Navigation

US-Firma kauft Berliner Navi-Anbieter Skobbler

Wer ein Navi sucht, das auch offline und offroad funktioniert, findet bei Skobbler das Richtige. Das dachte auch die US-Technologiefirma Telenav und kaufte das Start-up für 17,4 Millionen Euro.

Foto: scobbler

Telenav, ein kalfornischer Anbieter von personalisierten Navigationssystemen, hat das Berliner Software-Unternehmen Skobbler übernommen. Bei dem Deal flossen 19,2 Millionen Dollar und Telenav-Aktien im Wert von 4,6 Millionen Dollar, wie Telenav mitteilt. Umgerechnet sind das insgesamt 17,4 Millionen Euro.

Skobbler ist ein im Jahr 2008 von Top-Managern des Navigations-Unternehmens Navigon gegründetes Technologieunternehmen für OpenStreetMap-Technologie – eine Art Wikipedia für Karten. Das Unternehmen mit mehr als 80 Angestellten hat seinen Hauptsitz in Berlin. Das Entwicklungsteam befindet sich in Cluj-Napoca (Rumänien).

Skobbler hat im Dezember 2013 die komplett neu entwickelten App GPS Navigation für iOS präsentiert. Sie bietet eine Karten- und Navigationstechnologie und ist ein Update der seit 2009 weltweit erfolgreichen Navigations-App des Unternehmens. Skobbler-Apps wurden mehr als 3,5 Millionen Mal verkauft.

Auch Offline-Reiseführer im Angebot

GPS Navigation für iOS basiert nun, wie die Android-Version auch, auf der von Skobbler entwickelten Kartentechnologie NGx. Damit werden der Bedienkomfort und Detailgrad der OpenStreetMap, aber zugleich auch die Schnelligkeit und Übersichtlichkeit der Navigation verbessert. Ferner hat Skobbler die Reiseführer-Map ForeverMap2 (2,69 Euro) im Programm – ebenfalls mit kostensparender Offline-Funktionalität. Die Apps des Berliner Unternehmens sollen weiter am Markt bleiben. Möglicherweise werden sie zu einem späteren Zeitpunkt in das Portfolio von Telenav (Scout-Apps) integriert. Auch die Teams sollen weiter an ihren bisherigen Standorten arbeiten, wie es im Unternehmen heißt.

Anders als bei vielen anderen Navi-Apps sind alle Funktionen von GPS Navigation auch offline verfügbar. So wird die App zu einer universell nutzbaren Kombination aus Navi, Karte, Blitzerwarner und Reiseführer, die dem Nutzer jederzeit und an jedem Ort die volle Kontrolle über Speichervolumen und Datenverbindung lässt.

Internet-Crowd erstellt Karten

OpenStreetMap zeigt, wie Crowdsourcing funktioniert. Durch die zahllosen Beiträge einer großen Masse an Aktivisten entstand vergleichbar mit der Wikipedia-Enzyklopädie ein Kartenwerk, das seinesgleichen sucht. Es ist – wie Wikipedia – nicht fehlerfrei, aber weitgehend zuverlässig. Denn ähnlich wie bei Wikipedia funktioniert auch die Autokorrektur. Hat sich ein Fehler in das Kartenwerk eingeschlichen, so wird er schnell von einem der vielen Sachkundigen ausgemerzt, der die Karte kritisch überprüft.

Auch das globale Netzwerk der Hobbykartographen funktioniert ähnlich wie bei Wikipedia. Sie treffen sich in Zirkeln und pflegen Informationen in das Dokument ein: Das können amtliche Karten sein oder Tracking-Protokolle der GPS-Geräte, die Kartographen bei Wanderungen oder Mountainbike-Touren mit sich geführt haben.

Skobbler punktet mit Offroad-Karten

Der wesentliche Unterschied zu Google Maps oder anderen kommerziellen Kartenanbietern: Der Detailreichtum dieser Karte insbesondere im Offroad-Bereich bietet insbesonder Fußgängern, Radfahrern und anderen Outdooraktiven einen großen Vorteil.

Der Nutzer von GPS Navigation erhält zum Preis von 1,79 Euro die weltweite Online-Funktionalität. Zusätzlich können innerhalb der App Kartenmaterial einzelner Länder oder Kontinente zur zusätzlichen Offline-Nutzung erworben und herunterladen werden. Länder kosten 2,69 Euro, ganze Kontinente 5,49 Euro. Die Weltkarte kann für 9,99 Euro heruntergeladen werden.

Nicht nur Skobbler nutzt das Kartenmaterial von Open Street Map. Auch das im Juni 2013 für 1,1 Milliarden Dollar von Google gekaufte Start-up Waze ist auf diesem Feld aktiv.

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