Digitalwirtschaft

Berliner Unternehmen machen sich zukunftsfit

Der technologieorientierte Berliner Mittelstand ist im Aufschwung. Das belegen Rekordzahlen für Anmeldungen bei speziellen Förderprogrammen und die Nachfrage nach Investitionshilfen in der IT-Branche.

Foto: IBB

In der Gründerhauptstadt Berlin sind im ersten Halbjahr 2013 fast 20.000 neue Unternehmen entstanden. Wirtschaftlich interessant sind aber nicht unbedingt Spätverkaufsstellen oder Kneipen, sondern Unternehmen, die Innovationen vermarkten.

Ein Indiz dafür, wie sich neue oder andere kleine Unternehmen verstärkt fit machen für die Zukunft, liefert eines der wichtigsten Finanzierungsinstrumente der Stadt für Technologie und Innovationen. Die landeseigene Investitionsbank Berlin (IBB) meldet für 2013 ein Rekordjahr für ihr spezielles Förderprogramm ProFit, das Forschungs- und Markteinführungsprojekte in den Berliner Vorzeigebranchen (Clustern) durch Zuschüsse oder günstige Darlehen unterstützt.

184 Vorhaben wurden mit 61 Millionen Euro unterstützt, die Zahl der bewilligten Förderanträge hat sich gegenüber dem Vorjahr annähernd verdoppelt. Die Nachfrage ist so stark, dass die IBB für 2014 das Volumen pro Fall auf 600.000 Euro begrenzt hat. Fast die Hälfte der Bewilligungsbescheide, nämlich 84, gingen an Gründer in der Frühphase. 2012 profitierten erst 35 Gründer von ProFit.

Aufschwung führt zu erhöhter Nachfrage

Den Aufschwung im technologieorientierten Berliner Mittelstand belegt auch die Nachfrage nach weiteren Investitionshilfen in den Clustern. Die IBB reichte auch aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) an 246 Unternehmen 119 Millionen Euro aus, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Nur im Boom-Jahr 2001 war die GRW-Förderung stärker gefragt.

Aus Sicht des IBB-Generalbevollmächtigten Matthias Bismarck-Osten ist das gute Ergebnis 2013 jedoch kein Selbstläufer für die Förderbank: "Geld ist derzeit günstig zu haben, da müssen wir mehr Aufwand betreiben, um unsere Angebote an die Kunden zu bringen", sagte der Banker. Zumal die landeseigenen Finanzierer Technologie in der Breite fördern und sich nicht einfach an den Internet-Gründungsboom ranhängen könnten oder wollten. In dieser Szene seien auch viele andere Geldgeber engagiert, sagte Bismarck-Osten.

Die IBB-Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen ist seit Jahren einigermaßen konstant verteilt zwischen den Berliner Clustern Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und Kreativwirtschaft, Verkehr- und Mobilität, Optik, Energietechnik und Gesundheitswirtschaft. 40 Prozent fließen in IKT/Kreativwirtschaft, davon kann die Hälfte der digitalen Wirtschaft im engeren Sinne zugerechnet werden.

Digitale Szene boomt am stärksten

Im Technologie-Förderprogramm ProFit jedoch dominiert die digitale Wirtschaft. Von den 184 bewilligten Anträgen kamen 117 aus dieser Branche, mit 40 Millionen Euro flossen zwei Drittel des ProFit-Gesamtvolumens in die digitale Szene. Fünf Millionen gingen in 28 Projekte der Biotechnologie- und Biomedizin, 2,9 Millionen Euro an acht Medizintechnik-Firmen.

Insgesamt vereinigt die Gesundheitswirtschaft 15 Prozent der gesamten ausgereichten ProFit-Mittel auf sich. Es folgt die Optik mit 6,2 Millionen Euro für zwölf verschiedene Vorhaben, die Energietechnik erhielt 1,9 Millionen für zehn Projekte und der Sektor Verkehr und Mobilität in sechs Unternehmen 1,8 Millionen Euro.

Die GRW-Mittel, deren Nutzung nicht auf die Cluster beschränkt sind, streute die IBB breiter. 105 Unternehmen, die nicht den Berliner Vorzeigebranchen zuzurechnen sind, erhielten fast 49 Millionen Euro.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.