Amazons IT-Dienstleistungstochter AWS gründet in Berlin und Dresden ein Entwicklerzentrum für so genannte Cloud-Dienste. In den kommenden Monaten werde Amazon Webservices (AWS) 70 Entwickler eingestellt werden, sagte Amazons Technikchef Werner Vogels am Donnerstag auf dem AWS Summit in Berlin. Amazon ist ein führender Player im Cloud-Geschäft, bei dem Daten und Dienste direkt aus dem Netz bereitgestellt werden. Im deutschen Entwicklungszentrum solle an „Bausteinen für Cloud-Dienste der nächsten Generation“ gearbeitet werden, hieß es.

Die Webservice-Tochter AWS ist der zur Zeit schnellstwachsende Arm des Online-Händlers. AWS bietet zahlreiche Internetdienstleistungen an. So verwalten zum Beispiel immer mehr Unternehmen weltweit nicht mehr ihre Webseiten auf eigenen Servern, sondern sind auf kostengünstige Server von Amazon Web Services umgestiegen.

Analysten erwarten, dass Amazon bis 2020 rund 20 Milliarden Dollar mit solchen Diensten umsetzen wird. Im laufenden Geschäftsjahr werden es knapp 4 Milliarden Dollar sein.

Seit Peritor-Übernahme Entwickler in Berlin

In Berlin betreibt Amazon seit Ende 2011 bislang ein Callcenter nahe dem Alexanderplatz mit mehreren hundert Mitarbeitern. Seit der Übernahme des Berliner Cloud-Spezialisten Peritor im vergangenen Jahr arbeiten zudem hier auch Entwickler für AWS.

Peritor hat eine Software zur Steuerung von Clouddiensten entwickelt. Das erfolgreichste Produkt Scalarium ist jetzt zur Grundlage eines Amazon-eigenen Dienstes (OpsWorks) geworden, den der Konzern im März startete. Scalarium selbst wird Ende August eingestellt.

Die Jobs in Berlin sollen in den kommenden zwölf Monaten entstehen. Es gehe dabei zum einen um die Arbeit an verschiedenen Elementen der Amazon-Plattform, „alles Mögliche, bis in kleine technische Details“, sagte Vogels. Zum anderen sollen in Deutschland aber auch wichtige Technologien für die Zukunft entwickelt werden. „Es geht zum Beispiel um Anwendungen an der Grenze zu künstlicher Intelligenz, bei denen man Maschinen beibringt, Entwicklungen vorhersagen zu können“, sagte Vogels.

Begabte Programmierer in Berlin

In Deutschland und vor allem in Berlin seien derzeit viele begabte Software-Entwickler zu finden. Amazon macht noch keine Angaben dazu, wie sich die Arbeitsplätze auf Berlin und Dresden verteilen sollen.

Vogels hatte Amazons Cloud-Dienste auf Basis der internen IT des Online-Händlers aufgebaut. Inzwischen steht dahinter eine gewaltige Infrastruktur mit zahlreichen Datenzentren und die IT-Dienstleistungen könnten mit der Zeit für Amazon größer werden als das Handelsgeschäft.

Dabei setzt Amazon wie auch in anderen Bereichen darauf, die Leistungen zum möglichst niedrigen Preis anzubieten, um schneller zu wachsen. „Für uns wird es immer ein Geschäft mit niedriger Rendite sein, das haben wir uns so ausgesucht“, sagte der Technikchef. Der Konzern sei überzeugt, dass mit hohem Volumen auch bei niedriger Gewinnspanne gutes Geld zu verdienen sei.

Er habe in Deutschland keine besonderen Vorbehalte gegen Cloud-Dienste festgestellt, „auch wenn wir anfangs einige Überzeugungsarbeit leisten mussten“, sagte Vogels. Er finde es gut, dass die Deutschen so viel Wert auf die Sicherheit ihrer Daten und die Privatsphäre legten. „Die Datensicherheit muss im Cloud-Computing immer oberste Priorität haben.“

gri/dpa