Der Berliner Musikvideodienst TapeTV übernimmt die Reste der Bewertungsplattform Amen. Das sagte TapeTV-Gründer Conrad Fritzsch im Interview der Wirtschaftwoche. Ziel sei es, TapeTVs Videodienst um ein soziales Netzwerk zu erweitern. Amen-Gründer Felix Petersen solle dazu neuer Produktchef von tapeTV werden. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Amen zählte nach dem Einstieg des US-Schauspielers Ashton Kutcher2011 zu den bekanntesten Berliner Start-ups. Drei Millionen Dollar investierten Investoren um Kutcher in das Unternehmen, Kutcher und seine damalige Frau Demi Moore machten Werbung für Amen.

Gleichwohl hatte das Unternehmen von Beginn an Probleme, ein verständliches Geschäftsmodell zu präsentieren. Auf Amen können Nutzer Statements abgeben nach dem Muster „xxx ist the best/worst yyy ever“ („xxx ist das beste/schlechteste yyy aller Zeiten“). Mit diesen Nachrichten hat das Unternehmen eine Datenbank aufgebaut, aus der mit einer zweiten Anwendung, der im März 2013 gestarteten App Thanks, Empfehlungen der Amen-Community abgerufen werden konnten – zum Beispiel das am besten bewertete Berliner Szene-Café.

Doch die Nutzer verloren die Lust an den stereotypen Meinungsäußerungen. „Die Nutzer waren anfangs richtig süchtig nach Amen, aber nach drei bis vier Monaten wurde es ihnen dann irgendwann zu langweilig“, sagte Petersen der Wirtschaftswoche, „Wir haben versucht, den Nutzwert mehr herauszustellen aber letztendlich gelang es uns nicht, die Listen mit solchem nachhaltigen Content zu verknüpfen.“

Noch im März hatte sich Petersen mit Durchhalteparolen zu Wort gemeldet und eine Monetarisierung seiner Plattformen angekündigt. „Wir sind im Plan“, sagte er in der Szene-Talkshow „Friday at Six“. Spätestens im Juni wurde die Krise offenbar. Wichtige Mitarbeiter und Mitgründerin Caitlin Winner verließen das Unternehmen. Bereits damals gab es Gerüchte über einen Notverkauf an TapeTV. Petersen hüllte sich allerdings in Stillschweigen und tauchte ab.

Der wiederholte Plan: Das Musikfernsehen neu zu erfinden

Zusammen mit Fritzsch kündigte Petersen jetzt an, das Musikfernsehen neu zu erfinden: „TapeTV könnte das neue MTV werden“, sagte er dem Branchendienst Techcrunch. Allerdings ist das seit der TapeTV-Gründung der vielfach wiederholte Plan.

Der Musikvideodienst, der derzeit knapp 1,6 Millionen Nutzer im Monat zählt und seine Umsätze aus Werbung und Kooperationen generiert, sucht ebenfalls noch nach einem tragfähigen Geschäftsmodell. Nach der Amen-Übernahme sei ein Abomodell geplant. 2012 haben Investoren rund 5 Millionen Euro in das Unternehmen investiert, für weiteres Wachstum sei im nächsten Jahr eine weitere Finanzierungsrunde nötig.

gri