Cloud Computing

Deutsche Börse investiert in Cloud-Start-up Zimory

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Jürgen Stüber

Foto: Arne Dedert / dpa

Rechenleistung in der Internet-Cloud wird wie Gold gehandelt. Das Berliner Unternehmen Zimory hat sich auf dieses Geschäft spezialisiert. Investoren ist das 20 Millionen Dollar wert.

Die Deutsche Börse und das Berliner Software-Unternehmen Zimory planen einen Spot-Markt für Rechenleistung in der Internetcloud. Die neue Handelsplattform soll den Kauf und Verkauf von Cloud-Infrastruktur mit wenigen Mausklicks ermöglichen und im Februar 2014 an den Start gehen. Diese Vision beflügelt die Phantasie von Finanzinvestoren. Zimory hat nun 20 Millionen Dollar (15,6 Millionen Euro) erhalten, um seine Software weiter zu entwickeln und um international expandieren zu können.

Unternehmen können mit Zimorys offener Schnittstelle „Cloud Brokerage Interface“ künftig Speicherplatz und Rechenleistung verkaufen und kaufen. Der neue Marktplatz ermöglicht es Unternehmen zum einen, Überkapazitäten in den eigenen Rechenzentren kostensparend zu vermieten. Zum anderen können sie im Bedarfsfall einige Einheiten (Performance Units) dazu kaufen. Das sind Leistungskennzahlen (Benchmarks) sowie garantierte Speichermengen (RAM).

Geplant sind ferner Cloud Broker. Das sind Zwischenhändler, die Cloudkapazitäten entsprechend den Kundenwünschen mit verschiedenen Vertragsarten (Service Level Agreements) anbieten.

Neutrale Standards für sensible Daten

Denn spätestens seit der Prism-Affäre weiß man, dass Cloud ist nicht gleich Cloud ist. Kunden können für ihre sensiblen Daten über das Cloud Brokerage Interface demnächst beispielsweise einen Server buchen, der in Deutschland steht und nach hiesigem Datenschutzrecht betrieben wird. Wer darauf nicht so großen Wert legt, findet bei Zimory auch den billigere Server mit niedrigeren Sicherheitsgarantien.

Server werden zunächst nach Regionen klassifiziert (USA und EU). Später sollen sich Kunden Server in einzelnen Ländern und sogar Bundesländern – mit den dort geltenden spezifischen Datenschutzbestimmungen – buchen können, wie Rüdiger Baumann, Chief Executive Officer von Zimory, sagt.

Ferner werden von Zimory und der Deutschen Börse gemeinsam Standards erarbeitet, damit die einzelnen Cloud-Angebote leichter zu vergleichen sind. Sie arbeiten dabei eng mit unabhängigen Web-Institutionen wie TM-Forum oder der Open Data Center Alliance zusammen. „Der Cloud-Markt ist momentan wenig transparent“, sagt Sophie Schendel. Sie ist bei Zimory für das Marketing zuständig. „Wir wollen die IT-Landschaft kompatibler machen und einen neutralen Marktplatz schaffen“, sagt Baumann.

Cloudkapazität mit wenigen Klicks buchen

Bekannt sind vor allem die großen Anbieter von Cloud-Infrastruktur wie IBM und Amazon. „Wir geben auch kleineren Anbietern Gelegenheit, sichtbarer zu werden, sagt Frau Schendel. Das Angebot richtet sich an mittlere und größere Unternehmen.

Der Handel mit den Cloudkapazitäten soll so einfach und schnell wie den Handel mit Wertpapieren und Energie erfolgen: elektronisch und innerhalb von Sekunden. Dazu haben Zimory und die Deutsche Börse die „Deutsche Börse Cloud Exchange“ gegründet. Sie ist eine neutrale Handelsplattform für Cloud-Computing-Ressourcen.

Die Deutsche-Börse-Gruppe betreibt seit vielen Jahrzehnten Handelsplätze für unterschiedlichste Finanzprodukte. Die Kombination von Marktplatz-Expertise und technologischem Know-how sollen das Rückgrat der Cloud-Exchange-Börse bilden. Bereits vor dem offiziellen Start im Februar 2014 konnten internationale Konzerne als Pilotkunden gewonnen werden, um Rechen- und Speicherdienstleistungen auf der Plattform zu handeln.

Infrastruktur als neue Dienstleistung

Die von Zimory entwickelte Infrastruktur-Software – im Branchenjargon: IaaS (Infrastructure as a Service) – wird als technologische Grundlage für den Abwicklungsprozess der Deutschen Börse Cloud Exchange dienen, indem sie die Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer physikalisch herstellt. Sie ist herstellerunabhängig und auf unterschiedliche Volumina anpassbar. „Dieser Marktplatz wird es uns ermöglichen, bestehende und neue Kundengruppen wie SaaS (Software-as-a-Service)-Anbieter mit weltweit standardisierten IaaS-Produkten zu beliefern“, erklärt Frank Strecker, bei T-Systems für Cloud-Technologie zuständig.

Die Cloud-Exchange-Börse werde den Umgang mit IT-Ressourcen nachhaltig verändern, erklärt Zimory-Chef Rüdiger Baumann. „Die Zeiten, in denen monatelang über Cloud-Service-Verträge verhandelt wurde, werden für die meisten Geschäfte vorbei sein.“ Die Standardisierung der Cloud-Produkte werde den Cloud-Computing-Markt genauso verändern wie die Einführung des GSM-Standards den Mobiltelefonie-Markt revolutioniert hätten.

20 Millionen Dollar für Berliner Unternehmen

Zimory gab am Montag den Abschluss einer Finanzierungsrunde über 20 Millionen US-Dollar (15,6 Millionen Euro) unter der Führung der Deutschen Börse bekannt. Auch die früheren Investoren Creathor Venture, High-Tech Gründerfonds, IBB Beteiligungsgesellschaft, KfW und T-Venture beteiligten sich an der Runde.

„Die Finanzierung ermöglicht es uns, unsere Kapazitäten entsprechend der stark steigenden Nachfrage im Markt weiterzuentwickeln”, sagt Zimory-Chef Rüdiger Baumann. Christian Stein von Creathor Venture sagt: „Diese Finanzierungsrunde wird das Unternehmen in die Lage versetzen, sein Potenzial zu realisieren und international eines der führenden Unternehmen im Cloud-Bereich zu werden.“ Zimory werde internationale Standards setzen und die gesamte Cloud-Computing-Industrie revolutionieren.

Zimory wurde 2007 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Berlin. Entwicklungszentren befinden sich in Erfurt und Minsk (Weißrussland). Das Unternehmen hat eine Tochtergesellschaft mit Sitz in New York City.