Entsetzen unter Eltern, Lehrern und Schülern an der Renée-Sintenis-Grundschule in Berlin-Frohnau. Am Montagmorgen lagen Berge von Schutt und Bauteilen im Treppenhaus. Eine Decke im Flur in der ersten Etage war eingestürzt.

Die Decke hätte Kinder und Lehrer treffen können, doch der Vorfall ereignete sich am Wochenende. So wurde niemand verletzt. Vor Unterrichtsbeginn entdeckte der Hausmeister den Schaden. Er informierte den Schulleiter, der dafür sorgte, dass keine Kinder in diesen Bereich gelangen. In den vergangenen Monaten zeigten sich wiederholt Bauschäden an Berliner Schulen. In zwei Fällen stürzten Fenster in den Klassenraum und verletzten Schüler.

Das Treppenhaus in der Frohnauer Grundschule ist vorerst gesperrt. Auch die angrenzenden Klassenräume dürfen Schüler und Pädagogen nicht mehr betreten. „Zum Glück war niemand in der Schule“, sagte auch Reinickendorfs Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Der Vorfall gehe auf einen verdeckten Baumangel zurück. „Die Decke ist an einer anderen Decke darüber befestigt worden“, so die Stadträtin. „Das war vor mehr als 50 Jahren, und es ist nicht sachgemäß gemacht worden.“

Die Situation sei nicht vorhersehbar gewesen. Der Schaden habe sich nicht angedeutet, sagte die Schulstadträtin. „Die Decke sah von außen so aus, als sei sie fachmännisch angebaut worden. “ Der Schulleiter sei jetzt in engem Kontakt mit dem Facilitymanagement des Reinickendorfer Bezirksamtes, aber auch mit der Schulaufsicht – „um alle weiteren Schritte zu besprechen“. Am Montagnachmittag sei ein Gutachter in die Schule am Laurinsteig gekommen. „Er muss prüfen, ob diese unsachgemäße Befestigung der Decke auch in anderen Räumen vorgenommen wurde“, sagte Schultze-Berndt.

Baupfusch war nicht zu erkennen

In Abhängigkeit vom Ergebnis werde das Bezirksamt reagieren. „Entweder gehe alles ganz schnell vorbei, weil alles in Ordnung sei und sich die Mängel auf das Treppenhaus beschränkten. Oder man müsse mit entsprechenden Bauarbeiten für die Sicherheit im Gebäude sorgen. „Priorität Nummer eins ist für uns, dass die Kinder sicher sind, so Schultze-Berndt. Man wolle in keiner Weise ein Risiko eingehen und stimme sich deshalb mit dem Gutachter und den Bauleuten im Bezirksamt ab. „Es war ein Baupfusch, der nicht für die Fachleute erkennbar war“, sagte die Stadträtin. Jahrzehntelang sei nichts passiert.

„Am vergangenen Freitag war noch alles in Ordnung.“ Warum die Zwischendecke ausgerechnet an diesem Wochenende einstürzte, darüber könne man nur spekulieren. Wichtig sei: „Man muss aufpassen, dass immer grundsolide gebaut wird.“ Neben der Sicherheit für die 420 Kinder sei wichtig, „dass möglichst wenig Unterricht ausfällt“. Am Montagvormittag wurden bereits viele Stunden planmäßig gegeben. Einige Klassen mussten jedoch innerhalb des Schulgeländes umziehen. „Nachdem eine Baufirma die Räume gesperrt hatte, wurden Kinder im Betreuungsbereich untergebracht“, sagte die Schulstadträtin.

Mütter und Väter waren per SMS, E-Mail oder telefonisch informiert worden. „Ich war erschrocken, als ich das hörte“, sagte eine junge Reinickendorferin, die am frühen Montagnachmittag ihre Tochter abholte. Die Achtjährige wurde bislang direkt im Raum neben dem Flur unterrichtet. „Gott sei Dank ist ihr nichts passiert.“ Bislang seien derartige Schäden im Gebäude nicht bekannt gewesen. „Die Schule ist gut gepflegt. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas passieren kann.“ Sie sei per SMS benachrichtigt worden und habe auch erfahren, dass der Unterricht für Ihre Tochter im Hort stattgefunden habe. In einigen Klassen seien Stunden ausgefallen. „Man muss sehen, wie es weitergeht.“

Statiker prüft weitere Räume der Schule

Neben den zwei Klassenzimmern, die direkt an das Treppenhaus mit der eingestürzten Decke grenzen, könnten nach Auskunft von Schultze-Berndt weitere 13 Räume im Gebäude betroffen sein. „Der Gutachter wird möglicherweise auch morgen noch mit der Untersuchung beschäftigt sein.“ Am heutigen Dienstag werde es keinen regulären Unterricht geben.

Doch niemand solle deshalb zu Hause bleiben. „Die Schule hat es organisiert, dass für die Kinder eine ergänzende Förderung und Betreuung vorgesehen ist.“ Wo es sich kurzfristig organisieren lasse, würden Lehrer auch an anderen Orten unterrichten. Emilia aus der 4c zog am Montag mit ihrer Klasse in den Raum für Naturwissenschaften im Nachbargebäude. Die Neunjährige freute sich auf den Wandertag, der für den heutigen Dienstag angesetzt ist.

Auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist über den Vorfall unterrichtet. „Man kann nur froh sein, dass kein Schüler und kein Lehrer in den Vorfall involviert war“, sagte sie. Die Bezirke sollten feststellen, ob es baugleiche Systeme an anderen Schulen gebe, und diese auf Sicherheit überprüfen.

Erst vor einer Woche hatte sich an einer Spandauer Schule ein Unfall ereignet. Zwei Schüler wurden verletzt, als sich während des Unterrichts ein Fenster über ihnen löste und mit dem Rahmen herunterfiel. Die Jugendlichen erlitten Schnittwunden. Im Dezember des vergangenen Jahres stürzte ein Fenster in der Poelchau-Schule ins Klassenzimmer und verletzte drei Schüler. Die Senatsverwaltung forderte daraufhin alle Schulen auf, die Fenster in ihren Gebäuden zu überprüfen.