Berliner Perlen

Batman in Neukölln – Der Mann, der aus Computern Kunst macht

Im Kunst- und Computerladen von Muharrem Batman in Neukölln ist vieles etwas unüblich. Es gibt kaum etwas, das er nicht reparieren kann, aus dem Rest macht er Kunst.

Foto: Massimo Rodari

Muharrem Batman hat nie auf seine Mama gehört. Bis auf das eine Mal, als seine Mutter zu ihm sagte: "Mein Sohn, wenn du etwas machst, mach' es allein." Es ging bei diesem Ratschlag um Jobs, um Geschäftsideen. Einige davon, die er mit Freunden angefangen hatte, waren nicht ganz so gut gelaufen. "Danach habe ich entschieden: Jetzt, dieses eine Mal, machst du das so, wie Mutter es sagt." Muharrem Batman lacht. Unnötig, zu erwähnen, dass Mama natürlich goldrichtig lag.

Batman und sein Elektronik-, Kunst- und Computer-Laden an der Hermannstraße sind inzwischen eine Neuköllner Institution. "Ich bin Kult in Neukölln, die Leute lieben mich", sagt Batman. Und man merkt bald, warum.

Der "Jäger und Sammler von Elektroniksachen" steht vor seinem Geschäft in der Sonne, raucht eine Zigarette, grüßt Kunden und Bekannte, die vorübergehen. Ein kurzer Handschlag, ein rascher Wortwechsel, der sofort klar macht: Muharrem Batman kennt ziemlich viele Menschen im Kiez. Und ziemlich viele kennen ihn.

Der Umzug brachte eine Veränderung mit sich

Ins jetzige Geschäft zog er Anfang 2013. Früher fand man "M. Batman Elektronik" seit 2002 auf der gegenüberliegenden Straßenseite. "Drüben", sagt Muharrem Batman, "hatte ich den Laden und nebenan eine kleine Kunst-Galerie mit Museum." Aber der Platz wurde eng und so musste es der jetzige Standort sein, an der Hausnummer 211, mit 270 Quadratmetern Fläche. Der Umzug brachte noch eine Veränderung mit sich: "Ich bin der Geschäftsführer, aber meine Lebensgefährtin ist jetzt die Inhaberin. Ich will zukünftig mehr Kunst machen", sagt Batman.

Immer schon hatte Batman "alles gesammelt und gesucht, was irgendwie mit Elektronik zusammenhing". Später spezialisierte er sich auf "alles, was mit Computern zu tun hatte". Dann machte er es zu Kunst. Angefangen hatte er mit dem Flohmarktstand in den Treptower Hallen. "Damals hatte ich nicht einmal die 30 Mark für die Standgebühr", sagt Muharrem Batman, der eigentlich Elektroniker werden wollte und dann eine Schlosserausbildung angefangen hatte. Die Betonung legt er auf "angefangen".

"Ich verkaufe das, und danach teilen wir"

Das mit dem Flohmarkstand jedenfalls ist jetzt bald 20 Jahre her. Batman fragte damals die Marktmacher, ob er abends bezahlen könne. Ja, das ginge. Also zog Batman über den Flohmarkt, entdeckte an anderen Ständen Elektronikschätze, "die die Verkäufer oft gar nicht erkannten." Er sagte ihnen: "Ich verkaufe das, und danach teilen wir." Von dem Tag an konnte Muharrem Batman die Standgebühr bezahlen. Und noch mehr: Er begann beim Web-Auktionshaus "Alando" Dinge anzubieten und aufzukaufen. "Das war vor Ebay", sagt Batman. "Bald hatte ich einen festen Stand, den ich mir wie einen richtigen Laden einrichtete. Ich war stolz darauf." Wer ein bestimmtes Computerteil bei ihm nicht fand, würde es nirgendwo finden.

Daneben trieb den 48-Jährigen die Leidenschaft für Antikes und Kunst an. "Immer schon", sagt er. Sein erstes Kunstwerk war ein alter medizinischer Kopffixierer für Operationen, mit Schrauben daran. "Da habe ich dann eine Festplatte zwischenmontiert", sagt Batman. "Die ist ja auch wie ein Gehirn." Für 400 Mark hat er das Werk damals verkauft. Worüber er sich heute ärgert. Weil er sich so ungern von Dingen trennt. "Alte Elektronik ist ein wertvolles Material, das ist kein normaler Müll", findet Batman. "Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, was heute einfach weggeschmissen wird. Vor allem, weil man wirklich nicht immer das Neuste und Schnellste auf dem Markt braucht." So repariert er oft in Windeseile Computer, Smartphones, Zubehör. Was irreparabel ist, rettet er vor dem Mülleimer.

Wenn aus Schrott Kunst wird, ist er noch wertvoller

Muharrem Batman macht eben Kunst daraus. "Für mich ist auch der sogenannte Schrott wertvoll. Und wenn daraus Kunst wird, ist er noch wertvoller", sagt Batman und lacht. Manchmal erzählt er auch Schulklassen oder Kita-Gruppen, dass Müll nicht gleich Müll ist. Sein Traum ist ein "Kunst- und Technikmuseum Neukölln". Mit Jugendarbeit, Aufarbeitung von Altgeräten, einer Bastelecke, Kunst und Live-Musik. Dann hätte er auch mehr Raum für seine Ausstellungsstücke, die man nun im Geschäft bewundern kann.

Er ist der Ideengeber für die unglaublichen Kreationen aus Elektroschrott. Batman macht die "gröberen Arbeiten", setzt sich dann mit seiner Schwester Ayse und Assistentin Judith Brun zusammen. Sie gestalten nach seinen Vorgaben. Die beiden haben "goldene Hände", sagt Muharrem Batman. "Frauen haben in solchen Dingen viel Fantasie." Und, wie Mama Batman im entscheiden Moment bewiesen hat: Sie geben einfach die allerbesten Ratschläge.

M. Batman Elektronik Hermannstraße 211, Neukölln, Tel. 695 19 101, geöffnet von Montag bis Freitag 9–19 Uhr, sonnabends 10–18 Uhr, weitere Infomationen: batman-elektronik.de

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