Reisen

Wie die Bahn Verkehrsmittel der digitalen Zeit werden will

| Lesedauer: 3 Minuten
Jürgen Stüber

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die Deutsche Bahn will ihre digitalen Angebote stärken. Bahn-Chef Rüdiger Grube verspricht schnelles Internet in ICE-Zügen und Bahnhöfen sowie Echtzeit-Informationen per Smartphone-App.

Noch in diesem Jahr soll im kompletten ICE-Kernnetz der Deutschen Bahn Internetempfang per Hotspots möglich sein. Das kündigte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Dienstag in Berlin an. Ferner sollen die WLAN-Netze auf den 24 größten Bahnhöfen erneuert werden. Smartphone-Apps sollen Fahrgäste mit Echtzeit-Informationen versorgen.

Wie Grube sagte, sollen alle 255 ICE-Züge der Bahn bis Ende 2014 zu rollenden Hotspots werden – demnächst auch die neue ICE 3. Bislang seien bereits 200 Züge mit der neuen Technik ausgestattet. Der Service werde auf 3000 Netzkilometern bereits angeboten. Für die übrigen 2200 Kilometer laufe der Testbetrieb, der im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werde. Auch die 770 Intercity-Waggons erhalten Verstärker für besseren Mobilfunkempfang. Damit soll unterbrechungsfreie Sprachtelefonie und Netznutzung möglich werden.

„Online ist heute schon mit einem Anteil von mehr als 31 Prozent der stärkste Vertriebskanal“, sagte Grube. Im Fernverkehr werde jede zweite Fahrkarte mobil oder per App verkauft. Die Verkaufszahlen seien gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. Monatlich seien es mehr als 380.000 Handy-Tickets.

DB Navigator mit 13 Millionen Downloads

Der DB Navigator sei eine der erfolgreichsten und beliebtesten deutschen Apps für iOS und Android. „Er wurde bereits über 13 Millionen Mal heruntergeladen“, sagte Grube. Monatlich würden 67 Millionen Fahrplanauskünfte abgerufen.

Grube stellte die neue App Zugradar vor, der nach dem Start als Web-App im vergangenen Jahr nun auch als Smartphone-App erhältlich ist. Das Programm bietet Reisenden Echtzeit-Informationen über Streckenverläufe und Verspätungen von Zügen. Wie Grube sagte, verstehe sich die Bahn immer mehr als übergreifender Mobilitätsdienstleister.

Plattform Qixxit bietet Tür-zu-Tür-Navigation

Bei der Auswahl der passenden Mobilitätsbausteine hilft das auf Initiative der Deutschen Bahn entwickelte Netzportal www.qixxit.de. Es ermöglicht eine Reiseplanung von Tür zu Tür. Qixxit verknüpft verschiedene Verkehrsmitteln und erstellt verschiedene Reiseketten von der Start- zur Zieladresse. Dazu gehören Mietwagen, Fernbusse, öffentlicher Personennahverkehr und Car-Sharing-Anbieter sowie der Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn und das Flugzeug. Qixxit solle ab 17. Juni auch als iPhone-App verfügbar sein. Sie sei aufgrund der Echtzeit-Verkehrsdaten in der Lage, kurzfristig auf Störungen zu reagieren und Verbindungsalternativen anzubieten.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der bei der Präsentation der Digitalstrategie im Berliner Hauptbahnhof ebenfalls zugegen war, sieht die Bahn als „das Verkehrsminister des digitalen Zeitalters“.

Deutsche Telekom verspricht stabile Qualität

In Richtung der Deutschen Telekom, die strategischer Partner der Deutschen Bahn und Betreiber des Hotspot-Systems in den Zügen ist, sagte Grube: „Wir sind aktuell noch nicht mit der Qualität und der Stabilität im Zug zufrieden“. Die Erwartungen der Kunden würden noch nicht erfüllt. Er versprach, die Telekom habe Netzqualität auf stabilem Niveau bis Ende des Jahres zugesagt.

Zur Ausstattung der Regionalzüge mit Internet sagte Grube, hier sei die Deutsche Bahn von den regionalen Auftraggebern abhängig. Sie würden die Leistungen – darunter die Internetausstattung – festlegen.

Demnächst Filme wie im Flugzeug

Ein neues Zugportal soll nach den Worten des Bahn-Chefs das Reisen komfortabler und informativer machen. Geplant sei ein Entertainmentprogramm mit Filmen, Nachrichten und Reiseinformationen. Es solle im Juni 2014 starten.