Die umstrittene Praxis der Früheinschulung wird in Berlin gelockert. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will zwar an dem Stichtag 31. Dezember festhalten, aber Eltern selbst bestimmen lassen, ob sie ihr Kind ein Jahr zurückstellen, wie die Berliner Tageszeitung „B.Z.“ berichtet. Danach müssten Eltern dafür nur ein Kreuzchen auf dem Anmeldebogen der Grundschule machen. Bisher waren für die Rückstellung Gutachten und Reife-Untersuchungen als Nachweis nötig.
Damit reagiert Scheeres auf die Kritik von Pädagogen, Eltern und dem Koalitionspartner CDU. Die Berliner CDU hatte erst Ende April eine Abkehr vom Berliner Prinzip der Früheinschulung gefordert und favorisierte dabei flexible Lösung, die dem aktuellen Vorschlag der Bildungssenatorin sehr nahe kommt. Bei Kindern, die nach dem 30. Juni ihren sechsten Geburtstag haben, sollten die Eltern selbst über die Einschulung entscheiden können.
Jedes achte Kind zurückgestellt
Nach dem Pisa-Schock waren viele Experten der Auffassung, dass die Defizite leichter ausgeglichen werden könnten, wenn die Kinder früher in die Schule kommen und so gefördert werden können. Berlin begann zum Schuljahr 2005/06 mit früheren Einschulungen, dies sollte vor allem Kindern mit Sprachproblemen helfen. Doch die Früheinschulung stieß auf große Kritik - besonders bei Eltern. Vor Beginn des laufenden Schuljahres wurden in Berlin 3573 Kinder um ein Jahr zurückgestellt. Das sind 13,2 Prozent aller Kinder, die im Sommer 2013 schulpflichtig geworden wären. Im vergangenen Jahr lag die Quote noch bei 10,4 Prozent, davor bei 9,3 Prozent.
Der Senat hatte bereits beim Institut für Schulqualität eine wissenschaftliche Evaluation der Früheinschulung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollten Ende des Jahres vorliegen.
ap




