Jens Begemann, der Gründer der Berliner Spieleplattform Wooga, hatte mich gewarnt: Das Puzzle-Spiel „Jelly Splash“ sei „addictive“, heißt es auch auf der Website – also süchtig machend. Und so saß ich nach einem langen Arbeitstag in der U-Bahn, starrte müde auf die farbigen Wackelpuddingmonster auf dem Bildschirm des iPhone und hätte fast das Aussteigen verpasst. „Jelly Splash“ heißt der neue Hit für Gelegenheitsspieler aus dem Hause Wooga. Wer einmal damit anfängt, legt das iPhone so schnell nicht mehr aus den Händen.

„ Jelly Splash“ ist kostenfrei als App für iPhone und iPad erhältlich. Versionen für Andoid und Facebook erscheinen in Kürze. Die Spielidee ist einfach: Spieler sammeln Punkte, indem er oder sie möglichst viele nebeneinander liegende Jellies der gleichen Farbe miteinander verbindet (mindestens drei), worauf diese verschwinden und neue an ihre Stelle rutschen.

Es gibt Super-Jellies, die eine komplette horizontale oder vertikale Jelly-Reihe verschwinden lassen und Wächter, die eine Reihe blockieren. Jeder Spieler hat fünf Leben, die er nacheinander verliert, wenn er ein Level nicht schafft. Die Leben regenerieren sich nach jeweils 30 Minuten Spielpause. Extra-Züge und Leben können in der App gekauft werden. Das ist das Geschäftsmodell.

Nur wenige Nutzer bezahlen

Die „Nimm-Drei“-Spielmechanik funktioniert, wie man seit der Erfolgsstory von „Candy Crush Saga“ weiß. Dieses Spiel ging im September 2012 an den Start und spült dem Branchendienst Think Gaming zufolge täglich mehr als 800.000 Dollar in die Kasse des Entwicklers King.com. Es wird täglich von fast acht Millionen Menschen gespielt und 150.000 Mal heruntergeladen.

Wie viel Geld Wooga mit „Jelly Splash“ verdient, verrät Begemann nicht. Er verweist nur auf den Branchendurchschnitt, wonach zwei bis drei Prozent der Nutzer ihren Spielerfolg durch In-App-Käufe beschleunigen. Diese Funktion ist optional. „Wooga-Spiele kann man komplett spielen, ohne zu bezahlen“, sagt Unternehmenssprecher Fabian Heuser.

iPhone-Spiel in den Hitlisten des App-Store

„Jelly Splash“ ist auf dem besten Weg, der neue Blockbuster des Berliner Spiele-Entwicklers zu werden: Eine Million Downloads in den ersten vier Tagen nach dem Launch, zwei Millionen in einer Woche. „Das war unser erfolgreichster Produktstart“, sagt Heuser. Das Programm führt seit Tagen die Hitlisten in Apples App-Store an – sogar in den USA kletterte es jetzt auf Platz eins.

Dass „Jelly Splash“ ein Erfolg werden könnte, zeigte sich bereits vor dem Start. Wooga testete das Spiel im eigenen Haus. Die Angestellten wollten damit überhaupt nicht mehr aufhören: Sie spielten „überwiegend in ihrer Freizeit“, wie Begemann sagt, in 3000 Stunden 110.000 Runden.

Emotionale Bindung zu Spielfiguren

Einen Hauptgrund für den Erfolg des Spiels sieht Fabian Heuser im beliebten Spielprinzip begründet (Verbinde drei Figuren) sowie in der einfachen Spielkonstruktion. „Sie wird auf den ersten zehn Levels erklärt, und es gibt jeweils ein Level zum Ausprobieren einer neuen Funktion“, sagt Heuser. „Und zu den Spielcharakteren entwickelt man eine emotionale Bindung.“

Wooga brachte bislang neun Spiele auf den Markt und bezeichnet sich selbst als „einen der weltgrößter Entwickler für Browser- und Smartphone-Spiele“. Das im Jahr 2009 von Jens Begemann und Philipp Moeser gegründete Unternehmen zählt zu den erfolgreichsten Berliner Satrt-ups und beschäftigt mittlerweile 250 Angestellte aus 40 Ländern. Zuletzt kündigte Wooga an, zusätzlich auch als Spielevermarkter aktiv zu werden.

Ohne Tricks und Kniffe kein Erfolg

Auch wenn es auf den ersten Blick so einfach scheint: „Jelly Splash“ erfordert strategisches Denken. Hohe Punktzahlen erhält nur, wer die „Super Jellies“ klug einsetzt und sich für die unterschiedlichen Aufgaben ein paar Tricks und Kniffe bereit legt. Insgesamt gibt es momentan 140 Levels. Wooga-Gründer Jens Begemann hat Level 96 erreicht. Sein Sprecher ist etwas weiter und warnt vor den knifligen Levels 97 und 103. Der Autor, bislang vehementer Spieleverweigerer, ist in den Dreissigern.