Für Dodi, den Hund mit den gelähmten Hinterpfoten, war der Gnadenhof Lehnitz ein kleines Paradies. Ebenso für die sechs Wildschwein-Frischlinge, die ein Spaziergänger halb verhungert im Wald gefunden und auf dem Hof in Oranienburg abgegeben hatte. Für einige Nachbarn aber waren die Tiere auf dem Grundstück am Havelufer ein ständiger Anlass, sich zu ärgern: über den Lärm, den die Hunde, Schweine, Vögel machten, den Gestank, die Besucher, die sich die Tiere ansehen wollten. Jetzt haben sich die Nachbarn durchgesetzt: Der Gnadenhof Lehnitz darf am bisherigen Standort nicht mehr weiterarbeiten. Die Bauaufsicht des Landkreises Oberhavel hat die weitere Nutzung untersagt.

„Wir haben nicht den Gnadenhof verboten“, das ist dem Pressesprecher des Landkreises, Ronny Wappler, wichtig. Aber es habe keine Nutzungsgenehmigung für die Tierauffangstation gegeben. „Der Hof liegt in einem Wohngebiet“, erklärt Wappler. Zwar dürften dort auch Tiere gehalten werden, aber nur in begrenzter Zahl.

„Zuletzt hatten wir etwa 80 Tiere“, sagt Axel Kleinig, einer der Helfer auf dem Gnadenhof. Dazu gehöre auch ein Vogelschwarm mit etwa 50 Papageien und Sittichen. Zeitweise lebten deutlich mehr Tiere auf dem Gnadenhof Lehnitz. Der Dachs und die Stinktiere, die Hunde und die Waschbären sind erst einmal bei den Mitarbeitern und anderen Helfern untergekommen. Nur für einige Kaninchen und die Vögel, die zusammenbleiben sollen, ist noch kein Ausweichquartier gefunden. Gleichzeitig sucht Sandra Schulz, die den Gnadenhof seit etwa zehn Jahren betreibt, nach einem neuen Zuhause, in dem ihre Tierstation weiterarbeiten kann. Im Internet und auf ihrer Facebookseite bittet sie um Hilfe bei der Suche nach einem Hof, auf dem Tierhaltung erlaubt ist, und um Spenden.

Für die Mitarbeiter auf dem Gnadenhof kam die Mitteilung der Bauaufsicht überraschend. Im Spätsommer vergangenen Jahres waren Mitarbeiter des Amts auf dem Hof erschienen. „Sie haben damals mit den Betreibern gesprochen und keine baulichen Veränderungen festgestellt“, sagt Sprecher Wappler. Es habe eine schriftliche Vereinbarung darüber gegeben, was auf dem Hof erlaubt sei. Danach hörten die Gnadenhof-Betreiber nichts mehr vom Amt.

Physiotherapie und Spezialdiät für die Tiere

Bis es jetzt erneut Beschwerden aus der Nachbarschaft gab und noch einmal Mitarbeiter der Bauaufsicht im Grünen Weg vorbeischauten. Die Betreiber habe man nicht angetroffen, sagt Wappler. Beim Gespräch mit einem der Helfer habe sich aber gezeigt, dass sich das Leben auf dem Hof nicht mit der vereinbarten Nutzung decke. „Abgesprochen war eine Nothilfe durch engagierte Tierschützer in kleinem, überschaubarem Umfang. Jetzt wurden dort auch Wildtiere gehalten, es gab starke Emissionen.“ Lärm und Gestank konnte das Amt in einem Wohngebiet nicht mehr dulden.

„Wir haben immer mit den Behörden zusammengearbeitet, wenn es um Fundtiere, verletzte oder verwaiste Wildtiere oder schlecht gehaltene Tiere ging“, schreibt Sandra Schulz auf der Internetseite des Hofs. Sie hätten Ordnungsämtern, der Feuerwehr und der Polizei geholfen und Tiere in ihre Obhut genommen, die niemand mehr wollte.

Sie hat dokumentiert, wie aufwendig die Tiere auf dem Gnadenhof betreut wurden: mit Physiotherapie und Rollstühlen, die bei den gehbehinderten Hunden die Hinterpfoten ersetzen, Flaschenaufzucht für verlassene Waschbärenbabys, Igeljunge oder Vogelküken, Spezialdiät für übergewichtige Dachse. Rund um die Uhr sind die etwa 20 Helfer auf dem Hof im Einsatz, um die Tiere zu betreuen.

Noch hätten sie kein neues Zuhause für den Gnadenhof gefunden, sagt Axel Kleinig. Ebenso wie Sandra Schulz hofft er auf Hilfe bei der Suche. Beim Landkreis ist man bereit, die Tierschützer zu unterstützen. „Wir sind da nicht raus aus der Geschichte“, sagt Wappler. Die Verwaltung müsse einen Spagat bewältigen: auf der einen Seite das Baurecht und der Wunsch der Nachbarn nach Ruhe und besserer Luft. Auf der anderen Seite „fühlen wir uns in der Pflicht, wenn es um Tierschutzbelange geht“.

Wer den Gnadenhof Lehnitz unterstützen möchte, erfährt auf der Internetseite www.notkleintiere.de oder unter Tel. 01623 – 17 71 77, welche Sach- und Futterspenden benötigt werden. Außerdem braucht das Team Geld, um einen neuen Hof zu kaufen oder zu renovieren.