Studie

Start-ups sorgen für neues Berliner Wirtschaftswunder

Berlin wächst seit Jahren stärker als Gesamtdeutschland. Firmen hier wollen wieder mehr investieren und suchen dringend Mitarbeiter – vor allem in der Computer- und Internetbranche.

Foto: Reto Klar

Berlin wird mehr und mehr zu einer starken Wirtschaftsmetropole. Seit Jahren wächst die Hauptstadt stärker als Deutschland insgesamt – und dieser Trend wird einer aktuellen Studie von Creditreform und der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) zufolge anhalten.

Demnach liegen die Unternehmen der Stadt bei allen relevanten Wachstumsfaktoren deutlich über dem Bundesschnitt: Sie machen aktuell bessere Geschäfte, wollen häufiger Personal einstellen, mehr investieren und erwarten stärkeres Umsatz- und Gewinnwachstum.

Für die Studie KMU-Report wurden mehr als 1150 kleine und mittlere Berliner Unternehmen befragt. Deutlich mehr als die Hälfte von ihnen – 57,2 Prozent – bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“. Zum Vergleich: Im Bundesschnitt sind es 50,4 Prozent. Auch in diesem Jahr werden Berlins Firmen wohl im Durchschnitt bessere Geschäfte machen. 42,4 Prozent (Bundesschnitt: 35,6 Prozent) erwarten steigende Umsätze. Fast jedes dritte Unternehmen möchte neue Mitarbeiter einstellen. In Deutschland insgesamt sind es 24,4 Prozent, also rund jedes vierte.

Berliner Unternehmer sind optimistisch

Die Umfrageergebnisse spiegeln einen Trend wider. Seit dem Jahr 2005 hat sich Berlins Wirtschaft nach Jahren des Niedergangs gefangen. Seitdem lag das Wachstum in fast jedem Jahr über dem Bundesdurchschnitt. 2012 wuchs Berlin um 1,2 Prozent, Deutschland um 0,7 Prozent. Für dieses Jahr erwartet die Förderbank IBB, dass die Wirtschaft der Hauptstadt um 1,6 Prozent zulegen wird. Deutschland wird nach optimistischen Prognosen bestenfalls um 0,7 Prozent zulegen.

Der Berliner Aufschwung zeigt sich auch deutlich am Arbeitsmarkt. In keinem anderen der insgesamt 16 Bundesländer wächst die Zahl der regulären, sprich sozialversicherungspflichtigen Jobs so stark wie in der deutschen Hauptstadt. In den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es 38.000 mehr Stellen als im Vergleichszeitraum 2012. Dies entspricht einem Job-Plus von 2,2 Prozent. Deutschlandweit liegt der Zuwachs nur bei 0,7 Prozent. Seit 2004 ist das Stellenwachstum in der Hauptstadt größer als im deutschen Durchschnitt.

In diesem Jahr haben der Studie zufolge Unternehmen der Computer- und Internetbranche den größten Personalbedarf. Zu dieser Gruppe zählen die zahlreichen Berliner Start-ups, die derzeit international für Aufsehen sorgen. So investieren auch viele Ausländer inzwischen in die Berliner Gründerszene. „Wir haben eine starke Gründerwelle in Berlin – das sorgt für Dynamik“, sagte IBB-Vorstandschef Ulrich Kissing am Donnerstag.

Kleine und mittlere Unternehmen machen das Gros in Berlin aus

Aber auch Banken und Versicherungen suchen händeringend Mitarbeiter. Freie Stellen gibt es nach Angaben der Investitionsbank und der Creditreform Berlin auch in vielen Großhandelsunternehmen und im Dienstleistungsbereich.

„Der Arbeitskräftebedarf dürfte in den nächsten Monaten bei der überwiegenden Zahl der Branchen hoch bleiben“, zeigte sich Jochen Wolfram, Geschäftsführer von Creditreform Berlin, überzeugt. „Der KMU-Report ist ein Beleg dafür, dass sich die Berliner Wirtschaft trotz eines schwierigen konjunkturellen Umfelds – national und international – in einer robusten Verfassung befindet“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU).

Ein weiteres sehr deutliches Indiz für den Aufschwung sind die geplanten Investitionen. 58,8 Prozent der befragten Firmen wollen Geld für neue Maschinen, Ausrüstungen oder Verkaufsräume ausgeben. Investitionen tätigen Unternehmen, wenn sie Vertrauen haben und an Wachstum glauben.

Die neue Wirtschaftsstudie basiert auf einer Befragung kleiner und mittlerer Unternehmen mit maximal 250 Beschäftigten. Das sind gut 98 Prozent der Hauptstadt-Firmen. Großunternehmen wie Siemens mit seinen 13.000 Mitarbeitern sind eine Ausnahme in der Stadt. Kleine und mittlere Unternehmen stehen nach Schätzung der IBB für rund 1,6 Millionen Stellen. Das sind rund 90 Prozent der knapp 1,8 Millionen Berliner Arbeitsplätze.