In den USA sind die Veranstaltungen von TechCrunch längst legendär. Zweimal im Jahr findet die Technologiekonferenz TechCrunch Disrupt in New York und San Francisco statt. Dort trifft sich die internationale Start-up-Szene um sich über die neuesten Entwicklungen auszutauschen. Nun kommt die Distrupt zum ersten mal nach Europa und zwar nach Berlin.
Für die Hauptstadt ist das ein wichtiges Signal. San Francisco als Austragungsort versteht sich wegen der Strahlkraft des Silicon Valleys von selbst. Die Gegend rund um die Stanford Universität gilt nach wie vor als der heißeste Platz für alle Neugründungen, die im weitesten Sinne mit dem Internet zu tun haben. In New York sitzen traditionell die wichtigsten Geldgeber. Dass TechCrunch nun erstmals in Berlin eine Disrupt abhält zeigt, wie beachtlich sich die Szene hier bereits entwickelt hat.
Noch bis Dienstagabend tauschen sich hier Gründer und Investoren über die jüngsten Entwicklungen aus. Für Start-ups ist es eine gute Gelegenheit, ihre Ideen vor einem einflussreichen Fachpublikum zu präsentieren und wenn nötig in Kontakt mit Geldgebern zu treten. Außerdem gibt es zahlreiche Vorträge und Präsentationen erfahrener Unternehmer. Den Anfang macht am Montagvormittag Marc Samwer von der „Global Founders Group“.
Die Brüder Samwer
Es dürfte bereits einer der Höhepunkte der Veranstaltung sein. Schließlich haben Marc Samwer und seine beiden Brüder Oliver und Alexander entscheidend dazu beigetragen, in Deutschland eine Start-up-Szene aufzubauen. Dabei zeigen sie ein fast untrügliches Gespür für gute Geschäftsideen, das Konkurrenten und Nachahmer, vorsichtig gesagt, nervös macht.
So sind die Brüder Samwer unter anderem an dem europäischen Reiseportal Trivago und dem Online-Schuhaus Zalando beteiligt. Später erzählt unter anderem Nate Blecharczyk die Gründergeschichte von Airbnb. Auf der Website können Wohnungsinhaber ein Zimmer oder die ganze Wohnung vorübergehend vermieten. Selbst mit Gebühren für die Vermittlung sind die Preise meist deutlich unter denen, die man für ein Hotel in vergleichbarer Lage zahlt.
Allerdings hat Airbnb auch mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, da manche Großstädte wie New York aber auch Berlin verhindern wollen, dass dies für manche Wohnungsbesitzer zu einem dauerhaften Geschäft wird. Zu den weiteren Redner zählen der AOL-Chef Tim Armstrong und Alex Ljung von Soundcloud, einer Online-Plattform zum Austausch von Musikdateien.
Energydrinks zum Hackathon
Am Wochenende begann die TechCrunch Disrupt bereits mit einem sogenannten Hackathon. Dabei schlossen sich Programmierer, Entwickler und Hacker zu Teams zusammen und versuchten innerhalb von 24 Stunden eine bestimmte Idee zu verwirklichen. – Wer so einen Hackathon noch nie erlebt hat, kann es sich zumindest von außen wie eine Studentenparty vorstellen, bei der sich die Teilnehmer mit Energydrinks wach halten. Und anstatt zu tanzen, wird auf einen Computer eingetippt. – Als das Zeitfenster des Wettkampfes geschlossen war, präsentierten die Teams ihr Ergebnis vor einer Jury und den Zuschauern.
Gewinner waren am Ende die Erschaffer von „Foursquare PreCheck-In“, einer Anwendung mit der Unternehmer potenziellen Besuchern eines Ortes Angebote unterbreiten können. Der Gewinn ist nicht zu unterschätzen, wird der Preis doch auch von Investoren und Geldgebern beachtet.
Eine weitere Chance, um sich vor dem Fachpublikum in Szene zu setzen, ist das „StartUp Battlefield“. Es ist auch das vielleicht wichtigste Ereignis jeder Disrupt Messe. 20 Unternehmen treten auf der Bühne gegeneinander an und stellen ihre Ideen vor. Beurteilt werden sie nicht nur vom anwesenden Publikum, sondern auch von Zuschauern aus dem Internet.
Der Disrupt Cup
Nach jeder Präsentation kommt die Frage-Runde der TechCrunch-Redaktion, die die Schwachstellen aufdeckt. Zu dieser Gruppe gehören Investoren, Unternehmer und Produktexperten. Sie wählen sechs Teilnehmer für das Finale aus. Der Gewinner bekommt 40.000 Euro und den Disrupt Cup.
Davon unabhängig können Gründer ihre Ideen auf der Ausstellungsfläche der „StartUp Alley“ vorstellen. Dieses Angebot richtet sich ganz gezielt nur an Firmen im Anfangsstadium. Wer schon länger als zwei Jahre am Markt ist oder zwei Millionen Euro an Investitionsgeldern eingesammelt hat, scheidet dafür aus. Jeweils 50 Firmen haben an jedem Tag der Messe diese Chance. Unter ihnen wird der jeweils Spannendste ermittelt, der sich anschließend mit den anderen Unternehmen messen darf.





