Der rote Teppich, der beim Deutschen Filmpreis wegen des großen Aufgebotes an Prominenten schon am Nachmittag begann, wurde in diesem Jahr erstmals wieder vor dem Tempodrom am Anhalter Bahnhof ausgerollt. Zunächst schien es, als hätten die Veranstalter mit der Überdachung des Flanierbereiches allzu vorsichtig geplant.

Bei strahlendem Sonnenschein stiegen die ersten Gäste aus einem Reisebus. Auch das eine Premiere: Nicht mit einem Limousinenservice, dafür mit umso mehr Klassenfahrtfeeling wurden die Vertreter der Film- und Fernsehbranche zur Verleihung der „Lola“ chauffiert.

Zu den ersten Gästen des Abends, die den roten Teppich noch vor dem Wolkenbruch überqueren konnten, gehörten Schauspielerin Chiara Schoras und Model Franziska Knuppe. Ihr Geheimnis: Beide hatten bei ihrem Styling ganz uneitel auf Unterstützung verzichtet und dadurch wertvolle Zeit gespart. „Ich habe ein krankes Kind zu Hause, da musste heute alles ein bisschen schneller gehen“, so Schoras.

Das Ergebnis konnte sich trotzdem sehen lassen. Ebenso wie bei ihren Kolleginnen Marie Bäumer, Lavinia Wilson, Aylin Tezel und Sonja Kirchberger, die durch elegante Abendgarderobe beeindruckten. Letztere ist als Mitglied der Deutschen Filmakademie stimmberechtigt für die Entscheidung über die Gewinner auch durch Gewissenhaftigkeit.

„Es ist eine riesengroße Verantwortung. Ich mache mir beim Filmegucken immer Notizen“, so Kirchberger. „Nur wenn ich massive Fehler in der Technik sehe, schalte ich aus. Sonst ist es jeder Film wert, zu Ende geschaut zu werden.“ Das fand auch Kostja Ullmann. „Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn die schicke Box mit den Filmen kommt. Es ist ein großes Privileg, sie alle sehen zu könnten“, sagte der Schauspieler.

Helmut Dietl für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Jan Josef Lieferes eröffnete dann unter Applaus die Gala. Eigentlich wird ein Ehrenpreis immer zum Ende einer Gala vergeben. Den Ehrenpreis für herausragende Verdienste bekam an diesem Abend Regisseur Helmut Dietl („Schtonk“, „Zettl“) bereits eine halbe Stunde nach Beginn der Gala von Michael Bully Herbig vergeben.

Unter Standing Ovations wurde der vom Krebs gezeichnete Dietl auf die Bühne gebeten und hielt eine Dankesrede, die viele Anwesende zu Tränen rührte. „Er hat Filmgeschichte geschrieben, Meisterwerke geschaffen“, sagte Herbig. „Danke, danke, danke! Bitte setzen Sie sich hin, sonst muss ich weinen“, sagte Dietl, als sich die Gala-Gäste respektvoll von ihren Plätzen erhoben.

Ausdrücklich dankte er seiner Frau. Die Tatsache, dass er an diesem Abend auf der Bühne stehe, habe er der Pflege seiner Frau zu verdanken. Der 69-Jährige verließ die Veranstaltung direkt nach seinem Auftritt. Auch bei seiner Ankunft war er nicht über den roten Teppich gelaufen.

Tränen der Rührung bei Jördis Triebel

Beste Schauspielerin wurde Jördis Triebel in dem deutsch-deutschen Drama „Westen“ von Christian Schwochow („Der Turm“). Auch sie kämpfte bei ihrer Dankesrede mit den Tränen. Sie spielt in dem Film eine DDR-Bürgerin, die in den Westen ausreist. TV-Urgestein Dieter Hallervorden bekam für seine Rolle als Marathon-Läufer in „Sein letztes Rennen“ die Goldene Lola als bester Schauspieler.

Als bester Nebendarsteller erhielt Tobias Moretti eine Lola für seine Rolle in dem Alpen-Western „Das finstere Tal“. Die Lola für die beste weibliche Nebenrolle ging an Sandra Hüller für ihre Darstellung in „Finsterworld“. Hüller war bei der Gala nicht anwesend. Bester Regisseur wurde Edgar Reitz für die „Die andere Heimat“.

Mit Spannung wurde die Lola für den besten Spielfilm erwartet. Nominiert waren neben „Das finstere Tal“ von Andreas Prochaska die Komödie „Fack ju Göhte“ von Bora Dagtekin sowie Edgar Reitz' vierstündiges Geschichtsepos „Die andere Heimat“. Ebenfalls im Rennen waren die surreale Tragikomödie „Finsterworld“ von Frauke Finsterwalder, der Low-Budget-Liebesfilm „Love Steaks“ von Jakob Lass und das deutsch-norwegische Frauen-Drama „Zwei Leben“ von Georg Maas.

Am Ende machte das Schwarz-Weiß-Drama "Die andere Heimat" das Rennen, Silber erhielt das "Das Finstere Tal", der damit insgesamt acht Preise erhielt, und Bronze "Zwei Leben".