Herren und Damen, schwarz gekleidet und mit Sonnenbrillen geschützt, steigen aus ihren Limousinen und Kleinbussen vor dem Schloss Charlottenburg. Sie parken überall dort, wo Platz ist. Schlossbesucher bleiben stehen, schauen interessiert. Für die Anwohner im nahen Charlottenburger Kiez gehört diese sich nun täglich wiederholende Szene inzwischen fast schon zum Alltag. Längst hat sich herumgesprochen: Das ist das Vorauskommando für den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in der kommenden Woche.

Die Delegation hat eine wichtige Mission: Sie prüft wie bei jedem Staatsbesuch im Vorfeld die Abläufe vor Ort, nicht nur damit beim Besuch alles gut funktioniert, sondern auch, damit die größtmögliche Sicherheit hergestellt werden kann. Und beim Besuch des US-Präsidenten wird ein Ort nicht nur einmal überprüft, sondern kontinuierlich.

Offizielle Informationen darüber sind allerdings Mangelware. Alles ist streng geheim. Dass der Präsident am kommenden Mittwochabend im Charlottenburger Schloss speisen wird, sickerte zwar schon Ende Mai an die Öffentlichkeit durch. Von offizieller Seite allerdings gibt es für das Programm auch wenige Tage vor dem großen Staatsbesuch noch keine Bestätigung. Alles sei noch im Abstimmungsprozess, heißt es – zwischen den Amerikanern, der Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes, Bundespräsidialamt und Bundeskanzleramt sowie den Sicherheitsbehörden.

Die äußeren, sichtbaren Anzeichen der Vorbereitungen überholen derweil die offiziell verkündete Planung. Nicht nur die Sicherheitsleute mit ihren dunklen Sonnenbrillen am Schloss deuten schon auf den hohen Besuch hin. Auch die zahlreichen Halteverbotsschilder auf dem Parkplatz vor dem Charlottenburger Wahrzeichen verraten, dass am Mittwoch kommender Woche ab acht Uhr hier kein Normalbetrieb herrscht.

Ohne Erlaubnis geht nichts

Und in dem Informationsschreiben der Berliner Polizei an die Anwohner wird deutlich: Ab Mittwochmittag bewegt sich rund ums Schloss gar nichts mehr ohne Erlaubnis der Sicherheitsleute. Anlieger kommen nur zu Fuß durch den unmittelbaren Sicherheitsbereich zwischen Luisenplatz und Sophie-Charlotten-Straße – um zu passieren, muss mit dem Personalausweis die Wohnanschrift nachgewiesen werden. Dorthin werden die Anlieger dann von der Polizei begleitet. Und nur an zwei Stellen am Spandauer Damm kann die Sicherheitszone überhaupt betreten werden. Fenster und Türen mit Blickrichtung Schloss müssen geschlossen bleiben.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost findet das Abendessen mit Obama, seiner Frau Michelle, der Bundeskanzlerin und gut 250 weiteren Gästen am Mittwoch ab 19 Uhr in der Orangerie des Schlosses statt. Die Staatsgäste werden offenbar aber schon eine Stunde vorher im Schlossgarten erwartet, zum Aperitif. Gerüchten zufolge, die immer mal wieder durch die Stadt ziehen, soll der Berliner Zwei-Sterne-Koch Tim Raue das Menü zubereiten. Das jedoch dementiert Raue.

Nach dem Essen ist der Abflug der Air Force One Richtung USA wohl für 22 Uhr terminiert. Ab 23 Uhr werden die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Schloss wieder aufgehoben. Doch bevor Obamas das Flair im Schloss genießen kann, stehen vier andere Punkte auf dem – noch inoffiziellen – Programm. Dienstagabend gegen 19 Uhr landet die Präsidentenmaschine. Nach der Übernachtung im Hotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz werden Barack und Michelle Obama voraussichtlich um zehn Uhr am Mittwoch im Schloss Bellevue von Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren empfangen.

Treffen mit der Kanzlerin

Eine Stunde später trifft ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie lange das Gespräch der beiden Regierungschefs genau dauern wird, ist unklar. Unklar ist auch, bei welchen der Protokollpunkten Präsidentengattin Michelle Obama anwesend ist. Nach dem Treffen mit der Bundeskanzlerin wird es eine Pressekonferenz geben. Und am Nachmittag hält Barack Obama, etwa gegen 16 oder 16.30 Uhr, seine Rede vor etwa 5000 ausgewählten Gästen am Brandenburger Tor. Wie auch das Umfeld des Schlosses Charlottenburg sind der Pariser Platz und der Potsdamer Platz Hochsicherheitsbereiche.