Die Reiseplattform GoEuro hat in einer dritten Finanzierungsrunde 27 Millionen Dollar (20 Millionen Euro) eingesammelt. GoEuro hat eine Reisesuchmaschine entwickelt. Sie bietet ihren Nutzern die Möglichkeit, für Reisen in Europa unterschiedliche Verkehrsmittel zu kombinieren. Die Suchergebnisse lassen sich für jeden erdenklichen Ort nach Preis und Reisezeit sortieren. Momentan werden sieben europäische Länder erfasst. Die Suchmaschine deckt insgesamt 20.510 Bahnhöfe, 10.011 Busstationen und 207 Flughäfen ab.
Der Absolvent der US-Eliteuniversität Harvard, Naren Shaam, kam mit seiner Idee für eine Reisesuchmaschine im März 2012 nach Berlin. Er hatte zuvor bei einer Europareise die fragmentierten Verkehrsnetze in Europa kennen gelernt. Das inspirierte ihn zur Entwicklung einer Webseite und später eine Smartphone-App, die dieses Problem löst. Ein Jahr später schloss sein Unternehmen eine erste Finanzierungsrunde über vier Millionen Dollar (drei Millionen Euro) ab. Eine weitere Runde im siebenstelligen Bereich folgte Anfang 2014.
An der neuen Runde haben sich die bisherigen Investoren Battery Ventures, Hasso Plattner Ventures und Lakestar beteiligt. Neuer Hauptinvestor ist das Wagniskapitalunternehmen (VC) New Enterprise Associates (NEA). Die Firma gehört mit 190 Portfoliounternehmen und gebundenem Kapital in Höhe von 13 Milliarden Dollar (10 Milliarden Euro) weltweit zu den größten VCs und investiert in Unternehmen aus Technologie- und Gesundheitsbranchen.
Umkämpfter Markt
GoEuro arbeitet auf einem umkämpften Markt und sieht sich mit einer wachsenden Konkurrenz konfrontiert. Als das Unternehmen an den Start ging, gab es außer dem Berliner Start-up Waymate nur Suchmaschinen für ein Verkehrsmittel – vorzugsweise für Flüge wie Opodo oder Expedia und für Züge wie bei der Deutschen Bahn. Wer eine komplizierte Reise buchte, musste mehrere Suchmaschinen befragen.
GoEuro machte es sich zur Aufgabe, dieses Problem durch den Zugriff auf große Datenmengen (Big Data) zu lösen. In den vergangenen Monaten drängten dann immer mehr Start-ups auf diesem Markt der multimodalen Reisesuche, also des Vergleichs verschiedener Verkehrsmittel – Moovel beispielsweise (Mercedes-Benz) oder Xixxit (Deutsche Bahn).
Auch Verkehrsverbünde entdecken zunehmend das Netz. Waymate hat mit seiner neuen App Allryder unterdessen seinen Fokus auf die Mobilität in Ballungsräumen gerichtet. Die App verfolgt auch den multimodalen Ansatz und bietet für eine Reise innerhalb von Verkehrsverbünden eine Auswahl unterschiedlicher Verkehrsmittel an.
Revolution der Reiseindustrie
GoEuro hat das Ziel, größte Reisesuchmaschine in Europa zu werden. „Wir setzen auch weiterhin auf schnelles Wachstum in unseren geschäftlichen Kernbereichen. Mit diesem Investment können wir mit großen Schritten voranschreiten“, erklärte Gründer Naren Shaam. Stellvertretend für die Investorenseite sprach Itzik Parnafes, Gesellschafter von Battery Ventures, von einer Revolution der Reiseindustrie.
„Unser Ziel ist ganz Europa abzudecken“, sagt Geschäftsführer Malte Cherdron. „Damit sind definitiv auch Frankreich, die skandinavischen Länder und Osteuropa auf unserer Liste. Bei GoEuro haben wir uns die Regel auferlegt, dass wir neue Länder erst verkünden, wenn sie auch auf GoEuro sind.“ Der innerstädtische Transport wie Carsharing, Taxi oder Tram solle in näherer Zukunft nicht in die Plattform integriert werden – Verbindungen zwischen Städten in Ballungsräumen allerdings schon.



