Berlin Trend

54 Prozent der Berliner gegen Bebauung am Tempelhofer Feld

Gekippte Stimmung: Laut Berlin Trend von Berliner Morgenpost und RBB unterstützen nun 54 Prozent der Berliner den Volksentscheid gegen die Randbebauung. Ein Jahr zuvor waren Wohnungen gewünscht.

Die absolute Mehrheit der Berliner ist dafür, das Tempelhofer Feld nicht zu bebauen. Das hat der aktuelle Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“ ergeben. Damit haben die Initiatoren des Volksentscheides am Sonntag nächster Wochen gute Chancen, sich gegen Senat, Abgeordnetenhaus und ein breites Bündnis von Wirtschaft und Verbänden durchzusetzen.

54 Prozent der von Infratest dimap befragten Berliner Abstimmungsberechtigten gaben an, den Volksentscheid gegen eine Bebauung der Ränder des ehemaligen Flugfeldes zu unterstützen. Für den von Senat und Parlament geplanten Wohnungsbau sprachen sich dagegen 39 Prozent aus. Nur sechs Prozent der Befragten sagten, das Thema interessiere sie nicht oder sie hätten keine Meinung dazu.

Die Zustimmung für die Senatspläne ist im Laufe der vergangenen Monate noch einmal deutlich zurückgegangen. Im April des vergangenen Jahres hatte der Berlin Trend ein Stimmungsbild von 45 Prozent für neue Wohnungen auf dem ehemaligen Flughafengelände ergeben und von 49 Prozent dagegen. Die Kampagne der Initiative „100% Tempelhofer Feld“ scheint bei den Berlinern also besser anzukommen als die Bemühungen der Koalitionsparteien SPD und CDU samt ihrer Verbündeten aus Wirtschaft und Verbänden.

Vor allem bei jüngeren Menschen schlug die Stimmung um

Besonders unter jüngeren Leuten haben die Wohnungsbau-Pläne auf der Freifläche deutlich an Sympathien eingebüßt. Nur noch jeder fünfte Berliner zwischen 18 und 29 Jahren dafür, drei Viertel äußerten sich dagegen. Vor einem guten Jahr hatten sich noch 41 Prozent der jüngsten Altersgruppe für neue Wohnungen ausgesprochen. Allein unter den Wählern über 60 Jahren haben die Wohnungsbaupläne des Senats und des Abgeordnetenhauses eine Mehrheit. 55 Prozent der ältesten Wählergruppe sind für Wohnungen auf dem Feld. Aber auch das sind sechs Punkte weniger als vor einem guten Jahr.

Offenbar ist es den Initiatoren des Volksentscheides auch gelungen, ihr Anliegen in weiter von Tempelhof entfernten Stadtteilen zum Thema zu machen und dort Menschen zu überzeugen. Die Zustimmung zu einem weiterhin komplett freien Feld wuchs in den östlichen Bezirken Berlins um acht Prozentpunkte und damit doppelt so stark wie in der westlichen Stadthälfte. Die Meinungsbilder in Ost und West haben sich angeglichen.

Den Regierungsparteien ist es in unterschiedlichem Ausmaß gelungen, innerhalb der eigenen Anhängerschaft ihre Position für eine Bebauung zu vermitteln, wobei aber auch in den Lagern von SPD und CDU sehr große Skepsis herrscht. SPD-Wähler waren vor 13 Monaten zu 47 Prozent gegen die Bebauung und zu 47 Prozent dafür. Jetzt überwiegt die Zustimmung für die Senatspläne mit 50 zu 43 Prozent.

Bei CDU-Anhängern gibt es plötzlich Gleichstand

Unter CDU-Anhängern gab es hingegen einen Meinungsumschwung in die andere Richtung. Im April 2013 war noch eine Mehrheit von 54 Prozent für Wohnungen, 42 Prozent waren gegen die Baupläne. Inzwischen ist ein Gleichstand von 49 Prozent Befürwortern und ebenso vielen Gegnern erreicht. Das mag an der Ablehnung der CDU für die am Tempelhofer Damm geplante Landesbibliothek liegen, für die Unionsanhänger dem Senat keinen Freibrief ausstellen möchten.

Deutlich verändert hat sich auch die Einstellung der Oppositionsanhänger, seit ihre präferierten Parteien sich klar gegen eine Bebauung in der vom Senat vorgesehenen Form ausgesprochen haben. Unter Linken-Wählern stieg die Zustimmung zum Verzicht auf Wohnungen von 37 Prozent vor gut einem Jahr auf nun 61 Prozent. Im Lager der Grünen, wo schon immer die Freunde des freien Feldes in der Mehrheit waren, sank der Anteil der für Wohnungsbau stimmenden Minderheit von 36 auf 29 Prozent.

Für den Berlin Trend befragte Infratest dimap zwischen dem 8. und dem 12. Mai 1001 wahlberechtigte Berliner am Telefon.

Foto: Senatsverwaltung