Auf einem der Tische liegt ein dickes Buch. „Who would buy this?“ steht darauf in dicken Lettern. „Wer kauft denn bitte so etwas?“ könnte man das frei übersetzen. Das Buch wirkt wie ein ironischer Kommentar zwischen all den Dingen, die im Geschäft ausliegen, stehen oder hängen.

Denn bei „Freak Out“ an der Grünberger Straße in Friedrichshain gibt es – rein gefühlt – Tausende von Dingen, die man nicht wirklich braucht. Aber trotzdem irgendwie haben will.

Man kann nicht einmal so richtig sagen, was es alles gibt auf den 90 Quadratmetern von Marc Brohm. Eingrenzbare Produktpalette? Fehlanzeige! In den drei Räumen des Geschäftsführers reiht sich Blechspielzeug an Gummistiefel, stehen mexikanische Gesellschaftsspiele neben Voodoo-Puppen.

Funkensprühende Roboter und schräge Postkarten

Wie viele verschiedene Artikel sind das bloß? „Hier im Geschäft? Keine Ahnung“, sagt Marc Brohm. „Online ist das einfacher: Da kann man bei uns 4000 Artikel finden.“

Und die fallen alle unter das Ladenmotto: „Freaky stuff from all over the world and Berlin“, „Verrücktes aus der ganzen Welt und aus Berlin“. Dem Motto wird „Freak Out“ auch gerecht: Es gibt T-Shirts, Tücher, Röcke, Sonnenbrillen, funkensprühende Roboter, schräge Postkarten, Gürtel und Schnallen, Taschen und Mützen.

„Wir haben Shirts für den Sommer und Lichterketten für den Winter“, sagt Marc Brohm. Und für die Zeit dazwischen hat er natürlich auch einiges im Angebot: Von einem bis 100 Euro liegt die Preisspanne bei ihm. „Das Teuerste sind die Kameras von Lomography“, sagt Brohm.

Am Anfang waren es nur selbst bedruckte T-Shirts

So richtig geplant war der eigene Laden nicht, sagt der gebürtige Franke, der 2001 nach Berlin kam, um nach seiner Ausbildung zum Elektriker in der Hauptstadt den nächsten Lebensschritt zu wagen. „Ich habe in Berlin Sozialarbeit studiert und danach leider keinen Job gefunden“, sagt der Vater eines sechsjährigen Sohnes. Also machte er das, was ihm als das Nächstliegende erschien: Er bedruckte bunte T-Shirts.

„Dafür hatte ich ja damals Zeit. Spaß daran und Lust darauf hatte ich sowieso.“ Dann machte er sich auf, das Selbstgedruckte und Tragbare auf dem Markt am Boxhagener Platz unter die Leute zu bringen. Das funktionierte sofort.

„Ich erweiterte nach und nach mein Sortiment“, sagt er. „Ich kaufte bei Großhändlern Dinge ein, die vom Stil her oder farblich zu meinen T-Shirts passten: Tücher zum Beispiel und Aufnäher. So wurde mein kleiner Marktstand mit der Zeit immer voller.“ Irgendwann kam dann sein Sohn auf die Welt. Anstellungen als Sozialarbeiter folgten glücklicherweise.

Schwierig, einen Vermieter für den Laden zu finden

Die Arbeit mit dem Marktstand aber blieb immer bestehen. „Am Wochenende und auf Weihnachtsmärkten machte ich weiter. Und irgendwann kam der Moment, an dem ich in dem Bereich der merkwürdigen Waren und witzigen Gimmicks einfach mehr Perspektive für mich gesehen habe.“

So begann die lange Suche nach einem geeigneten Ort für ihn und seine Ideen. Es musste vor allem viel mehr Raum her, als ihm sein Marktstand bot. Und das war anfangs auch genau das Problem: Ein gelernter Elektriker, studierter Sozialarbeiter, der als einzige Referenz Fotos von einem Marktstand vorzuweisen hat und als Produktpalette auch heute noch „bunter Mix, viele Geschenkartikel und Textilien“ angibt, hatte es schwer, Vermieter zu überzeugen, dass er regelmäßig Miete aufbringen würde. „Das war wirklich nicht leicht“, sagt Brohm.

Die Hemden heutzutage selbst zu bedrucken, schafft Marc Brohm nicht mehr. Wie auch: „Ich muss immer gucken, immer dabei bleiben, immer auf der Suche sein“, sagt er. Das heißt: Immer neue Verrücktheiten und Skurrilitäten finden, die in den Laden passen, aber auch immer im Auge behalten, dass es nicht zu viel wird, zu voll und zu unübersichtlich.

„Freak Out“ bietet immer wieder Neues und Unentdecktes

Von den Marktständen hat Marc Brohm übrigens immer noch nicht lassen können: Weiterhin verkauft er unter freiem Himmel, beispielsweise am Boxhagener Platz und im Mauerpark in Prenzlauer Berg. Im Sommer, wenn noch mehr Touristen in der Stadt sind, macht sich das auch im Laden an der Grünberger Straße bemerkbar. „Der ist dann immer gut besucht“, sagt Brohm. „Das Online-Geschäft läuft dagegen natürlich vor Weihnachten am besten.“

Sowohl für das Internet- als auch das Ladengeschäft gilt: Wer denkt, er habe schon alles gesehen, findet bei „Freak Out“ noch etwas, das neu für ihn ist und gewiss auch für Bekannte, für die ein Geschenk gesucht wird. An einem Regal hängt beispielsweise ein Kalender. „Busen-Kalender – immerwährend“ für 19,95 Euro.

Da drängt sich doch gleich wieder die Frage vom Beginn unseres Besuchs auf: „Wer kauft denn bitte so etwas?“ Die Antwort des Chefs: „Sagen wir mal so: Die männliche Variante dieses Kalenders ist sogar ausverkauft.“ Die männliche Variante? Marc Brohm überlässt den Rest der Fantasie seiner Kunden.

Freak Out Grünberger Straße 63, Friedrichshain, Tel. (030) 67 96 34 11, Mo.–Sbd. 10–20 Uhr, freakbutik.de