Der Neubau an der Ecke Kreuzberg- und Methfesselstraße fügt sich zurückhaltend in die benachbarten Alt-Berliner Häuser ein. Die Fenster der Erdgeschossräumlichkeiten sind bodentief. Keine lautmalerische Werbung, vielmehr muss man zweimal hinschauen, um den Namen „Bazar Noir“ wahrzunehmen. „Schwarzer Bazar“, so die Übersetzung aus dem Französischen, was mag dahinter stecken? Eine Boutique oder ein Spa? In jedem Fall muss die Farbe Schwarz eine wichtige Rolle spielen.

Glastür auf und eingetreten in eine tatsächlich von der fünf Meter hohen Decke über die Wände bis zum Boden schwarze Räumlichkeit. Mitten im Raum: eine Treppe, die zu einer Galerie führt. Keine Klamotten, keine Kosmetikprodukte, sondern Vasen, Lampen, Skulpturen, Kissen und Teppiche erheben sich wie Kulissen einer Theaterbühne. Nicht in schwarz, aber in gedeckten Farben und nichts im Übermaß. Kein Möbelhaus, vielmehr eine Boutique für wenige schöne, ausgesuchte und handwerklich hergestellte Wohnaccessoires präsentiert sich hinter den Namen Bazar Noir. Die Inhaberin: Catherine Pfisterer.

Auf Reisen immer auf der Suche nach besonderen Stücken

Auch dieser Name, ein kleines Mysterium. Der Vorname klingt französisch, der Familienname deutsch. „Meine Eltern kommen aus Mauritius, ich bin in Frankreich geboren und aufgewachsen. Mein Mann Dennis ist Deutscher“, erklärt die aus Montpellier stammende Französin. Sie hat Kunstgeschichte studiert, fünf Jahre in Sydney gelebt. Dort hat sie als Spa-Managerin gearbeitet. In der australischen Metropole lernte sie auch ihren Mann, der deutsche, englische und finnische Wurzeln hat und zum Kunst- und Philosophiestudium auf dem fünften Kontinent weilte, kennen. Weder Berlin noch ein eigenes Geschäftes waren damals in Planung.

Eigene Kreation: Der Raumduft „The Essence for Bazar Noir“, mit Pipette und einem Stück Kohle
Eigene Kreation: Der Raumduft „The Essence for Bazar Noir“, mit Pipette und einem Stück Kohle© Massimo Rodari | Massimo Rodari

Dennoch landete die Familie nach mehreren Stationen und inzwischen mit zwei Kindern vor zwölf Jahren in der Hauptstadt. „Ich habe in einer Galerie in Mitte gearbeitet. Mit Mitte vierzig habe ich darüber nachgedacht, etwas für mich zu machen“, erzählt sie. „Mein Mann und ich interessieren uns für Architektur und Kunst und sind selber sehr kreativ. Als wir nach Kreuzberg gezogen sind, habe ich mich in unserer neuen Wohnung auf die Deko gestürzt, alles von der Armatur bis zur Gardine ausgesucht. Auf Reisen bin ich immer auf der Suche nach besonderen Stücken. In vielem, was für andere unbrauchbar erscheint, sehe ich das Schöne. So habe ich für unsere Wohnung auch eine alte, kaputte Tür aus Marokko mitgebracht.“

Handwerk jenseits des Mainstreams

Freunde hätten gerne manches Stück abgekauft und rieten ihr, daraus ein Geschäft zu machen. Was sie Ende November 2014 Realität werden ließ: einen Laden für Unikate, limitierte Auflagen, handwerklich hergestellte Wohnaccessoires jenseits des Mainstreams. „Wir bewegen uns eher in der Industriedesignszene, haben Produkte von bekannten Designern wie dem Belgier Ben Storms, Bertjan Pot aus den Niederlandenden und den deutschen Designern Sebastian Scherer und Andree Weissert.

Meist sind es „kleine Objekte“, immer modern, minimalistisch aber mit dem besonderen Twist: wie die limitierte Edition schwarzer Stapeldosen des Berliner Labels „Famos – Büro für Gestaltung“, Taschen, Skulpturen, Kunstharzvasen aus Spanien, aber auch Schönes fürs Büro wie Stiftschalen, Fotografien des Berliner Fotografen Sebastian Dörken sowie einige Möbel, Teppiche oder wie große Seifenblasen anmutende Lampen von Sebastian Scherrer.

Eigenes Duftwasser und ein dekorativer Brotstempel

Manches Produkt ist multifunktional, so ein Vasen-artiges Gebilde aus Baumwolle, die wie ein Schiffstau geschlungen ist, des New Yorker Designers Doug Johnston. Neben zeitgenössischen Wohnaccessoires begibt sich die Jungunternehmerin auch auf die Suche nach Altem. Drachenköpfe etwa, die Teil einer indischen Sänfte waren, entdeckt sie dabei. „Ich suche auf Auktionen, im Internet wie auf Reisen“, so die Jungunternehmerin. Eine Spezialistin sei sie jedoch nicht. „Aber ich habe das Gefühl und das Auge“, so Catherine Pfisterer.

Als Beschreibung ihres „Bazar Noir“ gefallen ihr Conceptstore oder Galerie. Auf Laufkundschaft setzt sie nicht. Vielmehr auf Design affine Kunden, die bewusst ihre Kreuzberger Adresse besuchen. Zudem arbeitet sie mit Architekten und Interiordesignern zusammen. Und sie hat eine eigene Kollektion entwickelt. Ein Parfum-Workshop brachte sie auf die Idee, einen Raumduft kreieren zu lassen. „The Essence for Bazar Noir“ duftet intensiv nach Jasmin, Sandelholz, Bergamotte, Zypresse und Ajowan, indischem Kümmel.

Handgemachte Holzkistchen aus Japan

Das Duftwässerchen verpackt sie in handgemachten Holzkisten aus Japan, legt eine Pipette und ein Stück Kohle bei. „Das Ganze ist ein Ritual. Man gönnt sich mit dem Duft einen Moment der Entspannung“, beschreibt sie ihr Produkt. Mit 89 Euro kein Schnäppchen, aber Catherine Pfisterer kauft persönlich auch weniger, dafür qualitativ hochwertig. Neuestes Objekt: Mit einem italienischen Designer entwickelte Brotstempel. „Früher hatte in Italien nicht jeder Dorfbewohner einen eigenen Ofen. Es gab einen gemeinschaftlichen. Um sein Brot zu markieren, hatte man Brotstempel“, so Catherine Pfisterer, die Terrakotta-Stempel mit dem eigenen „Z“-Logo entworfen hat. Die könne man natürlich zum Brot-Markieren nutzen. Oder einfach nur als Deko-Objekte aufstellen und sich am Anblick erfreuen.

Bazar Noir Kreuzbergstr. 78, Kreuzberg, Tel. 64 07 67 33, Di.–Fr. 11–16, Sbd. 11–18 Uhr, shop.bazar-noir.com