Es ist ruhig vor der Renée-Sintenis-Grundschule in Berlin-Frohnau am Mittwochnachmittag, geradezu gespenstisch ruhig. Kein Kinderlärm, kein Türenknallen. Ein paar Vögel zwitschern, die Sonne kämpft sich durch die Wolken, doch zu sehen ist niemand.

Denn die Schule ist geschlossen. Seit am Wochenende im alten Haupthaus der Schule eine Decke in einem Treppenhaus in der ersten Etage auf den Boden gestürzt ist, ist das Gebäude gesperrt, vorerst bis Freitag. Bereits am Montag waren Eltern und Schulverantwortliche erleichtert, dass das Unglück am Wochenende passierte und nicht, als sich gerade Kinder oder Lehrer im Treppenhaus aufhielten. Nun untersuchen Statiker die Schule.

„Das Gebäude wird gerade gutachterlich bewertet“, bestätigt die Reinickendorfer Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). „Wir rechnen am Donnerstag mit Ergebnissen.“ Viele der 420 Schüler würden vorerst im benachbarten Hort im Neubau betreut oder seien auf Exkursionen. „Alle sind fleißig dabei, die Zeit ohne regulären Unterricht zu gestalten“, sagt die Stadträtin. Wegen des Unterrichtsausfalls sei man auf der Suche nach Ersatzschulen.

Statiker prüfen das Ausmaß

Momentan untersuchten Statiker, ob das Problem der Instabilität der Decke auch an anderen Stellen bestehe. Schuld an dem Einsturz sei eine Deckenkonstruktion gewesen, die mehr als 50 Jahre alt sei. Unsachgemäß wurde damals eine Decke an einer darüberliegenden befestigt. Pfusch, der selbst für Fachleute von außen nicht als Baumangel erkennbar war, weshalb die Situation nicht vorhersehbar gewesen sei. Nun sei das Facility-Management des Reinickendorfer Bezirksamtes mit den Untersuchungen betraut.

Für dieses Management ist Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer (CDU) zuständig. „Unser Facility-Management arbeitet mit zwei Ingenieurbüros zusammen, allein hätten wir die Möglichkeiten nicht“, sagt Balzer. „Momentan untersuchen die Statiker, ob wir einzelne Räume bald wieder freigeben können.“ Bereits am Montag hätten Statiker festgestellt, dass neun an das betroffene Treppenhaus angrenzende Räume der Schule dieselbe Deckenkonstruktion wie das Treppenhaus aufweisen, diese blieben also bis auf Weiteres in jedem Falle gesperrt. Geprüft werde nun, ob in anderen Räumen des Altbaus die Decken ebenfalls marode sind. Wenn nicht, könnten dort ab kommender Woche wieder Kinder unterrichtet werden. Balzer rechnet mit einem Gutachten im Laufe des Mittwochabends, sodass am Donnerstag wie geplant die Ergebnisse der Bezirksstadträtin und der Schule vorgelegt werden können.

Probebohrungen in allen Decken

Aufgebrachte Eltern, die die Schule belagern, lassen auch am Mittwoch auf sich warten. Anja Leeb-Malewski etwa ist gelassen. „Ich sehe das entspannt, was bleibt mir weiter übrig? Panik verbreiten hilft ja nicht weiter.“ Mit dem Auto ist sie gekommen, um ihre beiden Söhne Severin, 7, und Ferdinand, 9, vom Hort abzuholen. „Momentan sind ja die Statiker in der Schule, machen Probebohrungen und untersuchen, ob an anderen Stellen auch so ein Risiko besteht. Wenn so etwas noch mal passieren würde, dann wäre das für die Schule schlimm“, sagt sie. Und fügt mit einem Blick auf ihre Kinder hinzu: „Und für mich natürlich am allerschlimmsten.“ Dass die Eltern nicht mit Vorwürfen um sich werfen, kann auch Kirsten Haß bestätigen. „Wir haben hier ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zwischen Schulleitung, Eltern und Lehrern“, betont die Vorstandsvorsitzende der Gesamtelternvertretung, die seit dem Vorfall im regen Kontakt mit Eltern und Schule steht. Dass die Schule bis Freitag geschlossen ist, findet sie gut. „Man muss der Schule und der Schulleitung nun die Zeit lassen, eine Lösung zu finden.“ Am Donnerstag wird eine Sondersitzung der Gesamtelternvertretung stattfinden, an der auch Stadträtin Katrin Schultze-Berndt teilnehmen wird.

Auch wenn kein regulärer Unterricht stattfinden kann, wird alles, was in dieser Woche an Ausflügen geplant war, auch weiterhin durchgeführt, Wandertage etwa oder die Fahrradprüfungen. Ansonsten halten sich die zu betreuenden Kinder im Hort auf. Und finden das vermutlich gar nicht so schlimm. „Jedes Kind findet es doch toll, wenn die Schule ausfällt“, sagt Haß, die ihrer eigene Tochter derzeit zu Hause betreut.

Wenn ab Montag – oder so schnell es eben geht – der Unterricht wieder regulär stattfinden kann, ist das ihrer Meinung nach zu vertreten. „Ich gehe davon aus, dass die Schule alles daransetzt.“ Natürlich ist Kirsten Haß froh, dass niemandem etwas passiert ist, und weist darauf hin, dass mit einem solchen Vorfall niemand gerechnet habe. „Die Schule ist durchaus kein marodes Gebäude, so etwas war nicht vorherzusehen. Und diejenigen, die dafür verantwortlich sind, sind nun nicht mehr da.“