Niko Klansek wollte nicht mehr verschwitzt mit dem Fahrrad auf dem Universitätsgelände ankommen. So kam ihm die Idee, seinem Rad einen Elektromotor zu verpassen. 2010 gründete er das Unternehmen FlyKly. Und nun, drei Jahre später, kommt sein Elektroantrieb auf den Markt, der fast jedes mechanische Rad mit wenigen Handgriffen zum E-Bike macht.

Es genügt, das alte Rad abzunehmen und das neue mit Elektroantrieb in die Nabenhalterung zu stecken, die Kette aufzulegen, den Schnellspanner anzuziehen. Fertig. Kabel gibt es nicht. Denn der komplette Elektroantrieb ist in der Hinterradnabe untergebracht: der patentierte Motor mit einer Leistung von 250 Watt, die Batterie und die Steuerelektronik.

Der Antrieb ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern und eine Reichweite von 50 Kilometern auf ebenen Straßen ausgelegt. Das Rad in den Größen 20, 26 und 28 Zoll soll vier Kilogramm wiegen und ist mit nahezu allen Fahrradrahmen kompatibel.

Fahrradsteuerung mit dem Smartphone

FlyKly-Nutzer steuern ihr Fahrrad mit dem Smartphone (iOS und Android) oder mit der Internet-Armbanduhr Pebble Watch. Das Mobiltelefon wird auf dem Gehäuse des so genannten Smart Light am Lenker des Fahrrades befestigt (siehe oben stehende Bildergalerie), einem LED-Fahrlicht mit USB-Ladeanschluss. Das Smart Light bezieht seine Energie aus dem Dynamo am Vorderrad.

Die FlyKly-App zeigt die Geschwindigkeit, Distanz und Batteriereserve sowie Karten und Reiseplanung auf dem Smartphone an. Elektroantrieb und Smartphone sind per Bluetooth miteinander verbunden. Der Fahrer stellt die gewünschte Höchstgeschwindigkeit auf dem Smartphone ein.

Tritt der Fahrer in die Pedale, so startet surrend der Motor und beschleunigt bis zur voreingestellten Geschwindigkeit. Hält der Fahrer die Beine still, schaltet der Motor in den Generator-Betrieb um und speist Strom in die Batterie. Sinkt die eingestellte Geschwindigkeit, schaltet sich der Motor wieder zu. Ferner soll es eine Motorbremse geben. Aufgeladen wird der Akku an einer externen Ladestation.

GPS-Sender als Diebstahlschutz

Die App dient gleichzeitig als Schloss. Der Motor lässt sich mit einem Klick auf dem Bildschirm blockieren. Wenn jemand das Fahrrad unerlaubt bewegt oder das Hinterrad abmontiert, sendet das eingebaute GPS dem Besitzer eine Info und zeigt im Falle eines Diebstahls den Standort des Rades auf einer Karte an.

Interessenten können noch bis zum 25. November das smarte FlyKly-Hinterrad vorbestellen, indem sie in die laufende Kickstarter Crowdfunding-Kampagne investieren. 2000 Unterstützer haben das bereits getan. Sie haben mehr als eine halbe Million US-Dollar investiert und sich ihre E-Räder zum Preis von umgerechnet 436 Euro gesichert. Das ursprüngliche Kickstarter-Kampagnenziel von 100.000 US-Dollar wurde bereits nach eineinhalb Tagen erreicht. Das Smart Light ist für umgerechnet 46 Euro erhältlich.

Punkte für das Vermeiden von Treibhausgasen

Die FlyKly-App bietet auch eine soziale Komponente. Nutzer können ihre Strecken und die dadurch vermiedenen CO2-Emissionen in sozialen Netzwerken teilen und sich auf diese Weise mit anderen Nutzern der App messen. Ferner können Behörden auf anonymisierte Nutzerdaten zugreifen, um Radfahrerströme zu messen.

Die Software für die App wird mit offenem Quellcode angeboten. So haben App-Entwickler die Möglichkeit, Programme um die FlyKly-App herum zu schreiben.

Die ersten Exemplare der in Slowenien und New York gefertigten Räder werden im Mai 2014 ausgeliefert.

Unternehmererfahrung mit Fruchtsäften gesammelt

FlyKly-Gründer Niko Klansek ist schon seit Jahren Unternehmer. Der gebürtige Slowene kam mit seiner Mutter vor zehn Jahren in die USA. Er baute in New York noch während seines Studiums eine Handelskette für Smoothies auf, cremige Säfte aus ganzen Früchten, die er in den USA und in Japan anbot. Nach vier Jahren verkaufte er das Unternehmen, um 2010 FlyKly zu gründen.