Bei Alex Farcet haben schon Hunderte Start-ups gelernt, wie sie aus ihrer Idee ein Unternehmen machen können. Jetzt will er reichen Menschen beibringen, wie sie ihr Geld in der Gründerszene anlegen und Business Angel werden – das sind Leute, die in Start-ups investieren.

Farcet hat das Startupbootcamp zum Erfolgsmodell gemacht. 400 bis 500 Gründer bewerben sich alljährlich für dieses dreimonatige Programm. Teilnehmen dürfen nur die besten zehn. Sie erhalten 15.000 Euro „Pizzageld“, wie Farcet sagt, für sechs Monate ein Büro und Beratung durch 120 Mentoren.

Bei einem Demo Day zum Abschluss des Programms haben sie Gelegenheit, Investoren ihr Geschäftsmodell zu präsentieren. Danach müssen sie fit sein für den harten Wettbewerb in der Internetwirtschaft, wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen und sich selbst behaupten.

Projekte in Europa und Israel

Das Startupbootcamp ist eines von zahlreichen Acceleratorenprogrammen für Start-ups. Es wurde im Jahr 2010 gegründet – fand zunächst in Kopenhagen statt, inzwischen wird es einmal jährlich in vier europäischen Städten und im israelischen Haifa veranstaltet.

Besonders stolz ist Farcet, dass er in diesem Jahr mit den Konzernen Mercedes Benz, Bosch und HDI namhafte Unternehmen als Sponsoren gefunden hat. Dazu musste er nicht einmal Klinken putzen. Im Gegenteil: „Mercedes ist auf uns zugekommen“, sagt er. „Der Konzern sucht Zugang zu Innovationen und eine Verbindung zum Ecosystem der Gründerszene.“

Fokus auf Mobilität und Big Data

Die Auswahl der Sponsoren hat keinen Einfluss auf die Start-ups. Zwar soll auf die Themen Connectivity, Mobility und Big Data ein großes Augenmerk gelegt werden, aber auch andere Gründerinitiativen haben eine Chance.

Start-ups erhalten die Unterstützung durch das Bootcamp nicht zum Nulltarif. Der Accelerator sichert sich acht Prozent der Unternehmensanteile für seine Dienstleistung.

Investoren unterhalb des Radars

Dass Alex Farcet nun neben dem Startupbootcamp ein Angelsbootcamp startet, ist ein Pilotversuch. „Im Silicon Valley tragen Investoren T-Shirts, auf denen das Wort Business Angel steht. Aber in Europa bewegen sie sich unterhalb des Radars“, sagt er. Das will Farcet ändern.

Er ist davon überzeugt, dass es in Deutschland sehr viele Menschen gibt, die ihr Geld gerne in Start-ups investieren würden, aber nicht wissen wie das geht und keine Verbindung zu den Netzwerken der jungen Gründer haben.

Ziel sind 1000 Business Angel

Er hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2015 insgesamt 1000 Angel zu coachen. „Ich möchte sie motivieren, etwas zu riskieren“, sagt er. Im Angelbootcamp sollen sie lernen, wie sie die richtigen Start-ups auswählen, wie die jungen Unternehmen richtig bewertet werden, was in einem Term Sheet und in einem Shareholder Agreement stehen muss, und welche Fehler Investoren auf keinen Fall machen dürfen.

Als Referenten treten Gründer, Risikokapitalgeber und profesionelle Trainer auf. Mit dabei ist unter anderem der Londoner Investor Stefan Glaenzer, der auch in zahlreiche Berliner Unternehmen investiert hat.

Schlagabtausch auf der Bühne

Als Attraktion hat sich Farcet eine „Term Sheet Battle“ ausgedacht, also eine fiktive Verhandlung auf einer Bühne zwischen einem Gründer und einem Investor über ein Eckdatenpapier, das stets am Anfang einer Verhandlung über eine Investitionszusage steht. Ein Fachanwalt, der in solchen Verhandlungen erfahren ist, fungiert als Schiedsrichter.

Alex Farcet war zwölf Jahre für den Logistikkonzern DHL tätig, war internet-Unternehmer in San Francisco und hat sich nach einer Krankheit im Jahr 2006 „um 180 Grad gedreht“, wie er sagt, um künftig jungen Gründern auf die Beine zu helfen. Nach dem erfolgreichen Auftakt des Startupweekend in Kopenhagen baute er mit drei anderen gründern das Startupbootcamp auf.