Aus Verzweiflung über die von DDR-Behörden verweigerte Ausreise seiner Verlobten und seines sechsjährigen Sohnes in den Westen ist am 13. Mai 1989 gegen 20.45 Uhr ein 26 Jahre alter Bundesbürger am Potsdamer Platz mithilfe einer Leiter über die Mauer nach Ost-Berlin geklettert. Dort wurde er von Grenzpolizisten abgeführt. Der Mann aus Baden-Württemberg stammte ursprünglich aus Gotha (Thüringen). Bei einem Besuch der Ständigen Vertretung Bonns in Ost-Berlin drei Jahre zuvor war er festgenommen und zu 15 Monaten Haft verurteilt worden.

Bei seiner Entlassung in den Westen sei ihm zugesichert worden, dass ihm seine Verlobte und sein Sohn in Kürze folgen dürften. Da dies aber nicht geschehen sei, sei er über die Mauer gestiegen, um auf sein Problem aufmerksam zu machen. Mehrere Augenzeugen hatten vergeblich versucht, den 26-Jährigen von seinem Vorhaben abzuhalten.