Irgendwann einmal würde sie einen eigenen Laden haben. Das stand für Sarah Winborn schon fest, als sie noch zur Schule ging. In diesem Monat werden es nun zwei Jahre, seit sich die gebürtige Britin ihren Traum erfüllt hat. „Mir schien da der richtige Moment gekommen zu sein, um mich zu verändern“, sagt die 40-Jährige. Ausgerechnet im Mai 2021? Mitten in der Zeit, als Corona das Wirtschaftsleben gehörig durcheinanderwirbelte?

Sarah Winborn nickt. Für sie war es gerade wegen der Pandemie der passende Zeitpunkt, um ihr Geschäft „folk berlin“ zu eröffnen – einen Laden, für den es im Deutschen eigentlich keine zutreffende Bezeichnung gibt. „Kids Store“ würde man im Englischen sagen, hierzulande zumeist als Babyausstattungsgeschäft übersetzt. Doch so ganz stimmt das nicht. Denn das Sortiment von Sarah Winborn umfasst nicht nur Artikel für Babys, sondern auch jede Menge hübsche und nützliche Dinge für Kinder bis zu acht Jahren.

Auch für die Kleinen gibt es schön gestaltete Spielzeuge

Bis zu ihrem beruflichen Neustart arbeitete Sarah Winborn, die 2007 von London nach Berlin übersiedelte, als Fotografin – und das wiederum oft in England. Für große Textilgeschäfte und -labels war sie im Bereich der Kindermodefotografie tätig. Der Job war ihr längst zu stressig geworden, die Zeit für Mann und Kinder zu knapp. „Als dann in der Corona-Zeit alle Kindershootings gestrichen wurden und die ausfallenden Flüge das Pendeln zwischen London und Berlin sowieso unmöglich machten, waren die Würfel gefallen“, erzählt Sarah Winborn.

Ein buntes Gewimmel an nachhaltig und fair produzierten Kuscheltieren.
Ein buntes Gewimmel an nachhaltig und fair produzierten Kuscheltieren.© Katrin Starke

Mit welcher Art von Laden sie den Schritt in ihre Berliner Selbstständigkeit wagen würde, stand schnell fest. „Ich habe eine Materie gewählt, die ich gut kenne“, sagt sie, „ich habe Kinder, ich liebe Kinder, ich liebe schöne Dinge für Kinder – und ich wollte es anders machen als die Läden in London.“ Die erschienen ihr oft zu vollgestopft, zu hektisch. Ihr kam es darauf an, ein Geschäft zu haben, „in dem man genug Luft hat zum Durchatmen“. Und: Sie wollte keine schreiend-bunten Plastiksachen verkaufen, sondern nachhaltig produzierte Dinge, die zudem mit ansprechendem Design punkten.

Von vornherein war Sarah Winborns Credo, nur das zu verkaufen, was sie auch in ihren eigenen vier Wänden haben möchte. „Die Zeit, in der man sich zu Hause mit hübschem Interieur umgibt, muss doch nicht plötzlich enden, wenn man Kinder bekommt“, sagt die Unternehmerin. Mit ihrem Laden hat sie den Beweis angetreten, dass es auch für die Jüngsten wunderbar gestaltete Dinge gibt – von der Babyflasche übers Holzspielzeug bis zum dezent gemusterten Schlabberlätzchen, von Mini-Fahrrädern aus Holz für die Kleinsten bis zu Schreibwaren für den schulpflichtigen Nachwuchs.

Noch mehr schöne Läden in Berlin:

Es gibt auch eine Kaffee-Ecke

Beim Spielzeug achtet sie darauf, vornehmlich „Green Toys“ ins Sortiment aufzunehmen, die aus 100 Prozent recyceltem Material hergestellt sind. Alle Produkte in Laden und Online-Shop sind „Made in Europe“, sie führt Marken aus England ebenso wie Baby- und Kinderausstattung von spanischen, französischen oder dänischen Herstellern. Auch Kinderbücher in deutscher, englischer und französischer Sprache sind bei „folk berlin“ zu haben – Bücher, die sich in kindgerechter Art und Weise gesellschaftspolitischen Fragen widmen. Als Beispiel zieht Sarah Winborn ein Büchlein aus dem Regal, das sich mit dem Thema Rassismus auseinandersetzt.

Obwohl sie über viele Jahre Kindermode fotografiert hat, fehlten Textilien zunächst in Sarah Winborns Sortiment. Dafür gebe es genügend andere Läden in Berlin, war sie überzeugt. Doch viele Kunden fragten bei ihr nach Kinderkleidung, und so nahm sie schließlich eine kleine Auswahl mit in ihr Portfolio auf.

Wer beim Stöbern zwischen Hüpfbällen, Kindersonnen- oder schwimmbrillen, dem Eimerset für den Strand oder Baby-Sonnenhüten durstig geworden ist, kann einen Stopp in der Kaffee-Ecke im vorderen Teil des Ladens einlegen. Dort bietet Sarahs Ehemann Jon Mortimer diverse Kaffeespezialitäten sowie verschiedene Sorten Gebäck an. In England gebe es häufig solche Kaffee-Ecken in Geschäften, in Deutschland sei das noch nicht so verbreitet. Im Sommer verkauft Mortimer den Kaffee dann auch wieder „to go“ aus dem geöffneten Ladenfenster.

folk berlin Mittenwalder Str. 47, Kreuzberg, Tel. 0176/31 47 19 64, Mo.+Di. 11–17 Uhr, Mi.–Fr. 8–17 Uhr, Sbd. 9–17 Uhr, Die Kaffeeecke: Mi.–Fr. 8–15.30 Uhr,Sbd. 9–15.30 Uhr, www.folkberlin.com

Spielzeug- und Bastelläden – eine Auswahl

  • Krumulus Buchhandlung Galerie und Druckwerkstatt für Kinder, Südstern 4, Kreuzberg, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–16 Uhr, Tel. 25 05 11 40, www.krumulus.com
  • Werken Spielen Schenken Traditioneller Bastelladen mit mehr als 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche mit traditionellen und neuen Spielzeugen. Schloßstr. 110b, Steglitz, Mo.–Sbd. 10–19 Uhr, Tel. 790 80 90, www.werken-spielen-schenken.de
  • Die wilden Schwäne Holzspielzeug, Bücher, Hörspiele, Musik, Erlebnisspielzeug, Puppen, Jonglagebedarf. Schönhauser Allee 63, Prenzlauer Berg, Mo.–Fr. 10.30–19 Uhr, Sbd. 10.30–18 Uhr, Tel. 47 08 08 12, www.wildeschwaene.de
  • Ratzekatz Spielzeugland Baby- und Kleinkindspielzeug, Experimentierkästen, Spiele und Spielfiguren, Partyzubehör und Kostüme, Scherzartikel und Kurioses für Klein und Groß. Raumerstr. 7, Prenzlauer Berg, Mo.–Sbd. 11–18 Uhr, Tel. 681 95 64, www.ratzekatz.de
  • Viel Spiel Holzspielsachen, Bücher, Musikinstrumente, Spielzeug aus Blech und anderen Materia­lien, Brett- und Rollenspiele sowie Autos und Bahnen. Große Hamburger Str. 28, Mitte, Mo.–Fr. 11–19 Uhr, Sbd. 11–18 Uhr, Tel. 96 06 52 66, www.vielspiel.de