Mehr Zeit für die Kindheit, noch nicht reif für die Schule – dies sind meist die Gründe der Eltern, wenn sie einen Antrag auf Rückstellung und damit gegen die Früheinschulung stellen. Vor Beginn des laufenden Schuljahres wurden 3573 Kinder um ein Jahr zurückgestellt, wobei Pankow den höchsten Anteil hatte. Dabei sollte die frühere Einschulung Kindern mit Sprachproblemen helfen.

Nach dem Pisa-Schock waren viele Experten der Auffassung, dass die Defizite leichter ausgeglichen werden könnten, wenn die Kinder früher in die Schule kommen und so gefördert werden können. Die Schulen seien nicht ausreichend eingerichtet auf die jungen Schüler, die zum Teil noch ihren Mittagschlaf und mehr Bewegung bräuchten, meint Inge Hirschmann, Vorsitzende des Grundschulverbandes Berlin Brandenburg. Inzwischen hat jede dritte Grundschule die Reform gestoppt. Dennoch ist die Senatsverwaltung für Bildung überzeugt, dass die Früheinschulung sinnvoll ist. Dabei steht die von ihr selbst in Auftrag gegebene wissenschaftliche Evaluation der Früheinschulung durch das Institut für Schulqualität noch aus. Die Ergebnisse sollten Ende des Jahres vorliegen.

Kritiker der Früheinschulung befürchten, dass die Veröffentlichung verzögert wird. Dem widerspricht die Bildungsverwaltung: Die Verzögerung gehe darauf zurück, dass noch nicht ausgewertet sei, ob es einen Zusammenhang zwischen den Klassenwiederholern und dem Einschulungsalter gibt. Eine solche Auswertung hatten die Abgeordneten des Schulausschusses gefordert.

BM