Start-up-Fonds

Samwers 150-Millionen-Fonds für deutsche Start-ups

Oliver Samwer und seine Brüder Marc und Alexander sind als Internet-Unternehmer richtig große Nummern, bekannt bis hinein ins Silicon Valley. Jetzt legt Samwer einen riesig großen Gründerfonds auf.

Foto: Andreas Rentz / Getty Images

Der öffentlichkeitsscheue Internet-Unternehmer Oliver Samwer zählt zu jenem Typ Mensch, dem es weitgehend egal ist, was öffentlich über ihn geredet und geraunt wird. Als Kopist erfolgreicher Internet-Geschäftsmodelle sind er und seine Brüder verschrien. Speziell Oliver Samwer wird mit Zuschreibungen wie „dunkler Lord“ oder „Killerwal“ regelmäßig bedacht. Wobei diese Anfeindungen vor allem zweierlei zeigen: Dass er ernst genommen wird und dass Oliver und seine Brüder Marc und Alexander richtig große Nummern hinein bis ins Silicon Valley sind. Darum überrascht die Größenordnung der neuesten Aktivität kaum: Samwer legt einen für deutsche Verhältnisse gigantisch großen Gründerfonds auf. 150 Millionen Euro liegen zum Start im Topf, und das soll nur der Anfang sein.

Rocket Internet

Oliver Samwer zählt zu den mächtigsten und erfolgreichsten Internet-Gründern und Investoren weltweit. Über das Berliner Investment- und Gründer-Vehikel, den Inkubator Rocket Internet, veranlasst er mit seinen Brüdern Gründungen in Serie und steuert Unternehmen wie das Internet-Modekaufhaus Zalando. Zudem waren die Brüder an amerikanischen Netz-Giganten wie Facebook und Groupon beteiligt. Bislang konzentrierte sich Rocket Internet ausschließlich auf erprobte Geschäftsmodelle. Diese werden dann schnell hochgezogen in Europa und selbst in hinteren Winkeln Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Für Rocket-Internet-Firmen – von Zalando in Deutschland bis zum Essensbestelldienst HelloFood in der Elfenbeinküste – arbeiten Samwer zufolge 27.000 Menschen in 43 Ländern. Jetzt beschreitet Oliver Samwer mit dem neuen Venture-Capital-Fonds namens Global Founders Capital einen für ihn komplett neuen Weg. Und ganz am Rand dürfte es dann auch um eine Korrektur des Bildes gehen, dass viele von Oliver Samwer haben.

Samwer wird dafür zum Business Angel. Das ist jemand, der Gründer mit Geld, Management-Tipps und Kontakten in einflussreiche Netzwerke versorgt. „Ich glaube, das Internet bietet Gründern auf der ganzen Welt einzigartige Möglichkeiten“, ließ Samwer in einer Mitteilung wissen. Mit Global Founders Capital, einem Venture-Capital-Fonds, wolle man Gründer mit Know-How unterstützen, mit Netzwerken behilflich sein und sich natürlich mit Kapital an jungen Firmen beteiligen. Es gehe darum, „kleine Blumen“ zum gedeihen zu bringen, heißt es im Umfeld von Rocket Internet. Die Suche nach viel versprechenden Gründern erfolgt dabei strikt global. Es gibt keinerlei deutschen oder Berliner Fokus.

Mit dem neuen Fonds dürfte Samwer in der internationalen Gründer- und Internetszene für Aufsehen sorgen. Rocket Internet hat mit seinen Gründungen bislang öffentlich viel Argwohn und heimlich jede Menge Bewunderung für die Konsequenz erfahren, mit der dort vor allem Ideen aus dem Bereich Online-Handel geklont wurden. Dem Argwohn soll jetzt wohl auch mit dem neuen Fonds begegnet, der sich innovativer Geschäftsideen annimmt.

Das Geld stammt zum großen Teil aus dem nicht unerheblichen privaten Samwer-Vermögen. Hinzu kommen weitere Geldgeber, die ungenannt bleiben wollen. Es dürfte sich dabei vor allem um sehr begüterte Stiftungen und Familien handeln, denen es an Erfahrung in der Gründerszene mangelt. Diese Investoren vertrauen ihr Geld den im Internet bewanderten Samwers mit der Hoffnung auf Rendite an. Dabei spielt den Samwers – wie anderen Venture-Capital-Fonds – die Verunsicherung durch die Euro-Krise in die Hände. Erst unlängst berichtete die Deutsche Bank in Berlin, dass viele ihrer äußerst Vermögenden Kunden auf der Suche nach alternativen Geldanlageformen seien. Da hat sich die Dynamik der Gründerszene anscheinend auch in der Welt des alten Geldadels herumgesprochen.

