Die Immobilienbranche registriert seit 2010 einen starken Anstieg der Büroflächenumsätze durch Start-ups. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 sorgten Anmietungen durch junge Unternehmen der Digitalbranche für rund ein Viertel (136.000 Quadratmeter) des Berliner Flächenumsatzes von insgesamt 584.000 Quadratmetern.

Auf junge Unternehmen entfallen immerhin 15 Prozent der vermieteteten Flächen. Auffällig ist der Anstieg der durchschnittlichen Flächengröße von 300 Quadratmetern (2005) auf aktuell 900 Quadratmeter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle (JLL).

Start-ups stellen höhere Anforderungen

Start-ups zahlen ähnliche Mieten wie traditionelle Mieter (13,50-14 Euro). Spitzenwerte liegen bei 21 Euro. Sie stellen aber höhere Anforderungen hinsichtlich der Standorte (verkehsgünstig innerhalb des S-Bahn-Ringes) und der Ausstattung der Immobilien. So gilt eine flexible Raumaufteilung als Muss. Dienstleistungsangebote werden immer wichtiger.

„Langfristig wird Berlin neue Flächen für das Start-up-Segment schaffen müssen. Dabei werden Entwickler und Eigentümer neue Anforderungen beim Raumdesign und bei den Dienstleistungsansprüchen der Mieter zu erfüllen haben, um am Markt erfolgreich zu sein“, sagt Rüdiger Thräne, Niederlasungsleiter von JLL in Berlin.

Start-ups werden stärkerer Wirtschaftsfaktor

JLL hat sich die Start-up-Szene genau angesehen. Jede zweite aktive Gründung in Deutschland hat ihren Sitz in Berlin. Drei Viertel (1,4 Milliarden Euro) des Wagniskapitals von insgesamt 1,9 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland flossen in diese Stadt. Die Wertschöpfung der Digitalwirtschaft macht 4,2 Prozent der gesamten Berliner Wirtschaftsleistung aus und beläuft sich auf 3,9 Milliarden Euro (2011).

Die größten Büroanmietungen seit dem Jahr 2000 entfielen nach JLL-Berechnungen auf die Unternehmen Zalando (196.000 Quadratmeter), Rocket Internet (46.000), Groupon (41.000), Lieferheld und Wimdu (jeweils 12.000).

Rekordvermietungen in Berlin

Die Rekordumsätze bei der Büroflächenvermietung treiben die Preise: Die durchschnittliche Büromiete belief sich laut JLL im dritten Quartal 2015 in Berlin auf 14,70 Euro/Quadratmeter. Vor eineinhalb Jahren lag sie noch unter 13 Euro. JLL erwartet einen Anstieg der Büromieten bis Ende 2015 um einen Euro. Die Mieten in Spitzenlagen würden dann bei 23,50 bis 24 Euro liegen.

JLL beklagt schon jetzt einen Mangel an Angeboten. Rüdiger Thräne appellierte an Projektentwickler, mutiger zu sein und den Anforderungen der innovativen Branchen stärker Rechnung zu tragen. Das Unternehmen registriert zudem einen Anstieg des Investoreninteresses insbesondere aus Asien („jede Woche zwei Anfragen“) sowie von privaten Vermögensverwaltungen (Family Offices), die Interesse am Kauf von Berliner Immobilien haben. „Diese Szene entsteht gerade in Berlin“, sagt Thräne.