Es zieht wieder ein Stück Normalität ein. Die Schüler der Renée-Sintenis-Grundschule in Frohnau bekommen seit Donnerstag wieder regulären Unterricht. Allerdings an ungewohnten Orten. Denn ihre bisherigen Klassenräume bleiben auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die fünften und sechsten Klassen lernen jetzt am Georg-Herwegh-Gymnasium, die vierten Klassen an der Gustav-Dreyer-Grundschule in Hermsdorf. Die Kinder der ersten bis dritten Klassen werden in Horträumen und im Anbau der Frohnauer Schule unterrichtet. Neue Stundenpläne sind erstellt.
Grund der Umzüge ist der Einsturz einer Zwischendecke im Treppenhaus der Renée-Sintenis-Grundschule. Er ereignete sich Anfang Mai. Baumängel aus den 50er-Jahren wurden als Ursache festgestellt. Nun ist der Altbau auf dem Schulgelände gesperrt. Denn es besteht das Risiko, dass Ähnliches auch in anderen Räumen passieren kann. Deshalb werden die alten Zwischendecken in Korridoren und in zehn Klassenzimmern demontiert und durch neue ersetzt. Diese Arbeiten sollen am Montag beginnen. Sie werden voraussichtlich bis Anfang 2015 dauern.
Reinickendorfs Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) hatte für die Kinder andere Unterrichtsorte gefunden. Ein Umzugsunternehmen wurde beauftragt, das die Möbel aus den Klassenräumen und die Unterrichtsmaterialien an die neuen Lernorte transportieren sollte. Dabei soll es zu Verzögerungen gekommen sein. Eltern und Personalrat berichten davon, dass sich teilweise „chaotische Situationen“ ergeben hätten. Die Umzugsfirma sei schon für vergangenen Freitag angekündigt worden, kam aber erst am Montag. Beim Umzug innerhalb der Frohnauer Schule, der am Dienstag begann, habe das Unternehmen anfangs nur mit acht Umzugskartons gearbeitet.
Die Lehrer packten selber Kisten
Die Materialien aus den gesperrten Klassenzimmern seien zwar gut sortiert eingepackt und beschriftet worden. Sie wurden aber in den neuen Räumen wahllos ausgepackt und aufgetürmt, „sodass die ganze Sortierung verloren ging“, sagt eine Mutter. Auch das Personal habe anfangs nicht ausgereicht, sagt Kirsten Haß, Vorsitzende der Gesamtelternvertretung. Eltern und Lehrer beteiligten sich schließlich selbst am Umzug, um den Unterrichtsbeginn am Donnerstag zu ermöglichen. Eltern stellten Kisten bereit, Lehrer gingen in die gesperrten Klassenräume und packten selbst. „Sie haben sich einen kleinen Wagen besorgt, die Kisten selbst transportiert und ausgepackt“, so der Bericht eines Personalratsvertreters. „Lehrer und Erzieher waren danach mit ihrer Kraft am Ende.“ Die Schulstadträtin habe dann organisiert, dass acht Hausmeister von Reinickendorfer Schulen zur Unterstützung kamen.
Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer (CDU) sieht das anders. „Der Umzug ist gut gelaufen“, sagt er. In kürzester Zeit sei es den Mitarbeitern des Facility-Managements gelungen, Angebote einzuholen und eine Umzugsfirma zu beauftragen. Balzer räumt allerdings auch Schwierigkeiten ein. Die Firma habe zunächst nicht genügend Mitarbeiter und zu wenig Verpackungsmaterial eingeplant. „Das lag aber daran, dass dem Umzugsunternehmen nicht genau genug mitgeteilt worden war, was alles zu tun ist.“ Die Verantwortlichen hätten dann schnell reagiert und zusätzliche Mitarbeiter beauftragt. Dass etliche Kartons falsch abgestellt wurden, führt der Bürgermeister darauf zurück, dass es an den Schulen Umplanungen gegeben habe, die nicht kommuniziert worden seien. „So ein kurzfristiger Umzug ist ein schwieriges Verfahren“, sagt er. Völlig reibungslos laufe das nicht ab.
Bildungsstadträtin Schultze-Berndt geht indes davon aus, dass die Umzugsfirma den Auftrag nicht richtig gelesen hat und deshalb nicht entsprechend gerüstet war. Es habe mehrere Auftragsmails an die Umzugsfirma gegeben, aus denen deutlich hervorgegangen sei, dass es sich um einen umfangreichen Auftrag handelte, sagt sie. In den Mails sei von 240 Stühlen, 180 Tischen, mehr als 60 Sideboards, mehreren Schränken, PCs, Monitoren und Druckern, Büchern, diversen Arbeitsmaterialien und Ordnern, Pflanzen, einer Spielküche und einem kleinen Klavier die Rede gewesen. „Allein für den Umzug der ersten vier Räume sind fünf Mitarbeiter und ein Container mit 7,5 Tonnen Fassungsvermögen geordert worden.“
Eltern fordern Container-Lehrbetrieb auf dem Gelände
Unverständlich bleibt für Stadträtin Schultze-Berndt auch, weshalb nicht gleich am Freitag vergangener Woche mit dem Umzug begonnen wurde. „Als ich am Dienstag um 8 Uhr festgestellt habe, dass es nicht schnell genug geht, habe ich das Facility-Management gebeten, mehr Umzugsmitarbeiter zu schicken“, sagt sie. Am Mittwoch sei dann alles fertig gewesen.
Doch die Organisation des jetzigen Schulbetriebs bleibt schwierig. Die vierten Klassen müssen auf ihrem Schulweg begleitet werden: morgens nach Hermsdorf und mittags zurück nach Frohnau. Pädagogen, die an zwei Standorten unterrichten, brauchen eine Freistunde für den Weg von einer Schule zur anderen. Außerdem unterscheiden sich die Pausenzeiten. Viele Fragen sind noch offen, etwa, was die Nutzung von Turnhallen und Fachräumen der Hermsdorfer Schulen betrifft.
Die Eltern fordern indes, Container auf dem Gelände der Renée-Sintenis-Schule aufzustellen, damit alle Schüler so schnell wie möglich wieder an einem Standort zusammen sein können. Stadträtin Schultze-Berndt hat ihnen zwar versprochen, diese Lösung zu prüfen. „Zunächst muss ich aber wissen, wie lange die Sanierung der Schule dauern wird“, sagt sie. Auch die Kosten würden eine Rolle spielen. Allein die Havarie an der Sintenis-Schule werde den Bezirk eine höhere sechsstellige Summe kosten. Laut Bezirksbürgermeister Balzer hat das Bauamt zehn Schulen ausgemacht, die baugleich mit der Sintenis-Schule sind. Statiker sollen diese Schulen jetzt überprüfen.





