert werden müssen – oder weil der Weihnachtsurlaub ansteht –, fragen die Kunden auch nach Lederwaren, Reisetaschen und Koffern. Und dass, obwohl der spezielle Weihnachtsservice des Centers eine Art Konkurrenz dazu ist. Denn die Potsdamer Platz Arkaden bieten derzeit einen kostenlosen Einpackservice und liefern die Pakete noch am selben Tag kostenlos nach Hause. „Das wird hervorragend angenommen“, sagt Heinicke.

Im Zeichen der Mode steht das Bikini Berlin an der Budapester Straße in Charlottenburg. Dort läuft das Weihnachtsgeschäft „sehr gut“, wie Sprecherin Anne-Katrin Berends sagt. „Die Shopbetreiber sind sehr zufrieden.“ Frequenzstärkster Tag sei der vergangene Sonnabend gewesen, „mehr als 30.000 Besucher kamen“. Zusätzliche Attraktionen sind zurzeit eine Eisbahn auf der Dachterrasse sowie eine Projektion am Westeingang des Bikinihauses. „Die Concept Mall von Bikini Berlin steht für besondere Designartikel und lokale Berliner Fashionlabel“, erklärt Berends. So seien im Weihnachtsgeschäft besonders Designartikel und Mode von jungen Berlinern Designern nachgefragt, aber auch ausgewählte Food-Produkte, die von Mietern aus den für Bikini Berlin typischen Boxen angeboten werden. Zu deren Mietern gehört der Onlinehändler Urbanara. Das Unternehmen hat für einen befristeten Zeitraum solch eine Box als stationären Laden eingerichtet, um Kunden Produkte – von Teppichen und Kissen über Handtücher bis zu Porzellan – zu präsentieren.

Ganz anders – und zwar familienorientiert – ist der Verkaufshit bei Karstadt am Herrmannplatz in Kreuzberg. „Bei uns verkauft sich das Spiel des Jahres – ‚Camel Up‘ sehr gut“, berichtet Filialgeschäftsführer Andreas Joslyn. Ebenso lägen Plüschtiere wieder voll im Trend. Das Haus richtet auch einen Weihnachtsmarkt aus. Dort, so Joslyn, „werden insbesondere hochwertige Artikel aus dem Erzgebirge und Dekomaterialien gekauft“.

Auch Dekoration ist beliebt. So liegen am 24. Dezember nicht nur fertige Endprodukte auf dem Gabentisch. Der Trend zum Selbermachen hat schon seit längerem Einzug gehalten in zahlreichen Haushalten. Ob Gummi oder Kork, Pfeifenreiniger oder Papier, Bänder, Schläuche und verschiedene Farben – Kreativgeschäfte wie Modulor am Moritzplatz in Kreuzberg und Hobbyshops wie die vier Filialen von Firmengrüner Wilhelm Rüther haben im Dezember einen ihrer Verkaufshöhepunkte. Auch Geschäftsinhaber Martin Rüther in der Filiale an der Schöneberger Goltzstraße sagt: „Das beginnt im November mit dem Kauf von Materialien, um Adventskalender zu basteln, dann die Schuhe für den Nikolaus und nun werden vor allem Sachen zum Dekorieren gekauft.“

Was wären die Geschenke ohne das richtige Essen? „Würstchen mit Kartoffelsalat – davon verkaufen wir Unmengen“, sagt Dietmar Rogacki von der gleichnamigen Feinkosthandlung an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. Doch so traditionell dieses typische Berliner Weihnachtsessen auch ist, der „Renner“ sei die Weihnachtsgans. „Die Zubereitung dauert bloß lange“, sagt der Firmenchef. Er findet es toll, wenn der Bratenduft durchs Haus wehe. Doch der Trend ging in eine andere Richtung: „Viele Kunden wollen sich die Zeit zum Kochen nicht mehr nehmen und bestellen eine fertig gebratene Gans bei uns.“ Seine Mitarbeiter liefern Heiligabend bis 14 Uhr aus. Das Angebot ist ausgebucht – die nächsten Bestellungen sind erst wieder ab 10. Dezember 2015 möglich.

Einzelhandel prognostiziert Umsatz von 85,5 Milliarden Euro

Die deutschen Einzelhändler ziehen drei Tage vor Weihnachten eine gemischte Bilanz des bisherigen Weihnachtsgeschäfts. Während die milden Temperaturen der Textil- und Sportartikelbranche zusetzen, weil warme Kleidung und Wintersportartikel liegen bleiben, sind die Anbieter von Möbeln, Unterhaltungselektronik und Spielwaren zufrieden. „Die Innenstädte sind weiterhin die Einzelhandelsstandorte Nummer eins, stehen jedoch wie im Vorjahr erheblich unter Druck“, resümierte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), am Sonntag in Berlin.

Der HDE prognostiziert für das gesamte Weihnachtsgeschäft einen Umsatz von 85,5 Milliarden Euro – das wären 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Stärker legten die Verkäufe im Internet zu: Der Online-Handel könne im November und Dezember voraussichtlich ein Umsatzplus von 18 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro verbuchen.

Laut Genth rüsten sich die Händler nun für den letzten großen Ansturm vor dem Fest: „Wir gehen in diesem Jahr von besonders vielen Last-Minute-Shoppern aus.“ Der Kalender beschere den Kunden zwischen dem vierten Advent und Heiligabend zwei zusätzliche Einkaufstage.