Sie darf ihre Nase in alles stecken. Denn Lilly hat den besten Riecher. Und damit schnüffelt sie an Koffern, kriecht in Plastikkisten und klettert auf die Dächer der Autos. Ihre Nase hält sie auch in die Radkästen und unter die Motorhaube der Fahrzeuge. Nichts bleibt ihrem Spürsinn verborgen. Ihr Spezialgebiet: aufspüren von Sprengstoff und Waffen aller Art.

Seit Tagen ist die Hündin an der Seite der Polizeikommissarin Silke Gebbardt unterwegs. Jedes Fahrzeug, jedes Behältnis das in die nähere Umgebung des US-Präsidenten kommt, wird von ihr und ihren vierbeinigen Kollegen beschnuppert.

Am Montag ist sie am Flugplatz in Tegel im Einsatz gewesen. Dort sind unter anderem die Fahrzeuge der an der Berichterstattung beteiligten Fernsehstationen bis in kleinste Detail beschnuppert worden. So auch Kameras, die Satellitenschüsseln auf den Dächern der Spezialfahrzeuge wie auch die unzähligen Kabeltrommeln. Und heute, noch kurz bevor der Präsident mit seiner Familie im Hotel sein Quartier bezieht, wird die Hündin in jedes Kämmerchen, in jeden Lüftungsschacht, in jede nur erdenkliche Ritze ihre Nase stecken.

Zur erfolgreichen Hundekarriere gehören Präsidenteneinsätze

Seit Tagen ist sie im Einsatz. „Das ist für Lilly, einen Parson-Russel-Terrier, harte Arbeit. Doch sie macht das gerne und empfindet es eher als Spiel“, sagt die 40 Jahre alte Polizeikommissarin Gebhardt. Sie hat Lilly ausgebildet und führt sie stets bei den Polizeieinsätzen mit sich.

„Sie wird wahrscheinlich den US-amerikanischen Präsidenten nie persönlich kennen lernen, doch dafür wird er in ihrem Stammbuch einen herausragenden Platz einnehmen“, sagt die Polizistin. Immerhin sei die neun Jahre alte Hündin auch schon bei der Vorbereitung des Papstbesuches und auch des israelischen Präsidenten im Einsatz gewesen. Eine Laufbahn, die nicht jeder Spürhund in sein Stammbuch schreiben lassen kann.

Im Jahr 2009, also mit sechs Jahren, hatte Lilly die Nasenschule abgeschlossen. Und wie man heute sieht mit Erfolg. Seither ist sie als Polizeihund im gesamten Stadtgebiet im Einsatz und kann auf zahlreiche Erfolge bei Razzien zurückblicken. „Eine Beförderung oder eine Gehaltserhöhung wegen ihres außergewöhnlichen Spürsinns hat es für Lilly aber noch nie gegeben“, sagt die Hundehalterin und lächelt bei den Worten.

Hunde sind beim Sprengstoff-Aufspüren zuverlässiger als Sensoren

In Vorbereitung des Besuches von Barack Obama sind berlinweit 40 Spürhunde im Einsatz. Sie kommen aus allen Bundesländern. Die Vierbeiner besitzen einen besonders ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb und werden auf verschiedene Gebiete spezialisiert. So unter anderem als Drogenspürhund, Fährtenhund oder als Sprengstoffspürhund.

Nach einer Grundausbildung als Polizeihund dauert diese Spezialausbildung zum Sprengstoffspürhund weitere drei Monate. Dabei werden Geruchsproben von den unterschiedlichsten Sprengstoffarten, Waffen und Munition so verpackt, dass der Hund damit gefahrlos spielen kann.

So hat die kleine Hündin Lilly in ihrer bisherigen Polizeilaufbahn nicht nur Tatwaffen aufgespürt, sondern auch Projektile und Hülsen. Dabei haben Tests ergeben, dass Hunde meist schneller und sicherer Sprengstoff lokalisieren können als Sprengstoffdetektoren.

Doch die Tiere brauchen Pausen, um sich vom Stress des Einsatzes zu erholen. In den Pausen lässt Lilly von ihrem Lieblingsspielzeug, einem Tennisball, nicht ab. „Zwischendurch gibt es für sie keine Leckerli, das schlägt in ihrem Alter zu sehr auf die Hüften“, sagt Silke Gebbardt. Denn schließlich muss sie bei ihren Einsätzen geschmeidig und schnell bleiben.