Carsharing

car2go black – Die neue Lust am Schwarzfahren

Autos stundenweise nach Bedarf zu mieten, liegt in Berlin im Trend. Daimler schickt jetzt eine Flotte schwarzer B-Klassen auf die Straßen, die auch für Langstreckenfahrten gebucht werden können.

Foto: Markus Heimbach

Als Daimler-Chef Dieter Zetsche vor knapp einem Jahr auf dem Internetkongress re:publica in Berlin über die Zukunft der Mobilität sprach, kritisierte eine Frau aus dem Publikum, das Carsharing-Angebot des Automobilkonzerns Car2go sei für Mütter nutzlos: In den weiß-blauen Smarts sei kein Platz für Kinder. Das wird jetzt anders: Daimler schickt zunächst 200 schwarze B-Klasse-Limousinen auf Berliner und Hamburger Straßen.

Carsharing bedeutet, ein Fahrzeug stundenweise zu mieten, statt es zu besitzen. Der Automobilkonzern stellte das neue Angebot am Dienstag in Berlin vor. Daimler reagierte damit auf das Kunden-Feedback: Manche wünschten sich komfortablere und schickere Autos als den Smart. Andere wollten Carsharing-Fahrzeuge auch für Langstreckentouren nutzen. Auch die Forderung nach einem App-basierten Buchungsprozess wurde laut.

All das bietet jetzt Car2go Black. Die Fahrzeuge kosten für Fahrten in Berlin und Hamburg sowie zwischen den beiden Städten 9,90 Euro pro Stunde oder 49 Euro am Tag. Vom 51. Kilometer an kommen 29 Cent pro gefahrenem Kilometer dazu. In diesen Preisen enthalten sind Versicherung, Treibstoff und Parkgebühren. Fahrzeuge gibt es in Mietstationen am Alexanderplatz, Hauptbahnhof, Südkreuz und Ostbahnhof sowie am Kudamm-Karree. Einwegfahrten sind möglich.

Zum Mieten genügt Car2Go-App

Benötigen die Kunden zum Buchen der weiß-blauen Smarts mit den B-GO-Kennzeichen noch eine Kundenkarte, so erfolgt die Buchung der schwarzen B-Klassen ausschließlich per Smarthone-App (iOS und Android). Damit reserviert und bucht der Kunde ein Auto sofort oder 30 Minuten vor der Abfahrt. Demnächst ist auch eine Langzeitreservierung möglich. Am Übergabeort gibt man die eigene und die PIN des Fahrzeugs ein, die auf einem Display hinter der Frontscheibe angezeigt wird.

Die Schlösser öffnen sich automatisch. Der Fahrer findet Zündschlüssel, Tank- und Parkkarte im Handschuhfach und fährt los. An der Rückgabestation kommt der Schlüssel wieder ins Handschuhfach. Der Fahrer loggt sich per App aus, worauf die Türen wieder verriegelt werden. Der Mietpreis wird automatisch vom Konto des Fahrers abgebucht.

Daimler greift Mitbewerber BMW an

Mit dem neuen Angebot greift Daimler seine Mitbewerber DriveNow (BMW/Sixt), Multicity (Citroen) und Flinkster (Deutsche Bahn) an. Insbesondere den Anbieter DriveNow dürfte Daimler dabei im Blick haben, der mit verschiedenen Modellen der 1er-Klasse bereits ins Mittelklassesegment vorgestoßen ist und sein Mobilitätsgebiet in Bayern und dem Köln-Düsseldorfer Ballungsgebiet ausgeweitet hat, um auch für Berufspendler und Ausflügler attraktiv zu werden.

Daimler hat vier Zukunftstrends ausgemacht, auf die der Konzern mit seinen Mobilitätsangeboten reagieren will: die zunehmende Urbanisierung in Deutschland, die Parkplatznot und andere ökologische oder strukturelle Probleme in Ballungsräumen, den Wertewandel insbesondere der jüngeren Generation und selbstfahrende Autos, die voraussichtlich von 2020 an auf die Straßen kommen und von Personen gelenkte Taxen, Mietwagen und Busse ersetzen könnten. „50 Prozent der Menschen in Metropolen besitzen kein Auto mehr“, sagt Marcus Spickermann, Geschäftsführer und CFO der Mobilitätstochter von Daimler. „Für immer mehr Menschen wird der Zugang zu einem Fahrzeug wichtiger als der Besitz.“

Eine App für alle Mobilitätsdienste

Apps für das Smartphone helfen den Kunden, jederzeit Zugang zu einem Auto zu finden. Deren bietet Daimler drei an: je eine für die beiden Dienste Car2go und Car2go black und die App Moovel, die die jeweils schnellste Verbindungen mit nahezu allen Verkehrsmitteln anzeigt. Projektleiter Thomas Hengstermann kündigte an, dass diese Apps in naher Zukunft miteinander verschmolzen werden, damit Kunden nur noch eine Startbasis für das gesamte Mobilitätsangebot des Daimler-Konzerns hat. In der Zukunft soll es auch möglich werden, Tickets für Busse und Bahnen mit der Moovel-App zu kaufen.

Zunächst nur per Einladung

Aktualisierung (20. Februar): In einer ersten Phase hat car2go aus dem Kreis aktiver Bestandskunden in Berlin und Hamburg jeweils mehrere tausend angeschrieben und eingeladen an car2go black teilzunehmen. Das sind Kunden, die in den letzten Monaten car2go aktiv genutzt haben. In der zweiten Phase (ab Frühjahr) steht car2go black dann allen Kunden zur Verfügung. Wer nicht eingeladen wurde aber dennoch car2go black testen möchte, kann über black@car2go.com eine Einladung ordern.