Der Neubau von Wohnungen in der Stadt kommt in Gang. Die Behörden genehmigten allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres Projekte für 4164 neue Wohnungen. Das sind 163 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Amt für Statistik mitteilte.
Die meisten neuen Wohnungen werden in Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Mitte entstehen, am wenigsten aktiv sind Bauherren in Neukölln. Schon im vergangenen Jahr wurden insgesamt 12.000 Wohnungen neu genehmigt. Neben dem schon seit einiger Zeit boomenden Bau von Eigentumswohnungen sind nun auch neue Mietwohnungen zu günstigen Mieten auf den Weg gebracht. Berlins größte kommunale Wohnungsbaugesellschaft Degewo kündigte am Freitag an, bis zum Jahr 2020 3500 neue Wohneinheiten errichten zu wollen.
600 seien im Bau oder würden bis zum Jahresende begonnen. Damit hat das Unternehmen seine Neubaupläne gegenüber dem vergangenen Jahr noch einmal verdoppelt. Rund ein Drittel der neuen Degewo-Objekte würden mit Förderung des Senats zu Mieten zwischen sechs und sieben Euro pro Quadratmeter angeboten. Das Unternehmen hat auch in Steglitz und Lankwitz zwei Neubauprojekte auf vom Land gratis zur Verfügung gestellten Grundstücken in Planung.
Neubau ist „die größte Herausforderung“ für Berlin
Degewo-Vorstandsmitglied Frank Bielka nannte den Neubau „die größte Herausforderung für unsere Stadt“. Berlin sei angesichts steigender Einwohnerzahlen „schon ein bisschen spät“ dran. Die Stadt wachse jährlich um 40.000 Menschen, das entspreche der Einwohnerzahl von Oranienburg oder des Berliner Ortsteils Rudow. „Wenn wir nicht aktiv gegensteuern, wird in absehbarer Zeit jede Wohnung in Berlin vermietet sein“, warnte Bielka. Besonders in der Innenstadt sei die Lage „brisant“. Dort stehen nur noch 1,5 Prozent der Wohnungen leer, insgesamt sind es im Geschosswohnungsbau in Berlin zwei Prozent.
Als Zeichen eines gesunden Wohnungsmarktes gilt eine Quote von drei Prozent. In einzelnen Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg sei der Leerstand innerhalb weniger Jahre von sieben auf ein Prozent gesunken.
Bielka betonte die Bedeutung des Tempelhofer Feldes. Ohne das ehemalige Flughafengelände verfüge Berlin in der Innenstadt kaum noch über landeseigene Flächen, wo städtische Gesellschaften günstige Wohnungen erstellen könnten.
Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) geht von mindestens 1500 neuen Wohnungen aus, die seine 140 Berliner Mitgliedsunternehmen in diesem Jahr beginnen werden.
BBU-Vorstand Maren Kern forderte den Senat auf, die erwarteten zusätzlichen Einnahmen in den Ausbau der Stadtinfrastruktur zu investieren. „Nur so kann das Wachstum auch weiterhin bewältigt werden“, sagte Kern. Die aktuelle Steuerschätzung hat für Berlin 2014 Mehreinnahmen von 97 Millionen und für 2015 sogar von 293 Millionen Euro ergeben.





