Fotografie

EyeEm vermarktet die Fotos der Generation iPhone

Die Fotoplattform EyeEm ist im Jahr 2013 um den Faktor zehn gewachsen. Künftig will das Start-up Geld verdienen. Deshalb wird es bald einen neuen Foto-Marktplatz geben.

Foto: EyeEm

Nach einem Jahr der Konzeption und einem Jahr der Produktentwicklung fokussiert sich die Fotoplattform EyeEm im Jahr 2014 auf den Ausbau eines Marktplatzes. Die Download-Zahl der Plattform ist im Jahr 2013 um den Faktor zehn auf inzwischen zehn Millionen Fotografen gewachsen. Zahlen aktiver Nutzer nennt EyeEm nicht. „Der Aufbau eines Geschäftsmodells ist für uns eine Riesenherausforderung“, sagte Gründer Florian Meissner und präsentierte mit Dittmar Frohmann seinen neuen Verkaufs- und Marketingchef.

Frohmann gilt als Bildagentur-Experte. Er war am Aufbau der Berliner Fotodatenbank Fotolia beteiligt – zuletzt als Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum. Dann wurde er Geschäftsführer der Fotoagentur iStock. Und als diese von der Bildagentur Getty Images geschluckt wurde, war er dort Direktor für das internationale Produkt. Es folgte ein Abstecher nach London, wo er Marketing und Verkauf der Agentur Image Source verantwortete.

EyeEm ist eine mobile Fotoplattform. Nutzer laden mit dem Smartphone oder Tablet ihre Bilder hoch, die sie mit automatisch generierten Geo-Tags versehen können. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Bilder einer beliebigen Zahl thematischer Alben zuzuordnen und mit einer Nachricht zu versehen. Darüber hinaus steht eine Palette von Filtern zur Verfügung, mit denen die Fotos verfremdet werden können. Anschließend werden die Aufnahmen mit einem Klick auf der Plattform veröffentlicht und optional in soziale Netzwerke wie Facebook, Tumblr und Twitter geteilt.

Das Fotoalbum der Welt

Auf diese Weise ist in den vergangenen zwei Jahren eine Datenbank von vielen Millionen Fotos entstanden – ein Fotoalbum der Welt, in dem Nutzer der Plattform nach Belieben blättern können. In einem Kanal sieht der Nutzer der App aktuelle Bilder aus seiner Nähe sowie eine Auswahl von Alben, in die er selbst Bilder platziert hat, besonders populäre Fotos, abonnierte Alben oder Sammlungen, in die Freunde Bilder gestellt haben. In einem zweiten Kanal werden ausschließlich die neuesten Bilder der Freunde angezeigt, denen ein Nutzer folgt. Ein dritter Kanal präsentiert Fotos so genannter Missionen. Das sind themenbezogene Fotowettbewerbe, die von der Redaktion der Plattform ausgeschrieben werden. Möglich ist auch, Foto-Themen per Suchwort zu finden.

Diese Fotos sollen künftig vermarktet werden. Dazu hat EyeEm einen Marktplatz für Kunden der Plattform entwickelt, der im ersten Quartal 2014 freigeschaltet wird. EyeEm will dabei den gewöhnlich komplizierten Prozess der Fotorecherche vereinfachen.

Intuitive Fotorecherche

Dabei folgt die Plattform der gleichen Logik, wie sie auf der Fotografenseite anzutreffen ist. Wird zum Beispiel ein hochformatiges Schwarzweiß-Bild mit von Spaziergänger im Schnee in einem Berliner Park gesucht, das mit einem iPhone aufgenommen wurde, so genügen wenige Klicks, um dieses Bild zu finden. Man wählt Thema und Ort aus sowie die weiteren Kriterien, um die Suche einzuschränken. Und schon erscheint eine Auswahl von Bildern, die diesen Vorgaben entsprechen.

„Das ist die nächste Generation der Fotosuche“, sagt Meissner. Wer sich in der Vergangenheit beruflich mit Fotorecherche beschäftigt hat, wird den neuen intuitiven EyeEm-Marktplatz mögen. Aber: Er wird andere Bilder finden, als er das von herkömmlichen Fotodatenbanken gewohnt ist: keine gestellten Stock-Fotos, wenig professionell inszenierte Sets, kaum Profi-Models, selten High-End-Technologie.

Ästhetik der Generation iPhone

EyeEm zeigt die Welt aus der Perspektive der Generation iPhone. „Die Ästhetik hat sich geändert. Das technisch Imperfekte ist gefragt“, sagt Dittmar Frohmann. „EyeEm-Bilder spiegeln das echte Leben“, ergänzt Florian Meissner.

Fotografen werden nach den Plänen von EyeEm zu 50 Prozent an den Erlösen der Bilder beteiligt. Verkauft wird nur mit Zustimmung des Fotografen, der bei einer Kaufanfrage eine Push-Nachricht erhält. Fotografen können wählen, ob sie sich ihr Honorar in Bar, als iTunes- oder Amazon-Gutschein erhalten wollen. Eine vierte Option ist die Spende an eine gemeinnützige Organisation. Dabei hat EyeEm vor allem ambitionierte Amateurfotografen im Blick: „Viele finden es super, wenn sie veröffentlicht werden. Ihnen geht es nicht ums Geld“, sagt Meissner.

Internationalisierung vorantreiben

Die Fotoplattform EyeEm wurde Anfang 2011 gegründet. Das Start-up mit Büros an der Berliner Brunnenstraße in Mitte hat inzwischen 25 Mitarbeiter. EyeEm hat laut Crunchbase Investitionen in Höhe von sechs Millionen Dollar erhalten, darin enthalten eine Fünf-Millionen-Dollar-Runde im Juni 2013 mit Earlybird als führendem Investor. Wie lange dieses Kapital reichen wird, mag Meissner nicht sagen. Denn neben dem Ausbau des Marktplatzes will das Unternehmen die Internationalisierung vorantreiben, um weiter zu wachsen, eventuell mit Teams in den USA, Asien und Japan.