Berlin

Start-ups sind Jobmotoren

Branche wächst mit einer Milliarde Euro Wagniskapital – Jeder fünfte Gründer träumt vom Börsengang

Berlin.  Start-ups in Deutschland haben 50.000 Arbeitsplätze geschaffen, so die am Dienstag vorgelegte Studie Start-up-Monitor des Bundesverbandes deutsche Startups (BDS). „Start-ups sind Jobmotoren“, sagt BDS-Chef Florian Nöll. Sie beschäftigen durchschnittlich 15,2 Mitarbeiter mit steigender Tendenz (plus 0,7 Stellen gegenüber 2014). In Berlin (25,2) sind die Start-ups größer als in Hamburg (19,7) und Rhein-Ruhr (12,3). Insgesamt beschäftigen die befragten Start-ups mehr als 16.000 Mitarbeiter – die Gesamtgröße der Branche wurde hochgerechnet.

Start-ups planen ihr Wachstum zurückhaltender als noch vor einem Jahr. 2014 wollten sie im Schnitt zehn Personen einstellen, in diesem Jahr nur noch acht. Die Zurückhaltung könnte an der Einführung des Mindestlohns liegen, der mehr als 50 Prozent der Start-ups negativ beeinflusst. Mehr als 60 Prozent haben deswegen die Einstellungspraxis für Praktikanten geändert. „Praktikanten von heute sind die Mitarbeiter von morgen“, begründet Nöll die Bedeutung der Niedriglohnkräfte.

Als Lobbyverband hat sich der BDS auch für die politische Ausrichtung seiner Mitglieder interessiert: Bei einer Bundestagswahl unter Gründern wäre die FDP mit 29,2 Prozent stärkste Kraft im Parlament – gefolgt von CDU/CSU mit 28,3 Prozent und Grünen mit 18,9 Prozent der Wählerstimmen. Mit 13,3 Prozent hätte die SPD deutlich weniger Zuspruch als in der Gesamtbevölkerung.

37,7 Prozent der befragten Start-ups sind ausschließlich auf dem deutschen Markt tätig. Jedes fünfte Start-up (21,4 Prozent) ist im deutschsprachigen Raum aktiv, jedes sechste (16,8 Prozent) agiert auf EU-Märkten, etwa jedes vierte (24,2 Prozent) weltweit. Knapp zwei Drittel (62,6 Prozent) der Start-ups, die nur in Deutschland aktiv sind, planen eine Internationalisierung. Etwa zwei Drittel (67,0 Prozent) können sich vorstellen, das Start-up innerhalb der ersten zehn Jahre nach Gründung teilweise zu verkaufen. 21,9 Prozent halten einen Börsengang für wahrscheinlich.

Als wichtigste Kapitalquelle nennen die meisten Unternehmer (79,9 Prozent) eigene Ersparnisse, gefolgt von der Unterstützung durch Freunde und Familie (32 Prozent). Jeder Fünfte (20 Prozent) hat sein Start-up unter anderem mit Venture Capital finanziert – jeder Dritte mithilfe von Business Angels (29,7 Prozent). Mithin sind die Business Angels die wichtigsten externen Kapitalgeber in frühen Unternehmensphasen.

Ein Merkmal von Start-ups ist ihre Innovationskraft: Etwas weniger als die Hälfte (40,5 Prozent) geht davon aus, dass ihr Start-up zum Gründungszeitpunkt eine weltweite Marktneuheit (2014: 47,3 Prozent) angeboten hat. Diese Zahl lässt den Schluss zu, dass die Mehrheit der deutschen Start-ups im Ausland bewährte Geschäftsmodelle kopiert und abgewandelt auf den deutschen Markt bringt. Auch die Rahmenbedingungen wurden im Startup-Monitor befragt. Schlechte Noten erhalten die Industrie- und Handelskammern (3,9 auf der Schulnotenkala von eins bis sechs). Mehr als die Hälfte der Gründer nutzt Angebote der Kammern nicht.