Görlitzer Park

Kontrollen schrecken Drogendealer auf, aber nicht ab

Im Görlitzer Park patrouillieren jetzt Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Doch sobald keine Beamten vor Ort sind, geht der Drogenverkauf weiter. In der Zwischenzeit spielen Dealer Fußball.

Foto: Steffen Pletl

Nach monatelangen Debatten, Planungen und Ankündigungen wollen die Berliner Polizei und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg jetzt endgültig Ernst machen mit der Bekämpfung des Drogenhandels im Görlitzer Park.

Seit Montag patrouillieren dort Streifen mit vier Personen. Zwei Polizeibeamte und zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind gemeinsam zwischen 7 Uhr morgens und 22 Uhr abends in der Grünanlage am Rande des Kiezes SO 36 unterwegs. Am ersten Tag versetzten sie die Drogendealer zumindest schon einmal in Bewegung. Ob die neue Maßnahme tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt, wird von vielen Anwohnern allerdings bezweifelt.

Man verspreche sich auf Dauer den Effekt, dem Park wieder seinen eigentlichen Sinn zurückzugeben, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Die verstärkte Präsenz solle sowohl Dealer als auch Drogenkäufer abschrecken, so Neuendorf weiter. Aufgeschreckt wurden am Montag zunächst einmal Roma-Gruppen, die in dem Park ihr Domizil aufgeschlagen haben und dort offenbar auch regelmäßig übernachten. Angesichts der am Morgen plötzlich auftauchenden Uniformierten verließen sie fluchtartig den Park. Auch die Drogenhändler reagierten.

Da ihre Geschäfte während der Anwesenheit der Streife zwangsläufig ruhen mussten, vertrieben sie sich die Zeit mit Fußballspielen. Als zwischenzeitlich keine Beamten vor Ort waren, ging der Verkauf sofort weiter.

Sowohl bei der Polizei als auch im Bezirksamt ist man sich offenbar darüber im Klaren, dass die neue Streife allein das Drogenproblem im Görlitzer Park nicht lösen wird. „Parallel dazu werden wir auch weiterhin gezielte Einsätze gegen den Drogenhandel durchführen“, versicherte Neuendorf.

Die Polizei führte in den vergangenen Monaten immer wieder größere Razzien im Park durch und konnte den Handel so zumindest zeitweise eindämmen. Auch am Montag rückte zusätzlich zu der Streife eine Polizeieinheit an, um gezielt mutmaßliche Dealer zu kontrollieren und die weiträumige Grünanlage nach sogenannten Bunkern zur Aufbewahrung des Drogenvorrats zu durchsuchen. Gefunden wurde allerdings nichts.

Spürhunde im Einsatz

Auch das Bezirksamt kündigte weitere Maßnahmen rund um den Görlitzer Park an. Die Dauerstreife sei nur der erste Schritt in einem „mehrstufigen Sicherheitskonzept“, sagte Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach. Als weitere Schritte seien der regelmäßige Einsatz von Drogenspürhunden im Park und gezielte Aufklärungskampagnen bei potenziellen Drogenkäufern geplant.

Dabei sollen vor allem junge Berlin-Besucher angesprochen werden. Nach Erkenntnissen der Polizei und des Bezirksamtes sind es vor allem junge Touristen aus den USA und Südeuropa, die sich im Görlitzer Park mit Drogen eindecken. Am Mittwoch findet zudem ein Treffen von Behördenvertretern mit Anwohnern und Initiativen statt. Dabei sollten weitere Schritte besprochen werden. Auch der umstrittene Vorschlag der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), einen Coffeeshop für den legalen Verkauf weicher Drogen zu eröffnen, steht dabei auf der Tagesordnung. Das Thema sei noch nicht vom Tisch, da alle bisherigen Maßnahmen wenig gebracht hätten, betonte Langenbach.

Die Stimmung unter den Betroffenen zeigt allerdings deutlich, dass die Behörden am Mittwoch wohl erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um die Anwohner von den Maßnahmen zu überzeugen. Bislang herrscht rund um den Park vor allem Skepsis. Wieder eine Maßnahme, die letztlich doch nichts bringt, lautete am Montag eine weitverbreitete Ansicht im Kiez. „Das Ganze dient doch nur dazu, der Öffentlichkeit zu suggerieren, man unternehme etwas, nützen wird es rein gar nichts“, sagte ein Anwohner unter zustimmenden Bemerkungen der Umstehenden.

Dabei unternehmen die Behörden große Anstrengungen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Beispiele polizeilicher Einsätze in anderen Parks, Bahnhöfen und sonstigen Hauptumschlagplätzen für Drogen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass gezielte Kontrollen der Polizei durchaus Erfolge bringen. Immer wieder wurden und werden Dealer aus dem Verkehr gezogen und größere Mengen an Drogen sichergestellt. Aber bei der Polizei wird inoffiziell auch eingeräumt, dass solche Einsätze angesichts der Personalsituation nur von Zeit zu Zeit möglich sind.