Mobile Games

Candy-Crush-Erfinder King lässt in Berlin Spiele entwickeln

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Jürgen Stüber

Foto: Jürgen Stüber

King gehört zu den weltweit führenden Entwicklern mobiler Gelegenheitsspiele. Jetzt hat der Erfinder von Candy Crush Saga auch in Berlin ein Studio eröffnet, um Prototypen zu entwickeln.

King, der Marktführer bei Gelegenheitsspielen (Casual Games), setzt neue Maßstäbe für Berliner Start-up-Büros. Nachdem Kicker, Tischtennisplatten und Schaukeln für Entspannung und Spaß der Mitarbeiter von Tech-Firmen mittlerweile Standard geworden sind, haben die Innendesigner dem neuen King-Büro eine fünf Meter hohe Röhrenrutsche verpasst, die beide Etagen des 1400 Quadratmeter großen Studios verbindet. Mit Schwung geht es bei King auch ansonsten zur Sache. Das Unternehmen hat 30 Angestellte mit 14 Nationalitäten in Berlin. Das Büro bietet Platz für 80. Schon bald sollen alle Schreibtische belegt sein.

Berlin gewinnt als Standort der Spieleindustrie an Bedeutung. Sie ist eine der wichtigsten Teilbranchen der Tech-Szene geworden – mit Entwicklern wie Wooga, mit Vermarktern wie GameGenetics, Unternehmen der Hifox-Gruppe und Seven Games, der Spielesparte von ProSiebenSat.1. Sie ist auch eine der zufriedensten Teilbranchen der Tech- und Kreativindustrie: 85 Prozent der im Medienbarometer befragten Unternehmen aus der Branche rechneten 2013 mit steigenden Umsätzen (2012: 75 Prozent).

Mehr als 200 Firmen und Entwickler sind in Berlin aktiv. Zahlen belegen den Boom: „Innovative audiovisuelle Inhalte“ wurden seit dem Jahr 2006 mit 6,1 Millionen Euro gefördert. Das beantragte Fördervolumen hat sich mehr als verzwanzigfacht. Dieser Trend spiegelt sich in Verbraucherzahlen des Medienboards Berlin-Brandenburg: Die Besucherzahl der International Games Week Berlin ist von 530 im Jahr 2007 auf mehr als 10.000 im Jahr 2014 gestiegen.

King entwickelt in Berlin intuitive Spiele

King hat in der historischen Mitte Berlins ein Zuhause gefunden. Der Blick fällt aus den Fenstern auf den Gendarmenmarkt. Hier sollen neue intuitive Spiele erfunden werden, für die man keine Gebrauchsanleitung braucht, die Spaß machen und sich einfach mit dem Daumen auf dem Display des Smartphones spielen lassen. „Berlin ist als Standort sehr attraktiv“, sagt Studioleiter Gabriel Hacker. „Es gibt eine hohe Variation an Tech-Firmen und einen guten Zugang zu Talenten.“ Die Berliner Entwickler von King arbeiten zurzeit an mehreren Prototypen.

Dieses Umfeld passt zum Kern des 2003 in Stockholm gegründeten Unternehmens. „Wir brauchen ständig neue herausragende Spiele“, beschreibt Hacker die hit-getriebene Branche. „Wir arbeiten in kleinen Teams, wodurch innovative Ideen entstehen und schnell ausprobiert werden können.“ Die Firma biete seinen Mitarbeitern die Atmosphäre eines Start-ups, in dem sie eigene Ideen verwirklichen können, und die Sicherheit eines an der New Yorker Börse notierten Weltmarktführers.

King zählt mehr als 345 Millionen Spieler

King-Spiele wie der Blockbuster „Candy Crush Saga“ werden kostenfrei angeboten. Jeder Spieler hat bei ihnen einige Freirunden (im Spieljargon: Leben). Sie erneuern sich nach einer gewissen Zeit. Wer schneller vorankommen will, kann wahlweise Freunde in sozialen Netzwerken um Unterstützung bitten, wobei er nebenbei Werbung für das Spiel macht, oder neue Leben und virtuelle Gegenstände kaufen, die ihm schnellere Erfolge ermöglichen.

King beziffert die Zahl seiner Spieler insgesamt mit monatlich mehr als 345 Millionen. Das Unternehmen hat für weltweit 200 Märkte 190 Spieletitel entwickelt. King hat außer Berlin sechs Game-Studios in Singapur, Stockholm, Barcelona, Bukarest, Malmö und London und außerdem Büros in San Francisco, Malta, Seoul, Tokio und Shanghai.

In den vergangenen Jahren hat sich King mehrfach neu erfunden, denn die Spieleindustrie ist schnellen Trendwenden unterworfen. Um 2008 lag der Fokus auf Games, die im sozialen Netzwerk Facebook gespielt wurden. Wenig später wurden Spiele-Apps für das Smartphone populär, die derzeit den Großteil des Geschäfts von King ausmachen. So ist die Devise „Mobile First“ zur aktuellen Strategie und Erfolgsmotor von King geworden – anders als bei Spieleentwicklern wie Zynga, die diese Neuorientierung verpasst haben und sich zu lange auf Spiele in sozialen Netzwerken konzentrierten.

Apps bleiben wichtiger Motor

Wie lange Spiele-Apps das Hauptgeschäft bleiben, mag auch Hacker nicht zu sagen. „Apps sind eine Erfindung der Smartphone-Generation.“ Sie sind wie Fernsehkanäle aufgebaut. „Durch die Vorherrschaft Apples beziehungsweise Googles im Smartphone-Bereich, der auf das System von Apps setzt, habe ich keinen Grund zur Annahme, dass Apps als Spielekanäle weniger wichtig werden.“ Aber vielleicht gibt es doch irgendwann eine Erfindung jenseits der Apps.

Hacker ist seit 15 Jahren in der Spielebranche tätig. Der gebürtige Westfale arbeitete für den New Yorker Entwickler Take Two Interactive. Danach hatte er den Auftrag, für den privaten Fernsehsender RTL eine Spiele-Einheit aufzubauen. Die nächste Station war bei Perfect World, einem börsennotierten chinesischen Entwickler von Online-Spielen. Danach wechselte er zu King.