Bei Amorelie wird gepackt. Zum Valentinstag gibt es ein besonderes Paket mit Bondage-Blume, Prosecco und einer Anleitung zum Liebesspiel. Auf einem Regal liegen rosa Stäbe, Dessous aus schwarzer Spitze, und, tatsächlich, ein Bade-Entchen. Besonders rätselhaft erscheinen zwei mit Gummibändern verbundene Bällchen. Judith Luig fragt Lea-Sophie Cramer, die Gründerin des Online-Erotik-Shops, was man damit macht.
Berliner Morgenpost: Entschuldigung, aber was darf ich mir darunter vorstellen?
Lea Cramer: Das sind Liebeskugeln. Die sind fürs Beckenbodentraining.
Ein Fitnessgerät?
Genau. Damit trainiert man Muskeln, die man sonst nicht so leicht anspannen kann, um mehr Intensität zu spüren. Viele benutzen die Liebeskugeln auch nach der Schwangerschaft, um die Rückbildung voranzutreiben.
Also eher zur Vorbereitung? Und das hier – diese kleine, eher harmlos aussehende Peitsche – ist dann fürs Vorspiel?
Ja, wir haben auch Handschellen und Fesseln, aber wichtig ist uns, dass unsere Produkte spielerisch sind. Wir führen nichts, was wirklich Schmerz bereitet, wie zum Beispiel Harnröhrenvibratoren oder Knebel oder etwas aus dem starken Fetisch-Bereich. Amorelie spricht Menschen an, die ihr Liebesleben bereichern wollen.
Wenn ich jetzt komplett neu in der Thematik ‚Sex-Spielzeuge‘ bin, woher weiß ich denn, wie ich sie benutzen soll?
Viele Produkte haben Anleitungen dabei, parallel versuchen wir die Kunden auf unserer Webseite gleich so an die Hand zu nehmen, dass möglichst viele Fragen beantwortet werden. Außerdem können die Kunden bei Fragen auch gerne unsere Hotline anrufen.
Und wenn mir das zu peinlich ist?
Bei uns gibt es auch einen Live-Chat. Da lassen sich Fragen anonym stellen.
In Ihrem Sortiment gibt es auch eine Reihe mit gelben oder schwarzen Bade-Enten. Was genau haben die mit Sex zu tun?
Das sind die Duckies, die können vibrieren. Wir führen die Duckies in verschiedenen Größen, es gibt sie auch kleiner, als Reisebegleitung. Die größeren eignen sich auch wunderbar für eine Rückenmassage.
Kauft man sich eine Ente, weil man sich nicht traut, den Vibrator rumliegen zu haben?
Es gibt viele Paare, die noch nicht ganz so offen mit dem Thema Sex-Spielzeuge umgehen können. Solche Paare bevorzugen Designer-Produkte, denen man ihre eigentliche Funktion auf den ersten Blick nicht ansieht. Amorelie möchte es den Einsteigern leicht machen, ihr Sex-Leben noch aufregender zu gestalten. Niemand soll sich schämen, weil er sich für Sex-Toys interessiert oder weil er vielleicht nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Aber wir merken auch deutlich, dass die Leute immer lockerer werden.
Was ist denn Ihr Bestseller?
Der Wevibe 4 – ein Vibrator für Paare. Der ist sehr beliebt und hat die Form einer Klammer. Während des Sex’ trägt sie das Teil, damit werden ihre Klitoris und ihr G-Punkt zusätzlich stimuliert.
Ihre Zielgruppe sind Menschen zwischen 25 und 55. Woher kommt die Altersbeschränkung? Darf ein 60-Jähriger sich keinen Penisring überziehen?
Amorelie ist ja ein Online-Shop, deswegen sind unsere Kunden eher Leute, die viel mit dem Internet zu tun haben. Aber eine Altersbeschränkung haben wir natürlich nicht. Wir haben auch Kunden über 60, aber unter 25 eher wenige. Das liegt daran, dass man sich vielleicht in dem Alter noch nicht unbedingt Sex-Spielzeuge leistet. Unser preiswertester Vibrator kostet 14 Euro, der teuerste 12.000 Euro, der ist aber aus echtem Gold. Durchschnittlich kostet ein Vibrator 40 Euro.
Was können Sie, was Beate Uhse nicht kann?
Unser Sortiment ist anders angelegt, so haben wir vor allem viele Angebote für Paare. Und wir stellen unseren Kunden Boxen zusammen. Zum Beispiel das Starter Kit für Anal-Sex. Viele Leute sagen, sie würden gerne mal etwas ausprobieren, aber sie wissen nicht wie. Die nehmen wir an die Hand mit unserem kuratierten Shopping. Die traditionellen Erotik-Shops wie Beate Uhse bieten so etwas nicht an. Sie beschränken sich auf das männliche Segment. Solche Läden haben meistens große Porno-Film-Kabinen, was weibliche Kunden eher abschreckt. Die Besucher unserer Chat-Hotline fragen nicht nach dem 30-Zentimeter-Vibrator, sondern wollen wissen, wie sie ihrem Partner beibringen, dass sie Lust auf Sex-Spielzeuge haben.
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Online-Erotik-Shop zu gründen?
Ich habe „Shades of Grey“ gelesen, in dem Buch experimentiert die Heldin mit Sex-Spielzeugen. Seither kam immer mehr Erotik-Literatur und auch immer mehr Produkte auf den Markt. Meinem Geschäftspartner Sebastian Pollock und mir ist aufgefallen, dass es so etwas in Deutschland kaum gibt. Wir kommen beide aus einem anderen Bereich, ich habe BWL studiert und zuletzt Groupon Asia geleitet. Aber ich wollte zurück nach Berlin, und so habe ich mir angeschaut, was hier noch fehlt.
Gibt es nicht schon sehr viele Anbieter für Sex-Spielzeuge online?
Die Online-Shops, die es auf dem deutschen Markt gibt, vermitteln ein Gefühl von Sexualität, mit dem ich nichts anfangen kann. Ich habe mich da nicht wohlgefühlt. So wie „Shades of Grey“, die Zeitschrift „Cosmopolitan“ oder auch die Serie „Sex and the City“ mit Sex umgehen, ist eine ganz andere Art, viel spielerischer. Das aber findet sich in den Erotik-Shops, wie wir sie kennen, nicht wieder. Und wir dachten: Es muss doch etwas geben für Leute wie uns, die sich Sinnlichkeit und Intensität in ihrem Liebesleben wünschen.
Sind Sie mit Ihren Produkten ein Exot in der Berliner Start-up-Szene?
Amorelie ist ganz klar anders. Wir führen viele Sachen, die einfach keiner kennt. Und das Thema ist längst nicht so enttabuisiert, wie wir denken. Deswegen ist es eine umso größere Herausforderung, unsere Produkte bei unseren Kunden bekannt zu machen. Zum Beispiel kennt kaum jemand Massagekerzen oder orale Sex-Spielzeuge, Penisspanker oder Masturbatoren für Männer. Oder haben Sie schon mal von Partner-Vibratoren gehört?



