Aupeo

„Personal Radio“ ist eine Art Twitter fürs Autoradio

Der Berliner Musikdienst Aupeo startet mit „Personal Radio“ eine neue Plattform für Unterhaltung und Informationen. Acht der zehn wichtigsten Autohersteller sind bereits Partner.

Foto: JakobHoff / Jakob Hoff

In den vergangenen Monaten war es still geworden um den Berliner Internetmusikdienst Aupeo – seit der Elektronikkonzern Panasonic das Unternehmen im April 2013 für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft hat. Doch der Schein trügt. Die Entwickler des Unternehmens haben in ihrem Loft an der Friedrichstraße in Mitte fleißig gearbeitet. Jetzt präsentieren sie „Personal Radio“. Dieser Dienst streamt einen personalisierten Mix aus Musik, Nachrichten, Sport, Wetter- und Verkehrsmeldungen ins Autoradio.

„Wir wollen eine Art Twitter für das Auto werden und unseren Kunden eine personalisierte Radioerfahrung bieten“, sagt Geschäftsführer Holger Weiss und wählt ein Bild: Aupeo solle neben UKW und Mittelwelle das dritte Frequenzband des Autoradios werden.

Aupeo hat früh realisiert, dass die Herrschaft über die Lautsprecher im Auto nur gemeinsam mit den Herstellern der Fahrzeuge zu erlangen ist, die Audio- und Kommunikationssysteme längst als hochwertige Extras anbieten und den Geräten sowie der darauf installierten Software gerne das eigene Branding verpassen. Acht der zehn wichtigsten Autohersteller sind inzwischen Partner von Aupeo. Das Unternehmen erwirtschaftet 85 Prozent seines Geschäfts mit industriellen Kunden (im Branchenjargon Business-to-Business oder B2B genannt). Aupeo hat nach eigenen Angaben eine Million aktive Kunden in 60 Ländern.

Viele Fahrer schließen bereits ihr iPhone im Auto an

Audioanlagen mit Internetzugang im Auto sind bislang ein Privileg in hochpreisigen Fahrzeugklassen. Wer nicht ein paar Tausend Euro für ein solches System hinblättern will, muss sich bislang mit der Integration seines Smartphones via USB-Kabel oder Bluetooth in das Infotainmentsystem seines Autos begnügen. „Doch solche Lösungen greifen zu kurz“, sagt Weiss. „Apps lösen nicht das Problem von Unterhaltung im Auto.“ Denn sie lenken den Fahrer ab.

Die Erfinder von Aupeo wollen dagegen barrierefreien Musik- und Nachrichtenkonsum im Auto ermöglichen. Das bedeutet in erster Linie, weitestgehend auf Apps zu verzichten, denn deren Bedienung erfordert zu viel Aufmerksamkeit. Die Interaktion des Fahrers mit dem Touchscreen müsse auf ein Minimum beschränkt werden, sagt Holger Weiss. „Deshalb sind wir einen Schritt weiter gegangen.“

Und deshalb hat Aupeo eine neue App entwickelt. „Das Personal Radio von Aupeo bietet Inhalte aus fünf Quellen an: Musik, Nachrichten, Verkehrsmeldungen, Sport und Wetterbericht“, erklärt Morten Faust, Entwicklungschef des Unternehmens. Dabei greift Aupeo auf den eigenen, am Markt etablierten Musikdienst zurück. Nachrichten kommen für den US-Markt vom Medienunternehmen CBS, das Wetter von Accu Weather. „Nach den USA werden wir unseren Fokus auf den deutschen Markt legen“, sagt Holger Weiss. Die deutschen Medienpartner wurden noch nicht bekannt gegeben.

Eine Berührung reicht

Der Nutzer erstellt – idealerweise schon zu Hause und nicht erst am Lenkrad – mit der neuen Aupeo-App (wahlweise für Android und iOS) seine persönlichen Programme. Dabei bestimmt er die Mischung aus Musik und Informationen. Er stellt zum Beispiel ein Programm für die Fahrt zur Arbeit mit viel aktuellen Nachrichten und anregender Musik zusammen, eines für lange Strecken, eines für den Abend mit entspannenden Tracks und einigen Podcasts und eines für die Freizeit.

Die Musik- und Nachrichtenmischung lässt sich einfach mit einem Auswahlmenü, Schiebereglern und einigen Klicks zusammenstellen und speichern. Auf diese Weise wird festgelegt, welche Informationsquellen in welchen Zeitintervallen abgerufen werden. Im Auto genügt eine Berührung des Bildschirms, um den Favoriten zu starten,

Die Achillesferse des Angebots ist die Internetverbindung, denn Aupeo streamt die Tracks direkt aus dem Netz. „Der Mobilfunkübertragungsstandard Edge sollte für unsere neue Plattform reichen“, sagte Holger Weiss. Ist das Auto in Gebieten ohne Mobilfunknetz unterwegs, werden so lange gespeicherte Informationen abgespielt, bis wieder neue Nachrichten aus dem Netz bereitstehen. Musik kommt dann aus dem Speicher des Smartphones.

Holger Weiss sieht das „Personal Radio“ von Aupeo in der fast 90 Jahre langen Tradition des Rundfunkempfangs im Auto. Audio erlebt nach seiner Einschätzung derzeit eine Renaissance und wird im Zeitalter von Video unterschätzt. Dabei ist es das einzige Medium, das mobil weitgehend ablenkungsfrei konsumiert werden kann. „Ich sehe für die Zukunft einen Anstieg bei den Audio-Inhalten“, sagt er. Audio biete große Chancen für journalistische Qualitätsinhalte und schlage eine Brücke zwischen dem traditionellen und dem digitalen Veröffentlichen.

Aupeo will den Standard im Auto setzen

Das Angebot von Aupeo ist derzeit noch auf wenige Quellen beschränkt. Eine Öffnung der Plattform für Podcast- und andere Dienste wie SoundCloud steht zwar derzeit nicht auf der Tagesordnung, eine Überlegung sei das aber wert, sagt Weiss. Doch zunächst will er die „sichere, legale und sortierte User Experience von Personal Radio“ auf den Markt bringen.

Das Potenzial von Internet im Auto mit personalisierten Informations- und Unterhaltungsstreams wird in einigen Jahren beim durchschnittlichen Verbraucher angekommen sein, ist sich Holger Weiss sicher. „Das ist genauso wie vor sechs Jahren mit den Mobiltelefonen.“ Damals gab es alle Bausteine für das mobile Internet. Doch es musste erst gelernt werden, sie zusammenzusetzen und das Netz auch unterwegs zu nutzen. Nokia, der damalige Handy-Weltmarktführer, verlor dabei den Anschluss. Apple hat mit dem iPhone schließlich einen neuen Standard gesetzt. Einen solchen Standard will Weiss mit Aupeo im vernetzten Auto etablieren.