Für jeden Katholiken ist es das Ereignis schlechthin, einen Gottesdienst mit dem Papst zu feiern. Und als Ministrantin bin ich natürlich besonders nah dran und schon ein bisschen aufgeregt. Andererseits: Der Gottesdienst im Olympiastadion ist nicht mein erster mit dem Heiligen Vater. Schon zweimal habe ich Papst Benedikt XVI. live erlebt. Das letzte Mal im Sommer 2010 zur Internationalen Ministrantenwallfahrt in Rom. Zu diesem Anlass waren „Minis“, also junge Ministranten, aus verschiedenen Ländern Europas angereist. Ich kann mich besonders an die großartige Stimmung damals auf dem Petersplatz in der italienischen Hauptstadt Rom erinnern: Es wurden Fahnen geschwungen, gemeinsam Lieder gesungen, Bekanntschaften gemacht, und natürlich warteten alle Jugendlichen gespannt auf Papst Benedikt XVI.

Ich bin 15 Jahre alt und seit sechs Jahren Ministrantin in Köpenick. Der Spaß am Ministrieren hat sich im Laufe der Zeit mehr und mehr entwickelt. Nach meiner Kommunion in der dritten Klasse konnte ich mich entscheiden, ob ich dem Pfarrer in unserer Gemeinde künftig im Gottesdienst helfen wollte. Ich entschloss mich dafür, weil alle meine Geschwister ebenfalls Messdiener waren und ich damit die Tradition unserer Familie fortsetze. Nach einer sechsmonatigen Ausbildung diente ich zum ersten Mal im Frühjahr 2005. Seitdem diene ich ungefähr zwei- bis dreimal im Monat, manchmal auch in festlichen Gottesdiensten mit dem Bischof.

Seit vergangenem Jahr bilden meine Schwestern und ich auch neue Messdiener unserer Gemeinde aus. Unser erster Kurs hat im April dieses Jahres seinen ersten Gottesdienst erfolgreich absolviert. Durch meine Tätigkeit als Messdienerin konnte ich mich auch für die Teilnahme am Papstgottesdienst im Olympiastadion anmelden.

Besonders unter Jugendlichen wird das Thema Papst oft kontrovers diskutiert. Wenn ich davon in der Schule erzähle, werde ich belächelt oder mein Gegenüber wechselt gekonnt das Thema. Es ist also eher schwer, in unserer toleranten Gesellschaft über Religiosität zu sprechen. Dabei ist das Christentum eine Weltreligion und hat unsere Kultur entscheidend beeinflusst. Allerdings stoßen manche Äußerungen des Papstes auch unter den Gläubigen auf Kritik, genauso wie in anderen Teilen der Gesellschaft auch.

Ich gehe zum Gottesdienst im Olympiastadion, weil ich den Papst sehen möchte, denn er ist und bleibt das Oberhaupt der katholischen Kirche. Das ganz Besondere an einem Gottesdienst mit dem Papst ist für mich dabei die Stimmung. Ein Papstgottesdienst ist eben immer ein Event, auch wenn man dafür einen ganzen Tag einplanen muss. Schon um zwölf Uhr sind wir aus Köpenick losgefahren, um 13 Uhr war die Generalprobe für die Ministranten angesetzt, und erst um 18.30 Uhr ging es dann richtig los.

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