Gerade 90 Jahre alt geworden, kehrt Berlins größter Wohnungskonzern zu seinen Wurzeln zurück. Am 9. Mai 1924 gründeten sieben Vertreter von Beamten- und anderen Verbänden die Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus. Zweck der Degewo war es, Wohnraum für die „minderbemittelte Bevölkerung“ zu errichten.

Von einer Wohnungsnot wie in der Zwischenkriegszeit, als sich fast vier Millionen Menschen in Berlin drängten, ist die Hauptstadt zwar noch weit entfernt. Aber vor allem in der Innenstadt ist inzwischen kaum noch eine Bleibe frei. Auf 1,5 Prozent ist der Leerstand in den zentralen Bezirken der Stadt gesunken. „Berlin muss bauen“, verkündete darum am Geburtstag der landeseigenen Degewo-Vorstand Frank Bielka.

Die Degewo mit ihren derzeit knapp 63.000 eigenen Wohnungen sieht sich dabei in der Führungsrolle. „Gegenüber den Plänen von 2013 haben wir unser Neubauprogramm bis 2020 verdoppelt“, sagte Bielka. Die Manager haben sich bereits auf den Neubau vorbereitet, als der Senat noch den Wohnungsleerstand beklagte. Darum konnte das Unternehmen in diesem Jahr auch die ersten neu errichteten Kommunalen Wohnungen seit zehn Jahren an Mieter übergeben. Von den 52 neuen Wohnungen an der Waldsassener Straße in Marienfelde seien nur noch zwei zu haben, sagte Bielka.

In diesem Jahr werde der Neubau von 600 Wohnungen begonnen oder fortgesetzt. 83 Millionen Euro werde die Degewo dafür investieren. Insgesamt sind bis 2020 weitere knapp 3000 Wohnungen geplant, eine Halbe Milliarde Euro werde man dafür aufwenden, ohne dass man die Sanierung und Modernisierung vor allem der in die Jahre gekommenen Großsiedlungen im Berliner Westen vernachlässigen werde, versprach Degewo-Finanzvorstand Christoph Beck.

Der Leerstand sinkt

Möglich wird das, weil das Unternehmen anders als andere kommunale Wohnungskonzerne seit Jahren schwarze Zahlen schreibt. 2013 sei das „beste Jahr“ der Degewo seit mindestens 50 Jahren gewesen, sagte Bielka. Der Leerstand sank von 3,3 auf 2,6 Prozent, das Jahresergebnis stieg auf fast 80 Millionen, nach der Gewinnrücklage wurden 32,2 Millionen als Bilanzgewinn ausgewiesen. 1200 Millionen Euro seien in Bestandspflege und energetische Modernisierung geflossen. Die Verschuldung sank auf 1,9 Milliarden Euro und liegt nun bei der angepeilten Marke von 460 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Die Mieten stiegen moderat von 5,28 Euro pro Quadratmeter auf 5,41 Euro.

Ihre Neubauprojekte will die Degewo darum in Angriff nehmen, ohne den vom Senat für die sechs kommunalen Wohnungskonzerne zugelassenen neuen Verschuldungsrahmen von 775 Millionen Euro zu nutzen. Der Neubau werde „nicht zu Lasten einer Verschuldung gehen“, sagte Beck. Um die Mieten von rund einem Drittel der Neubauwohnungen bei der politisch gewünschten Miethöhe von sechs bis sieben Euro zu halten, greift die Degewo auf den Wohnungsbaufonds des Landes zurück, den SPD und CDU kürzlich auf den Weg gebracht haben. 64 Millionen Euro stehen pro Jahr bis 2018 zur Verfügung.

Die Degewo hat als erstes kommunales Unternehmen die Förderung für 120 Wohneinheiten beantragt und nimmt damit zehn Prozent des Jahresvolumens in Anspruch. Auch baut das Unternehmen auf zwei Grundstücken, die ihm vom Land kostenlos überlassen wurden, um die Baukosten zu drücken. An der Kaiser-Wilhelm-Straße in Steglitz sollen ab 2015 48 Wohnungen entstehen, die Hälfte davon gefördert. An der Dessauer Straße in Lankwitz ist ab 2017 der Bau von 186 Wohnungen vorgesehen.

So gerne die Degewo-Manager ihr Neubauprogramm auch in Details präsentieren, so schweigsam geben sie sich, wenn es um Details ihres größten Projektes geht. Am Tempelhofer Damm ist ab 2016 für eine Investitionssumme von 84 Millionen Euro der Bau von 400 neuen Wohnungen vorgesehen. Die gleiche Zahl steht für „weitere Quartiere“ auf dem Tempelhofer Feld in der Projektliste, Ausführungszeitraum und Investitionssumme sind aber noch offen. Wie das von der Degewo gemeinsam mit der Genossenschaft Ideal geplante Quartier jedoch aussehen soll, will die Gesellschaft nicht verraten. Zwei Wochen vor dem Volksentscheid zur Zukunft des Tempelhofer Feldes hält man sich lieber bedeckt. Dafür sei die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig, hieß es.