Epic Companies

Wie Kreuzberger IT-Experten Gründer für Europa fit machen

Epic Companies entwickelt Start-ups und will künftig auch Offine-Händlern den Weg ins digitale Zeitalter bahnen. Wie der Company Builder aus Berlin-Kreuzberg aus Gründern Unternehmer macht.

Foto: Massimo Rodari

Die Badewanne von Sido steht noch in dem Loft, wo heute IT-Experten Webseiten bauen. Der Skandalrapper wohnte in der Belle Etage des Gewerbehofs am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer, bis Epic Companies die Räume übernahm. Denn das Unternehmen wächst schnell, belegt mittlerweile drei Etagen des Gebäudes und entwickelt Start-ups. Gründer Mato Peric beschäftigt dort 250 Leute.

Peric, vor seiner Selbständigkeit Manager der Start-up-Fabrik Rocket Internet verantwortete, tat sich vor einem Jahr mit der Sendergruppe ProSiebenSat.1 zusammen. „Wir haben gesehen, wie gut Fernsehen und Internet miteinander funktionieren“, sagt er. „Ohne Fernsehwerbung wären Unternehmen wie der Online-Schuhhändler Zalando nicht da, wo sie heute sind.“

Die ProSiebenSat.1-Gruppe, die mit Sendungen wie „Germany’s next Topmodel“ einen Marktanteil von 28,1 Prozent erreicht, bietet den Start-ups Werbezeiten und erhält dafür Umsatz- oder Unternehmenmsanteile. Epic steuert seine Expertise im Aufbau von Unternehmen bei. Mit diesen Voraussetzungen und einer Anschubfinanzierung können die Firmen schnell wachsen.

Fokus auf Onlinehandel

Epic fokussiert sich derzeit auf Start-ups, die Onlinehandel betreiben. „Die nächsten drei Plattformen sind bereits in der Gründungsphase, darunter ein Portal für exklusive Mode“, sagt Peric.

Unternehmensverkäufe hat Epic ein Jahr nach seiner Gründung freilich noch nicht zu vermelden. Es mache keinen Sinn, Start-ups in ihrer Wachstumsphase zu verkaufen. Bei E-Commerce-Unternehmen dauere das in der Regel drei Jahre.

Sexspielzeug und Uhren

Der Fokus von Epic Companies liegt auf E-Commerce-Geschäftsmodellen in europäischen Märkten: Das Start-up Amorelie verkauft Sexspielzeug, Petobel bietet Tierfutter an, Valmano Uhren und Schmuck. Bei Todaytickets gibt es Last-Minute-Konzertkarten, bei Discavo Hotelzimmer und Gymondo hat Fitnesstraining für zu Hause im Angebot.

Das aktuelle Portfolio ist für Peric erst der Anfang. „In Zukunft wollen wir auch Themen angehen, die wir nicht direkt mit Fernsehwerbung pushen können“, sagt er. Damit meint Peric Unternehmen, die beispielsweise Marktanalyse und digitales Marketing betreiben. Davon würde neben den Start-ups des Unternehmens auch die Sendergruppe profitieren. Sie würde in Echtzeit sehen, welcher Werbungspot welche Umsätze erzielt. Werbekampagnen könnten auf diese Weise präzise gesteuert werden. „Diese Intelligenz gibt es noch nicht“, sagt Peric. Doch mehrere Mathematiker sitzen bereits im Dachgeschoss des Unternehmens und zerbrechen sich darüber den Kopf.

Mobile Angebote werden ausgebaut

Weitere strategische Projekte des Company Builders sind der Ausbau seiner mobilen Sparte und die Kooperation mit Handelsunternehmen, die das Internet noch nicht nutzen. „Namhafte Offliner haben den Schritt zum Onlinehandel noch nicht vollzogen“, sagt Peric. Ihnen fehlen in der Regel Online-Experten, die Infrastruktur und die unternehmerische Ausrichtung – Eigenschaften die in Konzernen der traditionellen Wirtschaft oft nicht verbreitet sind.

Um dieses Defizit auszugleichen, kaufen etablierte Unternehmen Start-up-Spirit ein, indem sie so genannte Acceleratoren gründen – eine Art betreutes Arbeiten für junge Leute mit Ideen für digitale Projekte. Die Telekom und O2 machen das, Scout24, Coca Cola, Ikea und auch die Allianz. Andere Unternehmen wie Rewe planen es. In den Acceleratoren erhalten Gründer Startkapital und Betreuung durch Mentoren und arbeiten je nach Geldgeber an der mehr oder weniger langen Leine an ihren Projekten. Unter Branchenexperten ist das umstritten.

Gut fürs Firmenimage

Viele Unternehmen suchen vorrangig Start-ups, die das eigene Portfolio ergänzen. Das zeigte sich zuletzt auch bei YouIsNow, dem Accelerator der Scout24-Gruppe. Fünf der acht Start-ups aus dem jüngsten Accelerator befassen sich mit Immobilienthemen wie Baumaschinenverleih, Nebenkostenabrechnung oder dem digitalen Wohnungsübergabeprotokoll.

Peter Borchers, Chef des Telekom-Inkubators, sieht die Acceleratoren-Schwemme kritisch: „Bei manchen frage ich mich, welchen Mehrwert sie ihren Start-ups bringen und bei welchen das Engagement vor allem das eigene Firmenimage fördern soll“, sagte er in einem Interview. Hubraum-Start-ups müssen zwar auch zum Geschäftsfeld der Telekom passen, damit sie „von der Vernetzung mit dem Konzern profitieren“. Darüber hinaus arbeiten sie aber selbständig.

Von Speedbooten und Tankern

Epic versteht sich als „Company Builder“, also als Unternehmensschmiede. Man lässt den Gründern viel Spielraum. Sie müssen aber vier Kriterien erfüllen: einen großen Markt bedienen, ein Geschäftsmodell und eine Kostenkalkulation besitzen sowie fernsehtauglich sein. „Wir wollen nicht nur investieren. Wir verstehen uns als Unternehmer und bauen Unternehmen auf“, umschreibt Peric das Konzept von Epic. „Start-ups sind Speed-Boote und Konzerne sind Tanker. Wichtig ist, dass die Start-ups nahe genug am Tanker bleiben, ohne dabei im Sog zu versinken“, sagt er.