Berliner Perlen

Alles handgefertigte Unikate in der Sonnenallee

Im „Stil Kooperation Berlin“ bieten die Designerinnen Hirte und Simmersbach modische Wendetaschen und ausgefallenen Haarschmuck an.

Berlin - BERLINER PERLEN - STIL-KOOPERATION Stascha Hirte (stehend) und Melanie Simmersbach (sitzend)

Berlin - BERLINER PERLEN - STIL-KOOPERATION Stascha Hirte (stehend) und Melanie Simmersbach (sitzend)

Foto: Krauthoefer

Stylische Accessoires sind schon lange ein Must-have in der Mode. Damit kann man selbst klassischen Looks eine persönliche, aufregende Note verleihen. Ein Paradies für echte Hingucker dieser Art ist die "STIL Kooperation Berlin", eine ungewöhnliche Laden-Neueröffnung auf der Neuköllner Sonnenallee. Hier sind die beiden Label "Cotaschi" und "Haarprächtig" unter einem Dach vereint. Zudem mieten sich immer wieder andere Designer in dem schnuckeligen Geschäft ein, so dass es stets etwas Neues zu gucken und zu bestaunen gibt.

Je nach Neigung startet man entweder bei den einzigartigen Taschen von Stascha Hirte oder den kleinen Hütchen und dem Haarschmuck von Melanie Simmersbach. Selbstverständlich kann man auch beides kombinieren. Für was man sich auch entscheidet, es sind in jedem Fall eigens entworfene, handgefertigte Unikate.

Für die gebürtige Berlinerin Stascha Hirte wurde ein Dilemma zur Initialzündung, das wohl jede Frau nur zu geht kennt. "Man geht aus dem Haus, will eigentlich noch schnell eine andere Handtasche umhängen, doch es bleibt keine Zeit mehr zum Umräumen", beschreibt sie das Desaster. Also zieht man oft genug mit Taschen los, die das Outfit nicht unbedingt perfekt ergänzen. Statt sich in dieses Schicksal zu fügen, hat sich Stascha Hirte etwas ausgedacht: "Ich habe mir eine Nähmaschine gekauft und eine Tasche entwickelt, die man durch Wenden in vier verschiedene Designs umwandeln kann."

Ein Jahr lang hat sie daran getüftelt. Herausgekommen ist ein Prinzip, das so genial wie simpel umzusetzen ist. "Der komplette Tascheninhalt verbleibt in einer Innentasche, die nach dem Wenden reingeknöpft wird", erklärt Stascha Hirte. Das Verwandeln der Tasche dauert keine zwei Minuten. Dabei ist man durch das unterschiedliche Design der vier Obermaterialen für jede Gelegenheit gerüstet. "Es gibt eine schlichte Variante, eine wilde, bunte Seite, eine die regenfest ist und eine, die zu allen anderen passt", so Stascha Hirte. Man fragt sich, warum es eigentlich so lange gedauert hat, bis jemand auf diese Idee gekommen ist?

Von der Raumausstatterinzur Taschendesignerin

Gelernt hat Stascha Hirte das Handwerk nicht. Gleichwohl kommt sie ursprünglich aus einem kreativen Beruf. Die zweifache Mutter war Raumausstatterin, bevor sie lange Zeit im Service-Bereich des Flughafen Tegel gearbeitet hat. Bereit für eine berufliche Veränderung stieg sie aus und ersann ihr Label "Cotaschi". In den vergangenen Jahren hat sie ihre Wendetaschen auf Kunsthandwerks- und Designmärkten verkauft. Dort lernte sich auch ihre jetzige Geschäftspartnerin Melanie Simmersbach kennen, die drei Jahre lang den Kreativmarkt in den Arminiusmarkthallen organisiert hat.

Auch die gebürtige Bremerin, die es vor sechs Jahren an die Spree zog, hat ihr Label "Haarprächtig" gegründet, weil sie nirgendwo das fand, was sie sich vorstellte. "Ich tanze seit zehn Jahren Lindy Hop. Anfangs habe ich dafür eine Haarblume gesucht", erinnert sie sich. Der Lindy Hop stammt aus den 30er- Jahren und gilt als ursprünglicher, wilder Swing. Daher müssen beim Haarschmuck sowohl Design als auch Funktionalität stimmen. Denn alles, was dafür ins Haar gesteckt wird, muss bombenfest sitzen und jede Menge aushalten. Melanie Simmersbach wurde jedoch nicht fündig und fertigte den Haarschmuck kurzerhand selbst angefertigt.

Der erregte Aufmerksamkeit bei ihrem Mittänzerinnen, die gleich ein paar der schönen Accessoires für sich orderten. "Dann bin ich damit auf Märkte gegangen", erinnert sie sich. Parallel dazu hat sie das Sortiment stetig erweitert. Um kleine Hütchen, Haarreifen und Knopflochnelken für Männer. Es war der Auftakt ihres Labels "Haarprächtig". Da es beim Swingtanzen auch um einen ganz bestimmten Lifestyle vom Beginn der 20er- bis Ende der 40er-Jahre geht, arbeitet Melanie Simmersbach besonders gern mit Materialien aus dieser Zeit. "Es sind zum großen Teil Stoffreste aus Schneiderwerkstätten. Etwa Originalkleidung, die porös geworden und daher nicht mehr verwendbar ist", sagt sie. Hinzu kommen zugekaufte Stoffe, Bordüren und Perlen.

Aus einem alten Regenmantel wird eine modisch neue Tasche

Auch Stascha Hirte verwandelt bei ihren Taschen Altes in Neues. "Wenn jemand einen alten Regenmantel hat, der nicht mehr getragen wird, kann er ihn gern vorbeibringen. So etwas ist ideal für meine Taschen", findet sie. Natürlich können sich Kunden ihre Wunschtasche auch auf Anfrage gestalten lassen. Um möglichst viel Aufmerksamkeit auf ihre außergewöhnlichen Produkte zu lenken, gehen die beiden Designerinnen auch weiterhin auf ausgewählte Märkte. Aber man spürt ihre Liebe zum Ladenprojekt, das erst mal temporär bis zum Mai 2017 angelegt ist. Während kleine ausgefallene Geschäfte in den Seitenstraßen von Kreuzkölln mittlerweile zum Alltag gehören, ist die Stil Kooperation Berlin auf der Sonnenallee zwischen Döner und Falafel noch ein echter Exot.

Die Designerinnen wollen die Ecke nachhaltig beleben und regelmäßig Kultur anbieten wie Kunstausstellungen, Live-Musik und Lesungen. "Wir sind umtriebig und voller Energie", sagt Melanie Simmersbach. "Still im Laden rumsitzen ist einfach nichts für uns."

Stil Kooperation Berlin Sonnenallee 58, Neukölln, Tel. 0173 569 76 90, Mi.-Fr. 14.30-20 Uhr, Sbd. 11-18 Uhr, stilkooperation-berlin.de

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