Italienische Start-ups suchen den Kontakt zu Berliner Gründern. „Deutschland und Italien haben viele gemeinsame Anknüpfungspunkte. Innovative Unternehmen können ein Neuanfang für eine gemeinsame Zukunft sein“, sagte Mattia Corbetta beim Deutsch-Italienischen Start-up-Forum der Botschaft Italiens. Corbetta kam vom Fachsekretariat des Ministers für Wirtschaftsentwicklung in Rom. Zum Forum hatte die Botschaft nicht nur Vertreter aus Wirtschaft und Politik nach Berlin eingeladen, sondern auch 15 neu gegründete Firmen, die sich vorstellten.
CoContest etwa ist eine sogenannte Crowdsourcing-Plattform für Wohnungsdesign, die Bewohner mit Designern zusammenbringt. Auftraggeber beschreiben das zu gestaltenden Projekt, suchen sich dann das beste Angebot aus. Codemotionworld ist eine in Rom und Berlin aktive Eventreihe für gemeinsames Programmieren. Intoino ist eine App, mit der sich besondere Mikroprozessoren in der Haustechnik programmieren lassen – ohne dass der Anwender Programmsprachen beherrschen muss.
Qurami will das Schlangestehen überflüssig machen und bietet eine App für Online-Wartenummern an. Wheelab ist ein Gerät für Motorradfahrer, das, an der Maschine montiert, Schlaglöcher erkennt und per Internet an einen Server meldet. So entsteht eine Landkarte der sichersten Straßen – zudem sendet die App Alarme bei Unfall oder Diebstahl.
Biotech-Unternehmen präsentieren sich
Auch einige Biotech-Start-ups stellten sich in Berlin vor: Neugrid4you will ein „Google für neurochirurgische Aufnahmen“ und damit ein Netzwerk für Ärzte – zum Beispiel in der Alzheimerforschung – werden. Planet will Produkt- und Prozessdesigner mit Erkenntnissen der Bionik vernetzen. Wisebiotech entwickelt implantierbare elektronische Sensoren für Epileptiker und Parkinsonkranke, die auf Kunststoffe aufgebracht werden. WinMedical baut einen mobilen Sensor für die Überwachung von Krankenhauspatienten.
Die italienische Wirtschaft werde in Deutschland häufig mit Livestyle, Mode und Nahrungsmitteln gleichgesetzt, sagte der italienische Botschafter in Berlin, Elio Menzione. Die Wahrnehmung des italienischen Lebensstils überschatte die technologische Kompetenz seines Landes.
Deutschland Italiens wichtigster Handelspartzner
Menzione unterstrich die großen Chancen für die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in Wissenschaft und Innovation. „Deutschland ist Italiens wichtigster Handelspartner“, sagte Menzione. „Und Italien ist der sechstgrößte Handelspartner Deutschlands.“
1600 deutsche Unternehmen seien in Italien präsent, 1800 italienische Unternehmen in Deutschland. Dass diese Statistik nicht für Wissenschaft und Forschung gelte, bedauerte der Wissenschaftsattaché der Botschaft, Matteo Pardo. Er verband das mit dem Appell, die internationale Partnerschaft auf dem Gebiet der Wissenschaft zu verbessern.
Staatliche Förderung
Die Initiative der italienischen Regierung zur Förderung der Start-up-Kultur ist beispielhaft. Vor dem Hintergrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit (vier von zehn junge Menschen suchen Arbeit) wurde im Dezember 2012 eine besondere Gründer-Gruppe gebildet. „Durch diese Initiative sind bisher mehr als 1300 Start-ups entstanden“, sagte Mattia Corbetta.
Italienische Gründer können ihr Unternehmen seither kostenfrei registrieren. Mitarbeiter dürfen befristet angestellt werden und können mit Unternehmensanteilen statt mit Geld bezahlt werden. Wer in innovative Technologie-Unternehmen investiert, kann bis zu 30 Prozent Steuern sparen.
500 Start-ups in Berlin
Nicolas Zimmer, Chef der Technologiestiftung, stellte Berlin beim deutsch-italienischen Start-up-Forum als die Gründer-Metropole in Europa vor. „2012 hatten wir in Berlin 500 Start-ups. Das sind 128 pro 10.000 Einwohner“, sagte Zimmer. Damit liege Berlin vor Hamburg (122) und weit über dem deutschen Durchschnitt (84). Er bezifferte das Finanzvolumen der digitalen Wirtschaft mit 8,9 Milliarden Euro. „62.400 Menschen arbeiten im digitalen Sektor in Berlin“, sagte Zimmer. Insgesamt gebe es 5800 Digital-Unternehmen in der Hauptsstadt.
Gute Ideen, ihre schnelle Entwicklung und den Mut der Gründer machte er als Faktoren des Erfolgs aus. In Berlin gebe es eine lebendige Kunst- und Designer-Szene, eine Mischung aus kreativen und technologischen Talenten – und nicht zuletzt seien die Lebenshaltungskosten nur halb so hoch wie etwa in London, sagte Zimmer.





