Gründer

Versicherer sollen Start-ups finanzieren

Angesichts von Null-Zinsen für Staatsanleihen suchen Versicherungskonzern nach neuen Anlagemöglichkeiten. Die Politik wirbt jetzt für Investitionen in die notorisch unterfinanzierte Gründerszene.

Die Politik wirbt für eine stärkere finanzielle Unterstützung von Start-up-Unternehmen durch die deutschen Versicherer. „Ich bin die Letzte, die Sie in hochriskante Anlagen treiben will“, sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek am Montag auf einer Versicherungskonferenz in Berlin. Doch es sei nicht nur Aufgabe des Staates, für neues Wachstum durch innovative Firmen zu sorgen. Auch Kapitalanlagestellen wie die Assekuranz seien hier gefordert, betonte die Finanzexpertin.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) reagierte jedoch zurückhaltend. Die Branche tue sich schwer mit dem Thema, sagte Axel Wehling, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung. Denn hier gebe es einen Spagat zwischen gesellschaftspolitischer Verantwortung und der Verpflichtung, sicher mit den Garantieversprechen an die Kunden umzugehen. „Insofern sind uns gewisse Infrastrukturinvestments im Moment etwas lieber als Start-ups.“ Die Versicherer wollten hier aber im Dialog bleiben.

Karliczek räumte ein, bei Engagements in junge Firmen müssten Chancen und Risiken abgewogen werden. „Aber es gibt ja auch schon Projekte, die auf dem Weg sind, die dann feststellen, sie brauchen mehr Kapital“, sagte Karliczek, die sich im Bundestagsfinanzausschuss um Versicherungsthemen kümmert.

Zuletzt hatte schon der Beirat für „Junge Digitale Wirtschaft“ im Bundeswirtschaftsministerium für ein stärkeres Engagement von Banken und Versicherern zur Finanzierung von neu gegründeten Unternehmen geworben.

Wegen niedriger Zinsen auf Staatsanleihen suchen Versicherer sichere und langfristige Kapitalanlagen und könnten beim Bau von Stromtrassen oder der Sanierung von Brücken in die Bresche springen, um die Staatskasse zu schonen. Bundesfinanzstaatssekretär Michael Meister (CDU) begrüßte dies und räumte ein, für solche Investitionen müsse die Regulierung nun den richtigen Ausgleich suchen zwischen stabiler Renditemöglichkeit für die Versicherer und der Sicherheit für die Kundengelder. „Diese Balance müssen wir finden.“ Darüber müsse man vernünftig diskutieren.