Das war schon eine große Überraschung an jenem 13. März 2014, der für die Berliner Band Elaiza ein historischer Tag werden sollte. Sie trat, nachdem sie sich quasi in letzter Sekunde per Wildcard für das Finale qualifiziert hatten, gegen den Grafen und seine Band „Unheilig“ an, die in Deutschland Millionen Fans haben und ihr Lied „Als wär’s das erste Mal“ gerade routiniert heruntergeknödelt hatten. Alles schien klar und den unbekannten Newcomern aus der Hauptstadt der ehrenhafte zweite Platz gesichert.

Dann geschah das Erstaunliche: Elaiza konnte derart viele Anrufer für sich begeistern, dass die Band um Ela Steinmetz nun für Deutschland zum Eurovision Song Contest nach Kopenhagen fährt. Und wenn man ihren mit folkigen Klängen unterlegten Song „Is it right“ auch nur einmal gehört hat, dann bleibt er im Kopf – erfüllt also jenes berühmte „Ohrwurm“-Kriterium, das eigentlich immer für einen Gewinner des Wettbewerbs ausschlaggebend war. Aber hat der Song auch eine Chance?

Schaut man sich die Quoten der internationalen Buchmacher an, dann wird man dem Trio aus Berlin nur einen halbwegs tröstlichen Platz im Mittelfeld zugestehen können. Relativ unangefochten an der Spitze steht ein armenischer Sänger, Schauspieler und Comedian namens „Aram Mp3“. Er singt mit geschulter und den Kitsch gekonnt vermeidender Stimme eine gefühlvolle Ballade. Er hat allerdings ein Problem: Im ersten Halbfinale hat ihm der dänische Produzent den ersten Startplatz zugewiesen. Das ist bei so einem getragenen, ernsthaften Lied nicht nur dramaturgisch rätselhaft, es könnte sich auch als Nachteil bei der Abstimmung erweisen: Die höchste Platzierung, die ein erstplatzierter Künstler seit Einführung des Televotings im Jahr 1997 schaffen konnte, war Platz 5 – so ein Abend ist eben lang und das Gedächtnis wird in seinem Verlauf auch nicht besser.

Schichtenübergreifende Begeisterung für „Is it right“

Weitere Favoriten auf den Titel sind Schweden, Norwegen, Ungarn und Belgien. Deutschland findet sich in den einschlägigen Tabellen erst auf Rang 12 wieder – und das, obwohl die erfahrenen Experten dem Song wirklich Potenzial bescheinigen. „Ich denke: Der Song kann es weit bringen“, sagt etwa Peter Urban auf der deutschsprachigen Homepage des Wettbewerbs. „So einen guten Song zu haben, das ist natürlich ein Glückstreffer.“ Er berichtet von einer schichtenübergreifenden Begeisterung für den Song, wie es sie vielleicht zuletzt für „Satellite“ gab, mit dem Lena Meyer-Landrut 2010 in Oslo den Eurovision Song Contest gewann.

Und haben nicht die folkloristischen Klänge des Akkordeons, haben nicht vielleicht auch die polnisch-ukrainischen Wurzeln der Sängerin einen beflügelnden Effekt auf die so wichtigen Stimmen aus den mittel- und osteuropäischen Ländern? Man kann viele Anhaltspunkte für Optimismus finden in diesem Jahr – aber der ist ja noch nie ein Garantieschein für Erfolg gewesen.