25 Jahre Mauerfall

8000 Ballons steigen im November in den Berliner Himmel

Die Staatskapelle wird unter der Leitung von Daniel Barenboim den Startschuss geben: Zum 25. Jubiläum des Mauerfalls werden von 7. bis 9. November etwa 8000 Ballons eine „Lichtgrenze“ in Berlin bilden.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Die größten Sorgen macht sich Berlins neuer Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) ums Wetter. Um das im November, denn das Wetter ist in diesem Monat in Berlin oft nicht besonders einladend. Immerhin aber fällt der 9. November, der 25. Jahrestag des Mauerfalls, in diesem Jahr auf einen Sonntag. Das ist für Gedenkveranstaltungen ein guter Tag.

Und weil Berlin mit einer kilometerlangen Lichtinstallation, mit der der innerstädtische Grenzverlauf innerhalb des S-Bahnrings nachgezeichnet wird, an die friedliche Revolution vor 25 Jahren erinnert, rechnet Burkhard Kieker, der Geschäftsführer von „Visit Berlin“, damit, dass „mehrere Hunderttausend Menschen extra zu diesem Ereignis an dem Wochenende anreisen werden“. Denn „die Menschen wollen in einer Welt des Internets authentische Erlebnisse an authentischen Orten“, sagte Kieker der Berliner Morgenpost.

Ballons steigen im Dunkeln auf - ohne Leuchtmittel

Vom 7. bis zum 9. November werden etwa 8000 beleuchtete Ballons eine „Lichtgrenze“ bilden – und schließlich zum Himmel aufsteigen. Für den musikalischen Countdown soll die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim sorgen, das Orchester spielt auf dem Bürgerfest am Brandenburger Tor, wie Kulturprojekte-Leiter Moritz van Dülmen am Montag bei einer Anhörung vor dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses sagte. Die Kulturprojekte GmbH, eine Einrichtung des Landes Berlin, organisiert das Jubiläum – und hat dafür von der Lotto-Stiftung knapp zwei Millionen Euro bewilligt bekommen. Die genaue Planung soll allerdings erst nach Pfingsten stehen.

Die „Lichtgrenze“ soll der „stimmungsvolle Höhepunkt“ und Abschluss der Feierlichkeiten werden – und vor allem Bilder produzieren. Laut van Dülmen wird die ARD Medienpartner sein und das Ereignis live übertragen.

Die Abgeordneten interessierten sich auch für ganz andere Aspekte der Großveranstaltung. So wurde gefragt, ob durch die aufsteigenden Ballons Gefahr für Mensch, Tier oder den Flugverkehr bestehen könnte. Tim Renner antwortete, dass die Aktion durch die Luftfahrtbehörde genehmigt sei und das Material zu „100 Prozent biologisch abbaubar ist“, denn die Ballons würden ohne Leuchtmittel aufsteigen. Was den emotionalen Gesamteindruck möglicherweise etwas mindert, denn zum Zeitpunkt des Aufstiegs, zwischen 19 und 20 Uhr, wird es dunkel sein.

Stelen vom 20. Jahrestag rotten vor sich hin

Damit das Ereignis auch historisch eingeordnet wird, wird die Robert-Havemann-Gesellschaft an verschiedenen Punkten der rund zehn Kilometer langen „Lichtgrenze“ Open-Air-Ausstellungen gestalten, die sich mit der Geschichte der friedlichen Revolution in der DDR beschäftigt, kündigte van Dülmen an.

Sabine Bangert, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, nahm das zum Anlass, auf den Zustand der Stelen hinzuweisen, die vor fünf Jahren anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls an Orten der friedlichen Revolution aufgestellt worden waren. „13 der 18 Stelen sind in einem erbärmlichen Zustand, die rotten vor sich hin“, kritisierte die Politikerin.

Anfang des Jahres gab es Verstimmungen zwischen Berlin und dem Bund bezüglich der Mauerfall-Feierlichkeiten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte mehr Bundesengagement gefordert. Der Bundespräsident hatte sich für Leipzig entschieden, um dort an die Montagsdemonstrationen zu erinnern.

Abgeordnete wollen Bürgerfest künstlerisch mitgestalten

Das Kanzleramt hatte das mit Blick auf den im kommenden Jahr anstehenden 25 Jahre Wiedervereinigung und die damit verbundenen Feierlichkeiten zurückgewiesen; mittlerweile scheint man sich zusammengerauft zu haben. Angela Merkel wird die neue, vom Bund finanzierte Dauerausstellung in der Gedenkstätte Bernauer Straße am 9. November eröffnen, außerdem veranstaltet der Bund ein Bürgerfest am Brandenburger Tor.

Um die künstlerische Gestaltung dieses Festes sorgen sich einige Abgeordnete, die eine Beschränkung auf Würstchenbuden fürchten. Tim Renner bot dem Bund Hilfe an. Als ehemaliger Musikmanager habe er ja noch einige Kontakte, sagte er.