Wayra

Muchachos der Hauptstadt-Start-ups

Ein weiterer Konzern investiert in junge Berliner Firmen. Der spanische Telekomkonzern Telefonica bringt seinen Inkubator Wayra an den Start.

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Jetzt will auch Wayra, der „Startup-Brutkasten“ (Inkubator) des spanischen Telefonkonzerns Telefónica, Gründer in Berlin fördern. Überzeugende Ideen können mit Darlehen in Höhe von 50.000 Euro und fachlicher Unterstützung belohnt werden. Wayra hatte Berliner Gründer in einen Club in Mitte eingeladen, um sein Konzept zu präsentieren. Damit investiert nach Telekom, Google, Otto und der Axel Springer AG ein weiterer Konzern in die wachsende Internet-Szene der Hauptstadt.

„Silicon Valleys gibt es überall auf der Welt“, sagte Ann Parker, die Europa-Chefin des Inkubators. Sie baut seit mehr als einem Jahr ein globales Netzwerk von „Academies“ auf. Dort bekommen die jungen Gründer nicht nur Büroraum und eine Finanzierung. Sie werden auch von erfahrenen Mentoren betreut.

Während der sechs Monate in der Wayra-Akademie entwickeln die Startups ihr Geschäft weiter. Danach stellen sie ihre Projekte für die Anschlussfinanzierung einem Netzwerk an Risikokapitalgebern vor. Telefónica erhält eine zehnprozentige Beteiligung an den Startups sowie das Vorkaufsrecht für ihre Produkte.

174 Gründer unter Vertrag

Die erste Akademie wurde im April 2011 in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota eröffnet. Weitere Dependancen folgten schnell. Inzwischen betreibt Wayra 13 Akademien, hat 174 Startups unter Vertrag und betreute fast 14.000 Projekte.

Die Aktivitäten in Deutschland hatten mit der Campus-Party im August 2012 in einem Hangar des früheren Flughafens Tempelhof begonnen. „Auf der Campus-Party haben sich 268 Startups beworben. Nach zweieinhalbtägigen Pitches kamen 20 in die engere Auswahl. Sieben haben dann unser Darlehen in Höhe von 50.000 Euro erhalten“, sagt Tanja Kufner, die Direktorin der ersten deutschen Wayra-Akademie in München.

Ob es auch in Berlin eine Akademie geben wird, ist noch unklar. Zur Zeit tingelt die Wayra-Truppe durch mittel- und osteuropäische Startup-Metropolen, um Gründer für ihr Projekt zu begeistern. „Berlin ist ein phantastisches Eco-System für Startups“, sagt Ann Parker.

Und welche Startups sind angesagt? „Wir interessieren uns für digitale Startups aller Art, wenn sie einen Nutzen für den Verbraucher haben“, sagt Parker. Ihr Kollege Bryce Keane ergänzt: „Potenziale gibt es für Startups dort, wo sich geschäftliche Anforderungen und Technologien für den Verbraucher treffen. Der Markt für Consumeranwendungen ist überfüllt.“ Er sehe einen Trend zu Big Data sowie zu medizinischen und pädagogischen Apps.

Scheitern ist systembedingt

Ein Beispiel für letztere ist das Wayra-Startup „Cleverlize“: Dabei handelt es sich um ein Multiplattform-Internetportal, mit dem Lehrer ohne Programmierkenntnisse Lernapps für ihren Unterricht erstellen können. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis ein Schulbuchverlag diese Idee kauft. Solche Perspektiven entdecken nicht alle. Dass viele Startup-Ideen scheitern, sei systembedingt, sagt Tanja Kufner. Doch es geht darum, Risiken einzugehen. „Es ist besser hinterher um Verzeihung zu bitten als vorher um Erlaubnis“, zitiert Ann Parker eine englische Redewendung.

Auch andere Unternehmen fördern in Berlin Startups: Die Deutsche Telekom hat im Mai 2012 gemeinsam mit dem Kreuzberger Betahaus und dem Technologie-Netzwerk General Assembly die Initiative „Hub:raum“ angeschoben. Sie bietet zehn bis 15 Startups eine Start-Finanzierung von bis zu 300.000 Euro.

Der Internetkonzern Google will in den nächsten drei Jahren mit der „Factory“ in Mitte junge Internetfirmen mit insgesamt einer Million Euro unterstützen.

Spekulationen über Rocket-Börsengang

Der größte Berliner Company Builder Rocket Internet wiederum sieht sich mit Spekulationen über einen Börsengang konfrontiert, den das Unternehmen nicht kommentieren will. In Firmenkreisen heißt es aber, an den Spekulationen sei nichts dran. Experten halten einen Börsengang einzelner Portfolio-Gesellschaften wie dem Versandhändler Zalando für wahrscheinlicher. Unter dem Dach der Rocket-Holding arbeiten mehr als 50 Firmen in über 40 Ländern.

Ein Boom mit Blessuren: 2012 stieg ein Teil der Führungsriege bei Rocket aus und gründete mit Project-A-Ventures einen eigenen Unternehmensentwickler mit Gründer-Akademie, der maßgeblich von der Otto-Gruppe finanziert wurde. Project A ist mit 75 Beschäftigten laut „Crunch Base“ deutlich größer als das Venture-Urgestein „Team Europe“.