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Mais statt Holz: Berliner bieten Alternative zur Grillkohle

Mais statt Holz: Immer wieder landen auch Tropenhölzer im Feuer. Umweltschützer und Jungunternehmer suchen nach Alternativen.

Für Verbraucher ist schwer  erkennbar, welches Material in der Kohle brennt

Für Verbraucher ist schwer erkennbar, welches Material in der Kohle brennt

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa

Berlin. Johannes Musiol und Valentin Schnoor haben nach einer Alternative für herkömmliche Grillkohle gesucht, weil die einem großen Teil aus Tropenhölzern gefertigt wird. Der Regenwald gerate damit unnötig unter Druck, so Musiol. „Das ist ein kontinuierlicher Prozess, es wird auch nicht wieder aufgeforstet, wächst nicht wieder nach“, hat er in Uganda beobachtet.

In Berlin haben Musiol und Schnoor deshalb das Start-Up Maister gegründet, um den Grillkohlemarkt zu revolutionieren. Statt Holz benutzen sie für ihren Brennstoff Maisspindeln, den Teil der Pflanze, der nach der Ernte auf den Feldern übrig bleibt.

Ob im Garten, auf dem Balkon oder im Park – derzeit wird vielerorts gegrillt. 90 Prozent der Deutschen besitzen einen Grill, und zwei Drittel befeuern diesen mit Holzkohle. Elektro-, Gas- oder Solargrille sind abgeschlagen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage: Allein im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt rund 219 000 Tonnen Holzkohle im Wert von knapp 102 Millionen Euro importiert – acht Prozent mehr als im Vorjahr. Tendenz steigend.

Die meisten Kohlen kommen hierzulande aus Polen und der Ukraine, aber auch aus Nigeria und Paraguay. Doch welche Hölzer oder Materialien in der Holzkohle stecken, ist für Verbraucher nur schwer zu erkennen. Denn selbst wenn eine deutsche Adresse auf der Verpackung steht, heißt das nicht, dass die Holzkohle in Deutschland hergestellt wird. Es kann sein, dass sie hier nur abgefüllt wurde.

Kohle gibt es auch aus Kokosnussschalen

Die Unübersichtlichkeit bestätigt ein Produkttest des Thünen-Instituts für Holzforschung. Dieses hat 36 Angebote von Baumärkten, Discountern, Supermärkten und Tankstellen im Auftrag der Umweltorganisation WWF im Labor analysiert. Dabei kam schließlich heraus: In 40 Prozent der Kohlesäcke steckte Tropenholz. 32 Säcke enthielten entweder gar keine oder fehlerhafte Angaben zur Holzart. Ein extremes Beispiel: Auf der Kohle „Flash Barbecue Season“ von Bauhaus prangte zwar der Aufdruck „Kein Tropenholz“ – tatsächlich bestand die Hälfte der Kohle jedoch aus ebendiesem.

Die Verwendung von Tropenholz ist nicht „per se verboten“, sagt der WWF-Forstexperte Johannes Zahnen. Doch werde Regenwald häufig illegal abgeholzt, um Platz für Vieh, für Palmöl- und Sojaplantagen zu schaffen. Die Grillkohle ist ein Nebenprodukt. Der Regenwald gerät damit unnötig unter Druck.

Eigentlich gibt es ein EU-Gesetz, mit dem Tropenwälder geschützt werden sollen: die europäische Holzhandelsverordnung. Schließlich geht es um ein wertvolles Ökosystem, da Regenwald in besonderem Maße das Treibhausgas CO2 speichert. Zudem ist er Lebensraum für seltene Tiere.

Holzkohle wird nicht überprüft

Darum müssen Hersteller sicherstellen, dass importierte Hölzer und Holzprodukte aus legalem Einschlag stammen. Doch Holzkohle ist eine von vielen Ausnahmen – und wird nicht weiter überprüft.

Das Bundesagrarministerium will sich dafür „einsetzen“, dass sich diese Ausnahmeregelung ändert. Auch einige Handelsketten denken um. So hat Bauhaus nach eigenen Angaben seit Januar sein „Sortiment an Grill-Holzkohle auf FSC-zertifizierte Produktion umgestellt“. Auch Aldi setzt auf FSC-Ware. Dieses Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) ist ein internationales Zertifikat, dass Holz ökologisch und sozial verträglich produziert wurde.

Bei den Grillkohle-Proben des Thünen-Instituts sind zwar auch einige FSC-zertifizierte Produkte negativ aufgefallen, der WWF empfiehlt die Kohle mit dem Siegel aber dennoch, sagt Zahnen: „Es bietet weltweit noch die größte Chance, saubere Kohle zu bekommen.“

Verbraucher können den Markt verändern

Die Rewe-Gruppe strebt an, bis Ende 2019 ausschließlich zertifizierte Holzkohle in ihren Märkten zu verkaufen. Sie verweist zugleich auch auf das umstrittene Branchensiegel PEFC, wovon auch der WWF abrät. Positiv sei dagegen das Naturland-Siegel auf den Produkten.

Dass sich Kohle anders produzieren lässt, machen einige Unternehmen bereits vor. Es gibt beispielsweise Grillkohle aus Abfällen der Olivenölproduktion oder aus Kokosschalen.

So setzen die Geschäftsleute Johannes Musiol und Valentin Schnoor auf eine neue Methode. Als die beiden Männer hörten, dass in Holzkohle oft mehr als 50 Prozent Tropenholz stecken, wurden sie hellhörig. Das passe weder mit dem Klima- noch Regenwaldschutz zusammen – und sie suchten nach Alternativen. Bei ihrer Arbeit für deutsche Firmen auf Farmen in Afrika wurden sie fündig. Dort entdeckten sie die Reste abgeernteter Maisfelder als „saubere Alternative“ zur klassischen Grillkohle, die besonders „schnell Glut und große Hitze“ entwickle.

Grillkohle-Markt umkrempeln

Statt Holz heißt ihr Brennstoff Maisspindel: alle Pflanzenreste, die auf den Feldern nach der Ernte übrig bleiben und verrotten – also Abfall. Nun haben Musiol und Schnoor das Berliner Start-up Maister gegründet, um den Grillkohlen-Markt umzukrempeln. Künftig soll es Kunden nicht mehr Wurst sein, welche Kohle im Grill glüht. Ihre Kohle aus Maiskolben ist bereits in Biomärkten sowie bei Edeka, Rewe oder Real erhältlich. Grillfreunde haben somit schon beim Einkauf die Chance, mit ihrer Produktwahl den Markt zu verändern.

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