Rechtlich hat der neue Fonds nichts mit Rocket Internet zu tun. Dort werden weiterhin Firmen im Fließbandtakt aus der Taufe gehoben. Kapital wird bereit gestellt. Gründerteams werden zusammengestellt, bevorzugt aus Absolventen von Elite-Unis und Mitarbeitern von namhaften Unternehmensberatungen. Dann wird nach genauen Planzielen das Geschäft ausgeweitet und schnelle Markrführerschaft angestrebt.

Mit Global Founders Capital widmet sich Oliver Samwer der romantischen Seite der Gründerszene, dort wo die ganz neuen Ideen geprobt werden. Dabei können die Gründer auf s die Expertise von Rocket Internet zurückgreifen. Die Berliner gebieten beispielsweise über ein eigenes Entwicklungszentrum mit 150 Mitarbeitern in Portugal und gelten als ausgefuchste Spezialisten für alle Spielarten des Online-Marketings.

Überraschende Personalie

Durchaus überraschend ist eine Personalie, die zusammen mit der Gründung des Fonds verkündet wurde. Dritter Partner neben Oliver Samwer und seinem Bruder Marc wird Fabian Siegel. Siegel arbeitet bis Anfang Januar für einen Berliner Konkurrenten von Rocket Internet. Für den Gründungs-Inkubator Team Europe führte Siegel den Lieferdienst-Vermittler Delivery Hero, zu dem das deutsche Portal Lieferheld gehört. Im Januar verließ er das Lieferheld-Reich. Zuvor hatte es einen Strafbefehl gegen ihn und weitere Lieferheld-Manager gegeben. Bei dem juristische Hick-Hack ging es um das Kopieren von Adressdaten-Sätzen von einem Lieferheld-Konkurrenten. Der Fall sorgte vor allem in der Berliner Gründerszene für jede Menge Aufstehen und Gerüchte. „Wir wissen, was Gründer brauchen, wenn sie auf der Suche nach Investoren sind“, sagt Fabian Siegel der Mitteilung von Global Founders Capital zufolge. Man wolle für die Gründerteams ein wertvoller Zusatz sein, jemand, der mehr mitbringt als nur Geld für ein junges Unternehmen.

Aber die Menge an Geld ist schon bemerkenswert. Vor allem, wenn man es mit den Summen vergleicht, die VC-Investoren in der Berliner Gründerszene sonst so an den Start bringen. Unlängst machte der Berliner Frühphasen-Investor Point Nine Capital mit einer Summe von 40 Millionen Euro für einen neuen Fonds Schlagzeilen. Verglichen damit ist der Samwer-Geldtopf fast vier Mal so groß.

Fast schon mikroskopisch klein wirkt im Vergleich dazu der Beteiligungsfonds der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB). Diese betreibt über die Tochter IBB Beteiligungsgesellschaft einen eigenen Venture-Capital-Fonds. Das Volumen betrug im Jahr 2011 gut 12 Millionen Euro, dazu kamen gut 45 Millionen Euro von privaten Investoren. Bei IBB und im Senat gibt es Überlegungen, die Mittel aufzustocken. Doch in Samwer-Dimensionen dürfte man dabei nicht vorstoßen.

Für die Gründerszene sind Venture-Capital-Investoren unverzichtbar. Da gerade im Internet aber auch in der Biotechnologie unerprobte Geschäftsmodelle zum Laufen gebracht werden, fehlen schlichtweg Erfahrungswerte. Damit aber könnten Banken Technologieunternehmen keinen klassischen Kredit geben; das würde gegen die Vorschriften der Institute verstoßen. VC-Fonds geben Kapital und beteiligen sich direkt an aufstrebenden Firmen. Gehen diese später an die Börse, kann die Rendite exorbitant sein. Das erfuhren beispielsweise die frühen Geldgeber von Facebook, Google und Co.